Die Schweizer Landwirtschaft erlebt einen bedeutenden technologischen Wandel. Moderne Geräte wie Melkroboter, Entmistungssysteme und automatische Fütterungsanlagen werden auf den Höfen zum Standard. Dieser Wandel schafft eine wachsende Nachfrage nach spezialisiertem Fachpersonal für die Wartung und den Betrieb dieser fortschrittlichen Systeme.
Als Reaktion auf einen langjährigen Fachkräftemangel in der Melk- und Landwirtschaftstechnologie lancieren die HAFL (Berner Fachhochschule, Hochschule für Agrar-, Forst- und Lebensmittelwissenschaften) und führende Melktechnikhersteller neue Lehrprogramme. Diese Initiativen zielen darauf ab, ab Sommer 2026 die nächste Generation von Experten auszubilden.
Wichtigste Erkenntnisse
- Schweizer Bauernhöfe setzen zunehmend auf fortschrittliche Technologien, einschliesslich Melk- und Fütterungsroboter.
- Dieser technologische Wandel hat zu einem erheblichen Mangel an spezialisiertem Fachpersonal geführt.
- Zwei neue Lehrstellen, Automatikmonteur EFZ und Automatiker EFZ, werden 2026 eingeführt.
- Die HAFL und Swissmem arbeiten bei der Etablierung dieser Ausbildungsprogramme zusammen.
- Die neuen Programme legen Wert auf ein breites Spektrum an Fähigkeiten, von Hygiene bis Kältetechnik.
Behebung des Fachkräftemangels in der modernen Landwirtschaft
Die zunehmende Komplexität der Landmaschinen erfordert Arbeitskräfte mit spezifischen technischen Fähigkeiten. Die traditionelle landwirtschaftliche Ausbildung deckt oft nicht die komplexen Elektronik-, Hydraulik- und Automatisierungssysteme ab, die heute auf Bauernhöfen üblich sind. Dies hat zu einer spürbaren Lücke auf dem Arbeitsmarkt geführt.
Andreas Niederhäuser, Leiter des Melkforums an der HAFL, betonte die Dringlichkeit der Situation. „Das Thema Personalmangel kam in unseren Sitzungen immer wieder zur Sprache“, erklärte er. „Wir haben lange über das Angebot von Lehrstellen diskutiert, aber die Branche allein konnte es nicht stemmen.“
Kurzinfo
Insbesondere automatische Fütterungssysteme werden auf Schweizer Bauernhöfen immer häufiger eingesetzt, was die Nachfrage nach spezialisierten Technikern antreibt.
Zusammenarbeit mit Swissmem
Eine entscheidende Partnerschaft mit Swissmem, dem Dachverband der Schweizer Tech-Industrie, lieferte die Lösung. Swissmem bietet bereits etablierte Lehrstellen an, die eng mit den Bedürfnissen des Agrartechniksektors übereinstimmen.
„Beim Automatiker gibt es jährlich rund 800 Lehrabgänger, beim Automatikmonteur etwa 350. Das ist für uns interessant, weil diese Ausbildung, die Elektronik, Pneumatik, Hydraulik und Automation abdeckt, sehr nahe an unseren Tätigkeiten ist“, erklärte Niederhäuser.
Neue Lehrprogramme starten
Ab Sommer 2026 werden zwei neue Lehrberufe in der Melk- und Landwirtschaftstechnologie verfügbar sein:
- Automatikmonteur EFZ: Ein dreijähriges Programm, das sich auf Installation und Wartung konzentriert.
- Automatiker EFZ: Ein vierjähriges Programm für tiefergehende Ingenieurkenntnisse und Systemintegration.
Diese Programme sind eine direkte Antwort auf den Bedarf der Industrie an formal ausgebildeten Fachkräften. Ziel ist es, jungen Menschen, die Technologie mit Landwirtschaft verbinden möchten, einen strukturierten Weg zu bieten.
