Die Gesetzgeber im Kanton Bern setzen sich für eine signifikante Änderung im Umgang mit Fangewalt ein. Ein neuer, von einer parteiübergreifenden Gruppe unterstützter Vorstoss, schlägt vor, sich auf die Strafverfolgung einzelner Täter zu konzentrieren, anstatt Kollektivstrafen anzuwenden. Diese Initiative folgt auf jüngste Ausschreitungen von BSC Young Boys-Fans während eines Europa League-Spiels in Birmingham.
Der Vorschlag zielt darauf ab, die Fähigkeiten der Polizei zu stärken und rechtliche Prozesse zu optimieren, weg von pauschalen Sanktionen, die oft unschuldige Fans betreffen. Er soll sicherstellen, dass diejenigen, die für Gewalttaten verantwortlich sind, direkte und schnelle Konsequenzen tragen.
Wichtige Erkenntnisse
- Berner Gesetzgeber schlagen individuelle Strafverfolgung bei Fangewalt vor.
- Der Vorstoss zielt darauf ab, Kollektivstrafen zu beenden.
- Er fordert eine spezialisierte Polizeieinheit und schnellere Gerichtsverfahren.
- Der Präsident des BSC Young Boys unterstützt die gezielte Verfolgung einzelner Täter.
Neuer Ansatz bei Fangewalt
SVP-Grossrat Fabian Zulliger hat zusammen mit acht weiteren Grossratsmitgliedern verschiedener Parteien einen Vorstoss im Berner Grossrat eingereicht. Dieser Vorstoss fordert einen gezielten Ansatz zur Verfolgung einzelner Täter bei Fangewalt. Ziel ist es, von Kollektivstrafen abzukommen, die oft eine ganze Gruppe von Fans betreffen.
Der Anstoss für diesen Vorschlag stammt von den Unruhen während des Europa League-Spiels des BSC Young Boys in Birmingham im November 2025. Diese Ereignisse lösten in Bern eine breitere Diskussion über wirksame Strategien zur Bekämpfung von fanbezogenen Störungen aus.
Fakt: Parteiübergreifende Unterstützung
Der Vorstoss wird von Mitgliedern verschiedenster politischer Parteien unterstützt, darunter SVP, FDP, EVP, EDU, GLP und Mitte. Diese breite Unterstützung unterstreicht eine parteiübergreifende Besorgnis hinsichtlich Fangewalt.
Stärkung von Strafverfolgung und Justiz
Die vorgeschlagenen Massnahmen sollen die Fähigkeiten der Strafverfolgungsbehörden und des Justizsystems verbessern. Eine zentrale Forderung ist die Einrichtung einer spezialisierten Polizeieinheit zur Bekämpfung von Sportgewalt. Diese Einheit würde sich auf die Identifizierung und Festnahme von Personen konzentrieren, die für störendes Verhalten verantwortlich sind.
Ein weiteres wichtiges Element des Vorstosses ist die Forderung nach schnellen Gerichtsverfahren gegen Straftäter. Dies würde sicherstellen, dass Personen, die Gewalttaten begehen, ohne unnötige Verzögerung zur Rechenschaft gezogen werden. Darüber hinaus betont der Vorstoss die Notwendigkeit einer verstärkten Auswertung von Videomaterial, einem entscheidenden Werkzeug zur Identifizierung von Tätern.
„Die gezielte Verfolgung einzelner Täter ist unerlässlich. Sie verhindert, dass unschuldige Fans unter den Handlungen einiger weniger leiden, und stellt sicher, dass die Verantwortung dort liegt, wo sie hingehört.“ – Fabian Zulliger, SVP-Grossrat
Auswirkungen auf den BSC Young Boys
Der Fussballclub BSC Young Boys hat ebenfalls seine Unterstützung für eine Verlagerung hin zur individuellen Verantwortlichkeit zum Ausdruck gebracht. Marcel Brülhart, Präsident von YB, hat zuvor Bedenken hinsichtlich der wahrgenommenen Reduzierung der in der Schweiz verfügbaren Ressourcen zur Bekämpfung von Fangewalt geäussert. Er glaubt, dass dies zu einer Situation geführt hat, in der solche Vergehen oft ungestraft bleiben.
Laut Brülhart hat das derzeitige System die individuelle Täterverfolgung „praktisch eingestellt“. Dies hat ein Umfeld geschaffen, in dem Gewalttaten mit geringer Angst vor Konsequenzen begangen werden können. Der neue Vorstoss stimmt mit dem Wunsch des Clubs nach einer effektiveren Durchsetzung überein.
Hintergrund: Kollektivstrafen
Historisch gesehen waren Kollektivstrafen, wie Stadionverbote oder finanzielle Sanktionen gegen Vereine, gängige Reaktionen auf Fangewalt. Obwohl sie abschrecken sollen, argumentieren Kritiker, dass diese Massnahmen eine grosse Anzahl friedlicher Fans für die Handlungen einer Minderheit unfair bestrafen.
Die Notwendigkeit schneller Justiz
Der Drang nach schnellen Verfahren ist ein zentraler Bestandteil des Vorstosses. Wenn Verhaftungen vorgenommen werden, wie die während des Aston Villa-Spiels, bei dem ein YB-Fan vor Ort festgenommen wurde, ist schnelles rechtliches Vorgehen entscheidend. Verzögerte Prozesse können die abschreckende Wirkung und das öffentliche Vertrauen in das Justizsystem untergraben.
Die Verwendung von Videobeweisen ist ebenfalls von entscheidender Bedeutung. Moderne Stadionsicherheitssysteme und öffentliche Überwachung erfassen oft Vorfälle und liefern wertvolles Material zur Identifizierung der Beteiligten. Die Verbesserung der Analyse dieses Materials kann die Erfolgsquote individueller Strafverfolgungen erheblich steigern.
- Spezialisierte Polizeieinheit: Ein engagiertes Team, das sich auf sportbezogene Gewalt konzentriert.
- Schnellverfahren: Beschleunigte Gerichtsverfahren für Straftäter.
- Videoanalyse: Verstärkte Nutzung von Überwachungsmaterial zur Identifizierung von Personen.
Langfristige Ziele für die Fannensicherheit
Dieser legislative Vorstoss stellt einen Versuch dar, ein sichereres Umfeld für alle Sportbegeisterten zu schaffen. Durch die Konzentration auf individuelle Verantwortlichkeit hoffen die Gesetzgeber, gewalttätiges Verhalten effektiver abzuschrecken und eine Kultur der Verantwortung unter den Fans zu fördern. Er soll auch die Mehrheit der gutmütigen Fans vor den Auswirkungen einiger weniger Randalierer schützen.
Die Debatte um Fangewalt ist im Gange, aber dieser Vorstoss aus dem Kanton Bern signalisiert eine klare Richtung hin zu gezielteren und effektiveren Interventionen. Das Ergebnis dieses Vorschlags im Grossen Rat wird von Fussballvereinen, Fanorganisationen und Strafverfolgungsbehörden in der ganzen Schweiz genau beobachtet werden.




