Eltern in Köniz, Schweiz, setzen sich aktiv für gemeindeweite Vereinbarungen ein, um den Smartphone-Zugang und die Nutzung sozialer Medien für ihre Kinder einzuschränken. Diese Initiative, angeführt von lokalen Elternräten, zielt darauf ab, gemeinsame Richtlinien zu etablieren, die vorschlagen, dass Kinder vor der Oberstufe keine Smartphones besitzen und soziale Medien bis zur neunten Klasse meiden sollten.
Wichtige Erkenntnisse
- Eltern in Köniz möchten, dass Kinder Smartphones erst ab der Oberstufe erhalten.
- Soziale Medien sollen bis zur neunten Klasse eingeschränkt werden.
- Eine lokale Umfrage zeigt bis zu 90 Prozent elterliche Unterstützung für diese Massnahmen.
- Die Initiative will dem "stillen Druck" entgegenwirken, den einzelne Familien empfinden.
Gemeinschaftliches Handeln für digitales Wohlbefinden
Der Vorstoss für strengere digitale Grenzen kommt, nachdem Schulen in Köniz bereits Anfang 2025 ein Handyverbot eingeführt hatten. Trotzdem zeigte eine aktuelle Umfrage unter Eltern in der Gemeinde, dass fast 90 Prozent weiteren Handlungsbedarf sehen. Dieses hohe Mass an Besorgnis verdeutlicht ein breiteres gesellschaftliches Problem bezüglich der digitalen Exposition von Kindern.
Christoph Inauen, Vater von zwei Kindern und Mitglied des Elternrats, betonte den kollektiven Charakter des Problems. Er erklärte:
"Als Familie allein ist man hilflos. Das Problem ist gesellschaftlich und muss gemeinsam angegangen werden."Dieses Gefühl teilen viele Eltern, die sich bei der Verwaltung des digitalen Lebens ihrer Kinder isoliert fühlen.
Fakt zum digitalen Zeitalter
Hirnforscher betonen, dass die Kindheit eine sensible Entwicklungsphase ist. Das sich noch formende Gehirn in dieser Zeit ist erheblichen Risiken durch übermässigen digitalen Konsum ausgesetzt, was entscheidende Entwicklungsstadien beeinträchtigt.
Umgang mit elterlichem Druck und Entwicklungsrisiken
Sandra Keller, eine Einwohnerin von Köniz, teilte ihre Erfahrung. Ihr Sohn, ein Viertklässler, besitzt noch kein Smartphone. Sie und ihr Mann spüren jedoch einen "stillen Druck", da immer mehr seiner Altersgenossen Geräte bekommen. Diese Situation führt oft dazu, dass Eltern ihre eigenen Regeln hinterfragen und sich fragen, ob sie zu streng sind oder ob ihr Kind sozial etwas verpassen könnte.
Die Initiative des Elternrats geht diesen Druck direkt an. Sie besuchten Elternabende für dritte, vierte und fünfte Klassen, um ihre freiwilligen Richtlinien vorzustellen. Diese Richtlinien schlagen zwei Hauptpunkte vor:
- Kein persönlicher Smartphone-Besitz vor der siebten Klasse.
- Keine persönlichen Social-Media-Konten vor der neunten Klasse.
Es wurde eine anonyme Abstimmung durchgeführt, um die Bereitschaft der Eltern zu ermitteln, diese Standards in ihren Familien zu übernehmen. Die Resonanz war überwältigend positiv und deutete auf einen starken Wunsch nach einem einheitlichen Ansatz hin.
Überwältigende Unterstützung für neue Richtlinien
Die Initiative hat erhebliche Unterstützung erhalten. Etwa 80 Prozent der Eltern äusserten sich bereit, sicherzustellen, dass ihr Kind vor der siebten Klasse kein Smartphone besitzt. Weitere 10 Prozent stimmten dem Ziel zu, merkten jedoch an, dass ihr Kind bereits ein Telefon hatte oder bald eines erhalten würde. Nur 10 Prozent lehnten eine koordinierte Anstrengung ab.
Die Unterstützung für die Einschränkung von Social-Media-Konten bis zur neunten Klasse war mit 90 Prozent sogar noch höher. Christoph Inauen bemerkte:
"Die grösste Resonanz, die wir spüren, ist die Dankbarkeit der Eltern."Tobias Löhrer, ein weiterer Mitinitiator und Vater von zwei Primarschulkindern, fügte hinzu: "Die Initiative rennt offene Türen ein."
Globaler Kontext
Die Diskussion in Köniz spiegelt einen globalen Trend wider. Australien verbot im November 2024 soziale Medien für unter 16-Jährige, gefolgt von Dänemark im November 2025. Dänemark, ein Vorreiter in der Schulditalisierung, revidierte seine Haltung, um jüngere Nutzer zu schützen.
Die Rolle von Gehirnentwicklung und sozialer Interaktion
Barbara Studer, Hirnforscherin an der Universität Bern, betont die kritischen Bedürfnisse von Kindern während ihrer Entwicklungsphase. Sie sagt:
"Kinder in der Entwicklungsphase brauchen primär Beziehungen, Interaktionen, Lachen, Spielen, Musik, Bewegung, Natur etc."Diese Elemente sind entscheidend für eine gesunde kognitive und emotionale Entwicklung, und übermässige Bildschirmzeit kann davon ablenken.
Die Bemühungen des Elternrats stimmen mit diesen wissenschaftlichen Erkenntnissen überein. Durch die Verzögerung des Zugangs zu Smartphones und sozialen Medien wollen sie eine Kindheitsphase bewahren, die sich auf reale Interaktionen und grundlegende Entwicklung konzentriert.
Umsetzung und Zukunftsaussichten
Die Initiatoren planen, ihre Standards durch einen Vernetzungsansatz umzusetzen. Eine Online-Plattform wird interessierten Eltern ermöglichen zu sehen, welche anderen Familien sich an die Richtlinien halten. Dieses System soll das Gefühl der Isolation für Kinder ohne Telefon reduzieren.
Dieser Ansatz hilft Eltern, ihre Kinder zu beruhigen. Sie können sagen: "Du bist nicht der Einzige ohne Telefon." Dieses kollektive Engagement ist entscheidend, um dem "stillen Druck" entgegenzuwirken, dem einzelne Familien oft ausgesetzt sind. Die Eltern in Köniz sind überzeugt, dass sie nur durch eine geeinte Front die Herausforderungen von Smartphones und sozialen Medien im Leben ihrer Kinder effektiv meistern können.




