Wissenschaftler der Universität Bern bereiten sich darauf vor, den Asteroiden Apophis zu beobachten, wenn er 2029 der Erde außergewöhnlich nahekommt. Forscher werden eine spezielle hochauflösende Kamera verwenden, um zu untersuchen, wie die Schwerkraft der Erde den Asteroiden beeinflusst. Diese Mission zielt darauf ab, entscheidende Daten für planetare Verteidigungsstrategien zu sammeln.
Wichtige Erkenntnisse
- Asteroid Apophis wird am 13. April 2029 in einer Entfernung von 32.000 Kilometern an der Erde vorbeiziehen.
- Die Universität Bern steuert eine spezielle Kamera, Chances, zur Ramses-Mission bei.
- Chances wird detaillierte Bilder aufnehmen, um subtile Verformungen durch die Erdanziehungskraft zu erkennen.
- Die Mission liefert einzigartige Einblicke in das Verhalten von Asteroiden und hilft bei der Entwicklung von Ablenkungsstrategien.
Beispiellose Annäherung an Apophis
Der Asteroid 99942 Apophis wird am 13. April 2029 in einer unglaublich geringen Entfernung von nur 32.000 Kilometern an der Erde vorbeiziehen. Dieses Ereignis ist selten und bietet eine einzigartige Gelegenheit für wissenschaftliche Beobachtungen. Zum Vergleich: Diese Entfernung ist geringer als die einiger geostationärer Kommunikationssatelliten, die unseren Planeten umkreisen.
Dieser nahe Vorbeiflug ist ein zentraler Fokus der Rapid Apophis Mission for Space Safety (Ramses). Die Europäische Weltraumorganisation (ESA) und die Japanische Raumfahrtagentur (Jaxa) leiten diese internationale Anstrengung gemeinsam. Die Mission zielt darauf ab, die physikalischen Veränderungen zu verstehen, die ein Asteroid erfährt, wenn er erheblichen Gravitationskräften ausgesetzt ist.
Wussten Sie schon?
Apophis wird auf etwa 340 Meter Durchmesser geschätzt. Seine nahe Annäherung im Jahr 2029 war ursprünglich eine Sorge wegen eines möglichen Einschlags, aber weitere Berechnungen schlossen eine Kollision für mindestens die nächsten 100 Jahre aus.
Berns Beitrag: Die Chances-Kamera
Die Universität Bern spielt eine bedeutende Rolle in der Ramses-Mission. Sie steuert ein hochmodernes Kamerasystem namens Chances bei, ein Akronym für Colour High-resolution Apophis Narrowangle CamEra System. Dieses Instrument wurde entwickelt, um hochdetaillierte Beobachtungen der Oberfläche und Struktur von Apophis zu liefern.
Antoine Pommerol leitet die Entwicklung der Chances-Kamera am Physikalischen Institut der Universität Bern. Er betonte die Fähigkeiten der Kamera.
„Unser Instrument wird detaillierte Bilder der Oberfläche von Apophis erstellen und in der Lage sein, subtile Veränderungen zu erkennen, die durch die Erdanziehungskraft verursacht werden“, erklärte Pommerol.
Die hohe Auflösung der Kamera ist entscheidend. Sie wird es Wissenschaftlern ermöglichen, winzige Details zu beobachten, die sonst von der Erde aus unmöglich zu erkennen wären. Dazu gehören Veränderungen in der Form und den Oberflächenmerkmalen des Asteroiden.
Untersuchung von Gravitationseffekten
Wenn Apophis der Erde so nahekommt, wird das starke Gravitationsfeld unseres Planeten erhebliche Gezeitenkräfte auf den Asteroiden ausüben. Wissenschaftler sagen voraus, dass diese Kräfte mehrere beobachtbare Effekte verursachen werden. Die Form des Asteroiden könnte sich leicht verformen, und seine Rotation könnte sich ändern. Dies sind wichtige Untersuchungsbereiche für die Chances-Kamera.
Zusätzlich könnte der Gravitationsstress kleine Erdrutsche auf der Oberfläche von Apophis auslösen. Solche Ereignisse könnten Material aus dem Inneren des Asteroiden freilegen, das noch nie zuvor gesehen wurde. Dies würde wertvolle Hinweise auf seine Zusammensetzung und innere Struktur liefern.
Hintergrund zu Gezeitenkräften
Gezeitenkräfte sind die differentiellen Gravitationskräfte, die ein Himmelskörper auf verschiedene Teile eines anderen Körpers ausübt. Auf der Erde sind diese Kräfte für die Gezeiten der Ozeane verantwortlich, die durch die Anziehungskraft des Mondes verursacht werden. Im Weltraum können sie kleinere Objekte wie Asteroiden verformen oder sogar auseinanderbrechen.
Fortschritte in der planetaren Verteidigung
Über ihren wissenschaftlichen Wert hinaus hat die Ramses-Mission eine entscheidende praktische Anwendung: die planetare Verteidigung. Die von Apophis gesammelten Daten werden maßgeblich zur Entwicklung von Strategien zum Schutz der Erde vor zukünftigen Asteroideneinschlägen beitragen. Das Verständnis, wie ein Asteroid auf Gravitationskräfte reagiert, ist für jede potenzielle Ablenkungsmission von entscheidender Bedeutung.
Martin Jutzi, ebenfalls vom Physikalischen Institut der Universität Bern, hob diesen Aspekt hervor.
„Die gewonnenen Daten werden helfen, Strategien zur Ablenkung von Asteroiden zu entwickeln und so die Sicherheit unseres Planeten zu gewährleisten“, erklärte Jutzi. „Der nahe Vorbeiflug von Apophis bietet eine einzigartige Gelegenheit, die Auswirkungen der Gezeitenkräfte der Erde auf einen Asteroiden zu untersuchen.“
Diese Erkenntnisse sind grundlegend für die Entwicklung effektiver Konzepte zur Asteroidenablenkung. Sie werden Ingenieuren Aufschluss darüber geben, wie sie die Flugbahn eines Asteroiden ändern könnten, falls er jemals eine Bedrohung für die Erde darstellen sollte. Die Mission ist ein proaktiver Schritt zum Schutz unseres Planeten vor kosmischen Gefahren.
Die Zusammenarbeit zwischen internationalen Raumfahrtagenturen und Forschungseinrichtungen wie der Universität Bern unterstreicht die globalen Anstrengungen, die für die planetare Verteidigung erforderlich sind. Der Vorbeiflug von Apophis im Jahr 2029 stellt einen bedeutenden Moment für die Weltraumwissenschaft und die langfristige Sicherheit der Erde dar.


