Die Zukunft des regionalen Radiostudios der SRG in Bern steht auf dem Spiel, da eine Volksabstimmung über eine deutliche Senkung der Radio- und Fernsehgebühren bevorsteht. Die Initiative, die am 8. März zur Abstimmung kommt, schlägt vor, die Jahresgebühr von 335 auf 200 Schweizer Franken zu senken, was die Fähigkeit der SRG beeinträchtigen könnte, ihre derzeit 17 Regionalstudios, einschliesslich des wichtigen Standorts Bern, zu erhalten.
Wichtigste Erkenntnisse
- Die Stimmberechtigten entscheiden am 8. März über eine Senkung der SRG-Gebühren von 335 auf 200 Franken.
- Die SRG-Geschäftsleitung deutet an, dass 17 Regionalstudios, einschliesslich Bern, bei Annahme der Initiative geschlossen werden könnten.
- Journalisten berichten von erhöhtem politischem Druck und öffentlicher Kontrolle im Vorfeld der Abstimmung.
- SVP-Politiker Samuel Krähenbühl weist Schliessungsdrohungen als leer zurück und schlägt stattdessen Kürzungen bei Unterhaltungsprogrammen vor.
- Das Berner Studio hat historische Bedeutung und ist ein zentraler Knotenpunkt für regionale und nationale Nachrichten.
Politischer Druck auf SRG-Journalisten nimmt zu
Journalisten des SRF Regionaljournals Bern Freiburg Wallis erleben einen erhöhten politischen Druck. Christian Liechti, Leiter der Regionalredaktion, stellt eine Zunahme feindseliger Nachrichten von Hörern fest. Diese Nachrichten drohen oft mit einem 'Ja' bei der Abstimmung, wenn die Berichterstattung nicht ihren spezifischen Ansichten entspricht.
Liechti betont, dass sein Team von solchen externen Einflüssen unberührt bleiben muss. Er räumt jedoch ein, dass diese Unsicherheit eine emotionale Belastung für die Mitarbeiter darstellt. Die bevorstehende Abstimmung schafft ein Klima der Unruhe für diejenigen, die im öffentlich-rechtlichen Rundfunk arbeiten.
"Der politische Druck ist für uns deutlich spürbar", sagt Christian Liechti. "Wir erhalten zunehmend Zuschriften von Leuten, die mit einem 'Ja' an der Urne drohen, wenn unsere Berichterstattung ihren Erwartungen nicht entspricht. Davon dürfen wir uns natürlich nicht beeinflussen lassen. Aber es ist natürlich eine Belastung."
Abstimmungsdetails
- Datum: 8. März
- Vorschlag: Senkung der jährlichen Radio- und Fernsehgebühren von 335 CHF auf 200 CHF.
- Auswirkungen auf Unternehmen: Unternehmen wären bei Annahme der Initiative vollständig von Gebühren befreit.
- Geschätzter Einnahmeverlust der SRG: Von 1,3 Milliarden CHF auf ca. 630 Millionen CHF.
Potenzielle Studioschliessungen und finanzielle Auswirkungen
Bundesberechnungen zeigen, dass bei Annahme der Initiative die Gebühreneinnahmen der SRG erheblich schrumpfen würden. Die derzeitigen 1,3 Milliarden Schweizer Franken würden auf etwa 630 Millionen Schweizer Franken sinken. Diese erhebliche Reduzierung wirft Fragen nach der Machbarkeit der Aufrechterhaltung des aktuellen Betriebs auf.
Susanne Wille, Generaldirektorin der SRG, deutete in einem kürzlichen Interview an, dass ein solcher finanzieller Einschnitt schwierige Entscheidungen erfordern würde. Sie erklärte, dass das aktuelle viersprachige Regionaljournalismusmodell möglicherweise nicht nachhaltig sei. Dies könnte zur Schliessung einiger der 17 Regionalstudios führen.
SRG-Struktur
Die SRG betreibt drei Hauptstandorte in der Schweiz: Bern, Basel und Zürich. Das Berner Studio an der Schwarztorstrasse ist ein zentraler Knotenpunkt. Es beherbergt Christian Liechtis 20-köpfiges Team sowie Korrespondenten in Brig und Freiburg. Diese Struktur unterstützt eine vielfältige und föderale Medienlandschaft.
Die Unsicherheit rund um die Abstimmung wirkt sich bereits auf den Betrieb aus. In den letzten Monaten haben Sparmassnahmen zur Streichung von fünf Stellen in sechs Regionalredaktionen geführt. Auch Wochenendsendungen wurden gestrichen. Diese Massnahmen gingen der aktuellen Initiative voraus, verdeutlichen aber den anhaltenden finanziellen Druck.
