Die Berner Behörden verteidigen ihren Polizeieinsatz während einer unbewilligten Anti-WEF-Demonstration vom vergangenen Samstag. Die Polizei war mit einem Grossaufgebot präsent, kesselte Demonstranten in der Nähe des Bahnhofs ein und führte zahlreiche Kontrollen durch. Diese Reaktion hat scharfe Kritik von linken Gruppen hervorgerufen, die den Polizeieinsatz als «Machtdemonstration» und Überreaktion bezeichnen.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Polizei kesselte einen unbewilligten Anti-WEF-Protest in Bern ein.
- Rund 200 Personen wurden kontrolliert, 25 wurden auf die Polizeiwache gebracht.
- Kritiker bezeichnen die Polizeireaktion als übermässig und als «Machtdemonstration».
- Die Stadtverwaltung betont, dass das Recht auf freie Meinungsäusserung gewahrt wurde, ein Marsch durch die Innenstadt jedoch nicht erlaubt war.
Polizeieinsatz am Berner Bahnhof
Am Samstag intervenierte die Kantonspolizei Bern energisch bei einer unbewilligten Anti-WEF-Demonstration. Beamte umstellten den Bahnhofsbereich und kesselten Demonstranten ein, von denen einige Berichten zufolge auf Gewalt vorbereitet waren. Die Polizei setzte Pfefferspray ein und beschlagnahmte verschiedene Gegenstände, darunter Masken, Wurfgeschosse, Waffen und Pyrotechnik.
Während des Einsatzes wurden etwa 200 Personen kontrolliert. Davon wurden 25 Personen festgenommen und zur weiteren Bearbeitung auf die Polizeiwache gebracht. Die Polizeipräsenz war bemerkenswert, mit einer erheblichen Anzahl von Beamten, die in der gesamten Innenstadt eingesetzt wurden.
Schlüsselzahlen des Protests
- Etwa 200 Personen wurden von der Polizei kontrolliert.
- 25 Personen wurden auf die Polizeiwache gebracht.
- Die Demonstration war von der Stadtverwaltung unbewilligt.
- Die Polizei beschlagnahmte Gegenstände wie Masken, Wurfgeschosse und Pyrotechnik.
Kritik von linken Gruppen
Während die Behörden mit der Polizeireaktion zufrieden sind, haben linke politische Gruppen starke Einwände geäussert. Die Alternative Linke (AL) Bern verurteilte in einer Pressemitteilung die Polizeimassnahmen. Sie bezeichneten den Einsatz als «Machtdemonstration», die die Bewegungsfreiheit in der Stadt faktisch ausser Kraft gesetzt habe.
Laut der AL Bern wurden Dutzende junger Menschen belästigt und kontrolliert, unabhängig von ihrer Absicht, an der Demonstration teilzunehmen. Sie argumentieren, dass die Massnahmen der Polizei im Widerspruch zum erklärten Engagement der Stadt für eine Deeskalationsstrategie stünden, insbesondere nach früheren Vorfällen.
«Wir verurteilen diese Machtdemonstration der Polizei, die die Bewegungsfreiheit in der Stadt wirkungslos machte», erklärte die Alternative Linke Bern. «Dutzende junge Menschen wurden kontrolliert und belästigt, ob sie beabsichtigten, an der Demonstration teilzunehmen oder nicht.»
Hintergrund zur Deeskalationsstrategie
Nach einer pro-palästinensischen Demonstration im Oktober 2025, die zu Zusammenstössen und Sachbeschädigungen führte, hatte der Berner Stadtrat wiederholt sein Engagement für eine Deeskalationsstrategie zur Bewältigung von Protesten bekräftigt. Kritiker des Polizeieinsatzes vom Samstag argumentieren, dass das harte Vorgehen eine erhebliche Abkehr von dieser erklärten Politik darstellt.
Stadtrat verteidigt Polizeistrategie
Alec von Graffenried, der Sicherheitsdirektor der Stadt Bern, wies die Kritik zurück. Er erklärte, dass das Grundrecht auf freie Meinungsäusserung während der Veranstaltung tatsächlich gewährleistet gewesen sei. Die Demonstranten konnten am Samstagnachmittag mitten in der Stadt eine Kundgebung abhalten und auf ihre Anliegen aufmerksam machen.
Von Graffenried betonte jedoch, dass es kein Recht gibt, den Bahnhofplatz, einen zentralen Knotenpunkt, stundenlang zu blockieren. Er erklärte, dass der Stadtrat bewusst entschieden habe, einen Marsch durch die Innenstadt nicht zu erlauben. Diese Entscheidung basierte auf den Erfahrungen der Demonstration vom 11. Oktober 2025 und einer Risikobewertung für die unbewilligte Versammlung.
Von Graffenried bekräftigte das Engagement der Stadt für eine Deeskalationsstrategie. Er stellte klar, dass jede Demonstration individuell beurteilt werden müsse. Das bedeutet, dass die Deeskalation zwar ein Leitprinzip bleibt, die spezifischen Umstände jeder Veranstaltung jedoch die Polizeireaktion bestimmen.
Haltung der Stadt zu Protesten
- Die Meinungsfreiheit wurde durch eine erlaubte Kundgebung gewahrt.
- Das Blockieren des zentralen Bahnhofplatzes ist nicht erlaubt.
- Ein Marsch durch die Innenstadt wurde aufgrund früherer Vorfälle und einer Risikobewertung nicht erlaubt.
- Jeder Protest wird fallweise beurteilt.
Auswirkungen auf die öffentliche Wahrnehmung
Die starke Polizeipräsenz und -taktik haben eine öffentliche Debatte ausgelöst. Einige Personen, die in den Polizeikessel gerieten, äusserten Überraschung und Frustration über das Ausmass des Einsatzes. Sie empfanden die Polizeireaktion als unverhältnismässig zur Anzahl der anwesenden Demonstranten.
Der Vorfall verdeutlicht die anhaltende Spannung zwischen der Gewährleistung der öffentlichen Ordnung und dem Schutz des Demonstrationsrechts. Die Stadtverwaltung strebt ein Gleichgewicht an, das friedliche Versammlungen ermöglicht und gleichzeitig Störungen und potenzielle Gewalt verhindert, insbesondere in sensiblen städtischen Gebieten wie dem Bahnhof.
Die Diskussion um Verhältnismässigkeit und Deeskalation wird voraussichtlich fortgesetzt. Sowohl Kritiker als auch Behörden werden zukünftige Strategien zur Protestbewältigung in Bern genau prüfen. Der Umgang der Stadt mit unbewilligten Versammlungen bleibt ein zentraler Punkt des öffentlichen Interesses und der politischen Debatte.




