Achtzehn Mietparteien in Bern stehen bis Ende Juli vor der Kündigung. Die Pensionskasse der Burgergemeinde Bern, ihr Vermieter, hat diese Kündigungen ausgesprochen. Dieser Schritt erfolgt nicht wegen Renovierungen, sondern um erhebliche Mietpreiserhöhungen von 41 bis 64 Prozent durchzusetzen. Betroffene Bewohner haben diese Kündigungen angefochten, jedoch ohne Erfolg.
Diese Situation verdeutlicht einen wachsenden Trend der «Leerstandsräumungen» in der ganzen Schweiz. Vermieter kündigen bestehende Mietverträge, um Immobilien zu wesentlich höheren Preisen neu zu vermieten. Diese Praxis wirft Bedenken hinsichtlich der Bezahlbarkeit und Stabilität von Wohnraum in städtischen Zentren auf.
Wichtige Erkenntnisse
- 18 Mietparteien in Bern erhielten Kündigungen für Juli.
- Die Mieten sollen nach dem Auszug der aktuellen Mieter um 41 bis 64 Prozent steigen.
- Alle rechtlichen Anfechtungen der Mieter waren erfolglos.
- «Leerstandsräumungen» sind ein zunehmendes Problem in Schweizer Städten.
- Ähnliche Fälle sind in Zürich und Genf aufgetreten und betreffen Hunderte.
Der Fall Bern: Ein genauerer Blick
Die Kündigungen in Bern betreffen drei Liegenschaften im Besitz der Pensionskasse der Burgergemeinde Bern. Die Bewohner müssen ihre Wohnungen bis Ende Juli räumen. Die Pensionskasse erklärte, dass ihre Handlungen rechtmässig seien und alle Gerichtsverfahren zu ihren Gunsten abgeschlossen wurden.
Diese Entscheidung bedeutet, dass langjährige Bewohner in einem schwierigen Markt eine neue Wohnung finden müssen. Die erheblichen Mietpreiserhöhungen sind ein Hauptstreitpunkt. Die Mieter argumentieren, dass diese Erhöhungen übermässig und unfair sind.
Fakt: Mietpreiserhöhungen
Die geplanten Mietpreiserhöhungen liegen für die betroffenen Berner Liegenschaften zwischen 41 und 64 Prozent. Dies stellt einen erheblichen Anstieg der Wohnkosten dar.
Rechtliche Anfechtungen und Ergebnisse
Betroffene Mieter haben rechtliche Schritte unternommen, um ihre Kündigungen anzufechten. Sie argumentierten, dass die Kündigung von Mietverträgen ausschliesslich wegen Mieterhöhungen, ohne grössere Renovierungen, ein Machtmissbrauch sei. Ein Sprecher der Pensionskasse bestätigte jedoch, dass alle rechtlichen Anfechtungen erfolglos waren.
Die Gerichte haben die Handlungen der Pensionskasse gemäss den aktuellen Vorschriften als zulässig erachtet. Dieses Ergebnis lässt den Mietern wenige Optionen. Sie müssen sich nun auf den Auszug vorbereiten, da die Frist näher rückt.
Ein nationaler Trend: Leerstandsräumungen
Die Situation in Bern ist Teil eines breiteren Phänomens in der ganzen Schweiz. Sogenannte «Leerstandsräumungen» sind seit der Jahrtausendwende häufiger geworden. Diese Räumungen treten oft in begehrten städtischen Gebieten und deren Agglomerationen auf.
Immobilienexperten bestätigen diesen Trend. Donato Scognamiglio, ein Branchenexperte, stellte fest, dass der finanzielle Anreiz für Leerstandsräumungen in der Nähe beliebter Zentren wie Bern oder Zürich höher ist. Vermieter können höhere Renditen erzielen, indem sie Immobilien räumen und zu Marktpreisen neu vermieten.
Hintergrund: Was sind Leerstandsräumungen?
Leerstandsräumungen treten auf, wenn Vermieter bestehende Mietverträge nicht wegen unmittelbarer struktureller Renovierungen kündigen, sondern um die Mieten für neue Mieter erheblich zu erhöhen. Diese Praxis ermöglicht es Immobilieneigentümern, von steigenden Marktwerten zu profitieren.
Der Fall der «Sugus-Häuser» in Zürich
Einer der prominentesten Fälle betraf die «Sugus-Häuser» in Zürich. Rund 200 Mieter in drei Mehrfamilienhäusern erhielten Ende 2024 Kündigungen. Diese Kündigungen lösten einen breiten öffentlichen Aufschrei und Solidarität unter den Bewohnern aus.
