Die Schweizer Hotelbranche durchläuft einen tiefgreifenden Wandel. Während die Zahl der kleineren, unabhängigen Hotels abnimmt, steigen die Touristenzahlen und die Anzahl der verfügbaren Betten. Diese Entwicklung unterstreicht die wachsende Dominanz internationaler Hotelketten gegenüber traditionellen Familienbetrieben, insbesondere in urbanen Zentren und zunehmend auch in beliebten Tourismusregionen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Schweiz verzeichnete in den letzten zehn Jahren einen Rückgang von 557 Hotels.
- Die Hotelübernachtungen stiegen im gleichen Zeitraum um 22,5 %.
- Die Anzahl der Hotelbetten wuchs um 9,1 %.
- Kettenhotels expandieren rasant und kontrollieren mittlerweile fast ein Drittel aller Hotelzimmer.
- Die durchschnittliche Hotelgrösse ist seit 2010 von 26,1 auf 32,8 Zimmer gestiegen.
Rückgang kleiner Hotels und Aufstieg der Ketten
Aktuelle Statistiken offenbaren einen deutlichen Kontrast im Schweizer Gastgewerbe. Das Bundesamt für Statistik meldete per September 4.236 Hotelbetriebe in der Schweiz. Dies entspricht einem Rückgang von 557 Hotels oder 11,6 Prozent im Vergleich zu vor zehn Jahren. Dieser Rückgang betrifft hauptsächlich kleinere, unabhängige Betreiber.
Trotz der schrumpfenden Anzahl von Betrieben verzeichnet die Branche in anderen Bereichen ein deutliches Wachstum. In den letzten zehn Jahren ist die Zahl der Übernachtungen um 22,5 Prozent gestiegen. Gleichzeitig hat die Gesamtzahl der landesweit verfügbaren Hotelbetten um 9,1 Prozent zugenommen.
Schweizer Hotelbranche im Überblick (Letzte 10 Jahre)
- Hotels: Rückgang um 11,6 % (557 Betriebe weniger)
- Übernachtungen: Zunahme um 22,5 %
- Hotelbetten: Zunahme um 9,1 %
Der Einfluss internationaler Marken
Das Wachstum bei Betten und Übernachtungen, verbunden mit dem Rückgang der Gesamtzahl der Hotels, deutet auf einen klaren Trend hin: die Expansion grosser Hotelketten. Internationale Gruppen wie Accor, Marriott, Intercontinental Hotel Group und H World International bauen ihre Präsenz in der Schweiz aggressiv aus. Accor beispielsweise hat in jüngster Zeit durchschnittlich mehr als zwei neue Hotels pro Jahr eröffnet.
Neueröffnungen unterstreichen diesen Trend. Das Swissôtel Bern, das Mama Shelter in Zürich und das Mövenpick in Basel sind Paradebeispiele. Diese Hotels sind mit 170 bis 264 Betten deutlich grösser als der Durchschnitt und gehören alle zur französischen Accor-Gruppe. Auch andere Ketten machen sich bemerkbar: Marriotts Marke Moxy eröffnet im Dezember ihr erstes Schweizer Hotel in Zürich und ein weiteres in Aarau.
„Die Markenhotellerie wird stark wachsen“, erklärte Michael Schnuerle, Berater bei Horwath, einem auf das Gastgewerbe spezialisierten Unternehmen. Er betonte, dass institutionelle Investoren eine klare Präferenz für etablierte Marken und Betreiber zeigen.
Investitionen und Grösse treiben das Wachstum voran
Zahlen von Horwath zeigen, dass die Anzahl der Kettenhotels in der Schweiz allein im Jahr 2024 um rund 7 Prozent gestiegen ist. Diese rasche Expansion bedeutet, dass fast ein Drittel aller Hotelzimmer in der Schweiz mittlerweile zu einer Kette gehört. Diese Entwicklung ist massgeblich auf die Fähigkeit der Ketten zurückzuführen, Grossinvestitionen zu tätigen und grössere Betriebe zu führen.