„Die Ausbildung wird sehr vielseitig sein. Man muss verstehen, wie die Kuh funktioniert“, sagte Andreas Niederhäuser und betonte die Mischung aus technischem und biologischem Wissen, die erforderlich ist.
Hintergrund
Das Melkforum, gemeinsam von Inforama und HAFL betrieben, dient als Schweizer Kompetenzzentrum für Melktechnik. Es ist verantwortlich für die Aus- und Weiterbildung von Melkmaschineninspektoren schweizweit. Diese zentrale Rolle macht es zu einem idealen Standort für die neuen Lehrgänge.
Breites Curriculum und Brancheninteresse
Die neuen Lehrstellen zeichnen sich durch ein bewusst breites Curriculum aus. Die Lernenden werden Hygienevorschriften, Elektronik, Hydraulik und sogar Kältetechnik erlernen. Dieser umfassende Ansatz stellt sicher, dass die Absolventen gut gerüstet sind, um die vielfältigen Herausforderungen moderner landwirtschaftlicher Umgebungen zu bewältigen.
Das Interesse der Branche ist gross. Laut Niederhäuser haben bereits 34 Unternehmen aus dem Sektor Interesse bekundet, diese Lehrstellen anzubieten. Diese Betriebe suchen nun aktiv nach Lehrlingen. Bauernhöfe, die bisher keine Lehrlinge ausgebildet haben, müssen eine Bildungsbewilligung von ihrem Kanton einholen.
Für wen ist das Programm geeignet?
Die neuen Lehrstellen richten sich an Personen mit grossem Interesse an Technologie und Leidenschaft für die Landwirtschaft. Während viele aktuelle Techniker Quereinsteiger oder ausgebildete Landmaschinenmechaniker sind, bieten diese neuen Programme einen direkten Einstieg in das spezialisierte Feld.
Die Lehre kann auch als Zusatzqualifikation absolviert werden, wobei die kantonalen Berufsbehörden den Umfang festlegen. Darüber hinaus sind Pläne im Gange, ein Weiterbildungsprogramm, ein CAS (Certificate of Advanced Studies) in Systemtechnik für Melk- und Landwirtschaftstechnik, zur weiteren beruflichen Entwicklung anzubieten.
Wussten Sie schon?
Derzeit sind viele Fachkräfte in der Melktechnik Quereinsteiger, oft mit landwirtschaftlichem Hintergrund oder einer Ausbildung als Landmaschinenmechaniker.
Zukunftsaussichten für Berufe in der Landwirtschaftstechnologie
Die Nachfrage nach qualifizierten Fachkräften in der Melk- und Landwirtschaftstechnologie wird voraussichtlich weiter steigen. Da Bauernhöfe zunehmend auf Automatisierung setzen, um Effizienz und Produktivität zu verbessern, wird der Bedarf an Technikern, die diese Systeme installieren, warten und Fehler beheben können, nur noch zunehmen.
Andreas Niederhäuser ist zuversichtlich für die Zukunft. „Der Bedarf an Fachkräften in der Melk- und Landwirtschaftstechnologie wird sicherlich nicht abnehmen“, bekräftigte er. Diese neuen Lehrprogramme sind ein proaktiver Schritt, um sicherzustellen, dass die Schweizer Landwirtschaft an der Spitze der technologischen Innovation bleibt, unterstützt durch eine kompetente und gut ausgebildete Belegschaft.
Vorteile für Lehrlinge
- Erwerb spezialisierter Fähigkeiten in einer wachsenden Branche.
- Arbeit mit modernster Agrartechnologie.
- Vielseitige Ausbildung, die mehrere technische Bereiche abdeckt.
- Sicherung einer Karriere in einem wichtigen Sektor der Schweizer Wirtschaft.
Diese Initiative behebt nicht nur einen kritischen Arbeitskräftemangel, sondern bietet auch spannende neue Karrieremöglichkeiten für junge Menschen in der sich entwickelnden Schweizer Agrarlandschaft.




