Das 13. Schweizer Tourismus Forum in Bern befasste sich kürzlich mit dem Klimawandel als kritische Herausforderung für den Tourismussektor des Landes. Über 165 Führungskräfte aus Politik, Wirtschaft, Forschung und Verwaltung trafen sich, um Strategien zu diskutieren. Ziel ist es, den Destinationen zu helfen, sich an steigende Temperaturen anzupassen und gleichzeitig bis 2050 Netto-Null-Emissionen zu erreichen.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Klimawandel ist menschengemacht und betrifft bereits Schweizer Regionen.
- Anpassungsmassnahmen und Emissionsreduktionsbemühungen müssen Hand in Hand gehen.
- Neue Daten-Tools, wie Kompass Schnee, helfen Winterdestinationen, fundierte Entscheidungen zu treffen.
- Effektive Klimakommunikation beinhaltet Storytelling und emotionale Ansprache.
- Die Erkenntnisse des Forums werden in die neue eidgenössische Tourismusstrategie der Schweiz einfliessen, die bis 2027 vorliegen soll.
Das Klima-Problem verstehen
Erich Fischer von der ETH Zürich hielt eine Grundsatzrede, in der er den menschlichen Ursprung des Klimawandels betonte. Er hob hervor, dass seine Auswirkungen bereits in vielen Regionen sichtbar sind. Fischer betonte die Notwendigkeit, Klimaschutz mit Anpassungsstrategien zu verbinden. Er wies auch auf die wachsende Bedeutung regionaler Authentizität und lokaler Wertschöpfung im Tourismus hin.
Die Dringlichkeit der Situation ist offensichtlich. Die Tourismusbranche, insbesondere in Bergregionen, ist direkt betroffen. Eine reduzierte Schneedecke beispielsweise wirkt sich direkt auf den Wintersport aus. Dies erfordert eine Neuausrichtung des Schwerpunkts und der Investitionen für viele Destinationen.
"Klimaschutz und Anpassung müssen gemeinsam betrachtet werden. Regionale Authentizität und lokale Wertschöpfung gewinnen zunehmend an Bedeutung."
Erich Fischer, ETH Zürich
Klima-Fakt
Die Bodenseeregion erlitt aufgrund niedriger Wasserstände und Quagga-Muschel-Ablagerungen erhebliche finanzielle Verluste von rund 700.000 Schweizer Franken, was eine 74-tägige Schliessung der Schifffahrtswege zur Folge hatte.
Von Konzepten zu konkreten Massnahmen
Martina Hollenstein, Projektleiterin des Innotour-Projekts 'Klima-Fit Destinationen', schloss sich Fischers Ausführungen an. Sie betonte die Wichtigkeit, Massnahmen frühzeitig in der Praxis zu testen. Dieser Ansatz sei effektiver, als lediglich theoretische Konzepte zu entwickeln. Die Beispiele ihres Teams zeigen, dass die Anpassung an den Klimawandel sowohl möglich als auch wirtschaftlich sinnvoll ist. Dies beinhaltet die Weiterentwicklung bestehender Angebote und die Schärfung der Marktpositionierung.
Das Projekt 'Beyond Snow' beispielsweise erforscht Zukunftsmodelle für den alpinen Tourismus. Es konzentriert sich darauf, wie sich Bergregionen an eine schwindende Schneedecke anpassen können. Dazu gehören die Diversifizierung von Aktivitäten und die Förderung des Ganzjahrestourismus. Solche Initiativen sind entscheidend für die langfristige Nachhaltigkeit.
Tools zur Anpassung und Emissionsreduktion
Eine bemerkenswerte Entwicklung ist das Innotour-Projekt 'Kompass Schnee'. Diese neue Plattform auf STnet liefert Winterdestinationen, Seilbahnbetreibern und Behörden wichtige Daten. Sie hilft ihnen, fundierte Entscheidungen über Anpassungsmassnahmen zu treffen. Die Plattform bietet eine realistische Einschätzung der Schneeverhältnisse und leitet Investitionen und Dienstleistungsentwicklung.
Workshops auf dem Forum untersuchten Wege zu klimaneutralen Destinationen. Beispiele wie Vercorin und die Klimaneutrale Region Berner Oberland zeigten Erfolge. Diese Fälle zeigen, dass ganze Regionen gemeinsam Emissionsreduktionsziele verfolgen können. Klare Ziele und definierte Verantwortlichkeiten sind der Schlüssel zu diesem kollektiven Engagement.
Hintergrund zur Bundesförderung
Experten stellten auch Adapt+ vor, ein neues Bundesförderinstrument des Bundesamtes für Umwelt. Darüber hinaus unterstützen Programme des Bundesamtes für Energie die Emissionsreduktion. Diese Initiativen bieten entscheidende finanzielle und technische Unterstützung für klimafreundliche Projekte im Tourismus.