Der Rechtsstreit um die Sugus-Häuser ging vor Gericht. Im Juni 2025 entschied das Zürcher Mietgericht zunächst, dass die Kündigungen missbräuchlich seien. Anschliessend erklärte auch das Bezirksgericht die Kündigung dieser Mietverträge für ungültig. Dieses Ergebnis bot einen Hoffnungsschimmer für Mieter in ähnlichen Situationen, obwohl die Berner Fälle anders ausgegangen sind.
„Die Zahl der Leerstandsräumungen in Schweizer Stadtzentren und Agglomerationen hat seit dem Jahr 2000 stark zugenommen.“
Auswirkungen in der ganzen Schweiz
Das Problem der Leerstandsräumungen ist nicht auf die Deutschschweiz beschränkt. Jüngste grossflächige Räumungen haben auch in Genf stattgefunden. Dort erhielten 107 Mietparteien und 15 Unternehmen in fünf Mehrfamilienhäusern Kündigungen.
Diese Liegenschaften, im Besitz der Pensionskasse des Kantons Basel-Stadt, sind für Renovierungen vorgesehen. Im Gegensatz zum Berner Fall können diese Renovierungen Berichten zufolge nicht mit Mietern in den Wohnungen durchgeführt werden. Ein Anwalt der Asloca, des Mieterverbands, der die betroffenen Parteien unterstützt, beschrieb dies aufgrund seines Ausmasses als eine beispiellose Situation in der Westschweiz.
- Zürich: Fast 5.000 Wohnungen für Neubauprojekte geräumt. Dies ist deutlich höher als der Durchschnitt des vorangegangenen Jahrzehnts.
- Genf: 107 Wohneinheiten und 15 Gewerbeflächen von grossflächigen Räumungen für Renovierungen betroffen.
- Bern-Bümpliz: 144 Mietparteien in einem 1973 erbauten 20-stöckigen Hochhaus müssen bis Juni 2026 für eine Totalsanierung neue Wohnungen finden.
Die menschlichen Kosten in Bern-Bümpliz
Ein weiterer bedeutender Fall spielt sich in Bern-Bümpliz ab. Hier müssen 144 Mietparteien in einem Hochhaus an der Abendstrasse 30 ihre Wohnungen bis Juni 2026 räumen. Der 1973 erbaute Turm wird ab Juli einer kompletten Sanierung unterzogen. Die Nachricht hat die Bewohner tief betroffen.
Ein Mieter teilte seine Erfahrung mit und erklärte: „Wir spüren jetzt die Wohnungsnot in der Schweiz hautnah.“ Dieses Gefühl spiegelt die Angst und Unsicherheit wider, mit der viele Bewohner konfrontiert sind, wenn sie mit einer Kündigung und der Herausforderung konfrontiert werden, bezahlbaren Wohnraum in wettbewerbsintensiven Märkten zu finden.
Statistik: Zürcher Wohnungsmarkt
Allein in Zürich wurden seit dem Jahr 2000 fast 5.000 Wohnungen für Neubauprojekte geräumt. Diese Zahl übertrifft den Durchschnitt der vorangegangenen zehn Jahre bei weitem und verdeutlicht das rasante Tempo des Wandels im städtischen Wohnungsbau.
Ausblick: Herausforderungen auf dem Wohnungsmarkt
Der Anstieg der Leerstandsräumungen deutet auf einen zunehmenden Druck auf den Schweizer Wohnungsmarkt hin. Da die Nachfrage nach städtischem Wohnraum wächst, suchen Immobilieneigentümer nach Wegen, ihre Investitionen zu maximieren. Dies geht oft zu Lasten langjähriger Mieter.
Die rechtliche Landschaft rund um diese Räumungen bleibt ein Diskussionspunkt. Während einige Gerichtsurteile Mieter begünstigt haben, zeigen die Berner Fälle, dass Vermieter oft erfolgreich sind. Dies macht viele Bewohner anfällig für Marktkräfte, die ausserhalb ihrer Kontrolle liegen.
Politiker stehen vor der Herausforderung, Eigentumsrechte mit der Bezahlbarkeit von Wohnraum und dem Mieterschutz in Einklang zu bringen. Der anhaltende Trend der Leerstandsräumungen wird voraussichtlich weiterhin öffentliche Diskussionen und rechtliche Anfechtungen im ganzen Land auslösen.