Die durchschnittliche Grösse eines Hotels in der Schweiz hat stetig zugenommen. Daten des Branchenverbandes Hotelleriesuisse zeigen, dass zwischen 2010 und 2024 die durchschnittliche Zimmeranzahl pro Betrieb von 26,1 auf 32,8 stieg. Dies deutet auf eine Verlagerung hin zu grösseren, wirtschaftlich rentableren Immobilien.
Warum Investoren Ketten bevorzugen
Institutionelle Investoren, wie der UBS-Immobilienfonds, der das Mama Shelter in Zürich finanzierte, bevorzugen oft etablierte Marken. Diese Marken bieten ein bewährtes Betriebsmodell, globale Bekanntheit und Zugang zu umfangreichen Buchungsnetzwerken. Während Accor das Mama Shelter verwaltet, besitzt es das Gebäude nicht, was ein gängiges Modell illustriert, bei dem Ketten Immobilien betreiben, die von externen Investoren finanziert werden.
Urbane Dominanz und regionale Expansion
Historisch gesehen waren städtische Gebiete empfänglicher für Kettenhotels. Städte wie Zürich und Basel mit ihrem höheren Anteil an Geschäftsreisenden verzeichneten grössere durchschnittliche Hotelgrössen. Laut Hotelleriesuisse hat das durchschnittliche Hotel in der Region Zürich 58 Zimmer, während es in Basel 90 Zimmer aufweist. Geschäftsreisende bevorzugen Marken oft aufgrund von Firmenverträgen und Treueprogrammen.
Dieser Trend erstreckt sich jedoch nun über die Stadtgrenzen hinaus. Während der COVID-19-Pandemie verzeichneten beliebte Tourismusregionen wie Graubünden, das Wallis und das Berner Oberland einen deutlichen Anstieg der Übernachtungen. Diese Verschiebung hat die Aufmerksamkeit grosser Hotelbetreiber auf sich gezogen, die nun in diese zuvor weniger dominierte Gebiete expandieren wollen, um ihren Wachstumskurs beizubehalten.
- Region Zürich: Durchschnittlich 58 Zimmer pro Hotel
- Basel: Durchschnittlich 90 Zimmer pro Hotel
- Graubünden: Durchschnittlich 33 Zimmer pro Hotel
- Wallis: Durchschnittlich 26 Zimmer pro Hotel
Herausforderungen für Familienhotels
Der Aufstieg grosser Ketten stellt kleinere, familiengeführte Hotels vor erhebliche Herausforderungen. Ketten profitieren von erheblichen Skaleneffekten, die es ihnen ermöglichen, Vorräte in grossen Mengen einzukaufen und eine höhere betriebliche Effizienz zu erzielen. Ihre globale Markenbekanntheit und hochvolumige Buchungskanäle verschaffen ihnen zudem einen Wettbewerbsvorteil bei der Gewinnung internationaler Kunden.
Viele unabhängige Betriebe haben es schwer gefunden, mit diesen Vorteilen zu konkurrieren, was einige dazu veranlasst hat, den Betrieb einzustellen. Während die Marktdynamik grössere Unternehmen begünstigt, bleibt ein einzigartiger Vorteil für traditionelle Hotels bestehen.
Der Charme und die persönliche Gastfreundschaft von Familienbetrieben sind Qualitäten, die von grossen Konzernen nicht leicht repliziert oder skaliert werden können. Dieses besondere Merkmal bietet eine dauerhafte Anziehungskraft für ein Segment von Reisenden, die ein intimeres und authentischeres Schweizer Erlebnis suchen.
Während sich die Schweizer Hotellandschaft weiterentwickelt, wird das Gleichgewicht zwischen globaler Effizienz und lokalem Charakter die Zukunft ihres Gastgewerbes bestimmen.