Die Kraft der Klimakommunikation
Ein wesentlicher Teil der Diskussion konzentrierte sich auf die Klimakommunikation. Experten schlugen vor, über reine Fakten und Zahlen hinauszugehen. Stattdessen plädierten sie dafür, Geschichten zu erzählen und Emotionen anzusprechen. Dieser Ansatz ist wahrscheinlicher, um nachhaltige Handlungen sowohl von Gästen als auch von Unternehmen zu fördern. Fachsprache allein motiviert oft nicht zu Verhaltensänderungen.
Effektive Kommunikation kann die Vorteile des nachhaltigen Tourismus hervorheben. Sie kann zeigen, wie umweltfreundliche Praktiken das Besuchererlebnis verbessern. Diese Verschiebung hilft, Nachhaltigkeit in die Kernidentität einer Destination zu integrieren. Sie geht über die Einhaltung von Vorschriften hinaus zu echtem Engagement.
Gestaltung der zukünftigen eidgenössischen Tourismusstrategie
Reto Burkard, stellvertretender Direktor des Bundesamtes für Umwelt, skizzierte die Rolle des Tourismus im Klimaschutz. Als branchenübergreifende Industrie ist der Tourismus besonders den Klimaauswirkungen ausgesetzt. Er hat aber auch die Verantwortung, sowohl zur Minderung als auch zur Anpassung beizutragen. Die Klimagesetzgebung legt einen klaren Weg zur Netto-Null bis 2050 fest. Sie stellt Instrumente bereit, die konsequent genutzt werden müssen.
Die Ergebnisse des Forums werden das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) direkt bei der Entwicklung der neuen eidgenössischen Tourismusstrategie informieren. Die Anpassung an den Klimawandel und die Minderung sind zentrale Bestandteile dieser kommenden Strategie. Der Bundesrat wird die Strategie voraussichtlich bis Anfang 2027 genehmigen. Ihre erfolgreiche Umsetzung wird von konkreten Massnahmen auf Destinationsebene und dem koordinierten Einsatz der verfügbaren Förderinstrumente abhängen.
Investitionen in den Tourismus
Bundesmittel von 2012 bis 2023 haben Tourismusprojekte erheblich gefördert und Netzwerke gestärkt. Viele Initiativen werden laut einer Seco-Evaluation langfristig fortgesetzt.
Das Forum als Dialogplattform
Das Schweizer Tourismus Forum dient weiterhin als wichtige Plattform für Austausch und Koordination. Seine jährliche Veranstaltung, zusammen mit thematischen Arbeitsgruppen und Webinaren, hilft, Branchenherausforderungen anzugehen. Dies geschieht durch den Dialog zwischen der Tourismusbranche, Regionen, Kantonen und Bundesbehörden. Das Seco finanziert und leitet das Forum und gewährleistet eine kontinuierliche Zusammenarbeit bei diesen wichtigen Themen. Die kollektive Anstrengung zielt darauf ab, eine widerstandsfähige und nachhaltige Zukunft für den Schweizer Tourismus zu sichern.
Die Branche zukunftssicher machen
Die Diskussionen auf dem Forum unterstreichen einen proaktiven Ansatz. Die Branche reagiert nicht nur auf den Klimawandel. Sie sucht aktiv nach innovativen Lösungen. Dazu gehört die Entwicklung neuer Modelle für Skigebiete zur Beurteilung der Schneesicherheit. Es geht auch darum, angesichts steigender Temperaturen klug zu investieren. Datenmodelle, die von Tourismusorganisationen und Wissenschaftlern lanciert wurden, stossen auf grosses Interesse.
Der Sektor befasst sich auch mit umfassenderen Themen. Dazu gehören Kreislaufwirtschaftsprinzipien und die Bewältigung des Fachkräftemangels. Konferenzen wie Regiosuisse bringen Experten zusammen, um über regionale Wertschöpfung zu diskutieren. Sie untersuchen auch, wie die Neue Regionalpolitik Regionen stärken kann. Dieser ganzheitliche Ansatz ist entscheidend für eine florierende Tourismuszukunft.
- Neue Datenmodelle helfen, die Schneesicherheit für Skigebiete zu beurteilen.
- Das Projekt 'Kompass Schnee' prognostiziert den Rückgang der natürlichen Schneedecke bis 2050.
- Regionale Konferenzen diskutieren Kreislaufwirtschaft und Herausforderungen im Bereich der Arbeitskräfte.
Auch die Einbindung junger Fachkräfte hat Priorität. Die jüngsten Tourism Experience Days in Zürich brachten 50 junge Menschen mit Branchenaufgaben und Fachleuten zusammen. Diese Initiative hilft, die nächste Generation von Tourismusführern zu fördern. Sie sichert einen kontinuierlichen Fluss frischer Ideen und Talente in den sich entwickelnden Sektor.
International leistet die Schweiz ebenfalls ihren Beitrag. Das Land nutzte die UN-Generalversammlung für Tourismus in Riad, um seine Positionen zu präsentieren. Zu den Hauptthemen gehörten künstliche Intelligenz, internationale Zusammenarbeit und die Wahl des neuen Generalsekretärs. Dieses globale Engagement unterstreicht das Engagement der Schweiz, die Zukunft des Tourismus weltweit mitzugestalten.