Berns Rolle im Schweizer Rundfunk
Das Berner Radiostudio hat eine lange Geschichte, die über ein Jahrhundert zurückreicht bis zum Pioniersender Radio Bern. Trotz seiner historischen Bedeutung wurde der Standort des Studios bereits früher diskutiert. 2019 erwog SRF, alle nationalen Sendungen von Bern nach Zürich-Leutschenbach zu verlegen. Politischer Widerstand verhinderte jedoch, dass Hintergrundsendungen wie "Echo der Zeit", "Rendezvous" und "Info 3" in Bern blieben.
Heute arbeiten rund 70 SRF-Mitarbeiter am Standort Schwarztorstrasse. Zusätzlich sind dort Mitarbeiter von Swissinfo und der Pensionskasse PKS ansässig. Später in diesem Jahr werden auch rund 240 Mitarbeiter der SRG-Generaldirektion in das Gebäude an der Schwarztorstrasse umziehen. Dieser Umzug ist selbst eine Sparmassnahme, da die Räumlichkeiten an der Giacomettistrasse zur Untervermietung vorgesehen sind.
Die Bedeutung des dezentralen Rundfunks
Markus Hofmann, Leiter der Radiosendung "Echo der Zeit", betont die Bedeutung Berns als Sendestandort. Obwohl sein Programm technisch überall produziert werden könnte, hält er es für entscheidend, neben Zürich auch in Bern präsent zu sein. Dies helfe der SRG, die föderale Struktur der Schweiz widerzuspiegeln.
Hofmann erklärt, dass dezentrale Standorte eine authentischere Darstellung regionaler Perspektiven ermöglichen. Zum Beispiel könnte nach dem Rücktritt eines Bundesrates die öffentliche Meinung eher in Ostermundigen als in Oerlikon eingeholt werden, was eine breitere Sichtweise bietet.
Politische Spaltungen bei den Finanzierungskürzungen
Philipp Schori, Präsident der SRG Bern Freiburg Wallis, äussert grosse Bedenken hinsichtlich der Initiative. Er glaubt, dass bei Annahme der Initiative der Weiterbetrieb des Berner Radiostudios höchst ungewiss ist. Das Regionaljournal könnte sein aktuelles Produktionsniveau nicht aufrechterhalten.
Schori räumt eine unverbindliche Vereinbarung ein, die vor drei Jahren mit der SRF-Geschäftsleitung getroffen wurde und die den Erhalt des Berner Studios zusicherte. Obwohl nicht rechtsverbindlich, betrachtet er sie als eine gewisse Verpflichtung. Das Medienbüro des SRF bestätigte, dass der Standort Bern bei Ablehnung der Initiative "nicht zur Diskussion steht".
Aktuelle Umfragedaten
- Unterstützung für Reduktion: 50% der Befragten in einer Tamedia/"20 Minuten"-Umfrage befürworteten eine Gebührensenkung.
- Opposition: 48% waren gegen die Reduktion.
- Ergebnis: Die Abstimmung wird voraussichtlich knapp ausfallen.
SVP-Grossrat Samuel Krähenbühl weist die Drohungen mit Studioschliessungen als "leer" zurück. Krähenbühl, ein ehemaliger Journalist und Befürworter der Initiative, argumentiert, dass Einsparungen bei den von ihm als "Gugus-Shows" bezeichneten Sendungen im SRF-Fernsehen erfolgen sollten. Er nennt Sendungen wie "Auf und davon" und "Alone Together" als Beispiele für Inhalte, die gekürzt werden könnten.
Er ist auch der Meinung, dass Marketing in sozialen Medien nicht die Aufgabe eines öffentlich-rechtlichen Senders sei. Krähenbühl schlägt vor, dass beliebte Sendungen wie die "Landfrauenküche" oder Übertragungen von Schwingfesten kommerziell finanziert werden könnten.
"Das sind sehr beliebte Sendungen, die genauso gut kommerziell finanziert werden könnten", sagt Samuel Krähenbühl.
Auswirkungen auf private Medien und Journalismus
Krähenbühl argumentiert, dass SRF nicht mit privaten Medien konkurrieren sollte. Er glaubt, dass eine Reduzierung der öffentlichen Finanzierung privaten Medien im Raum Bern zugutekommen könnte, indem sie politische Ereignisse umfassender abdecken könnten.
Der Berner Medienjournalist Nick Lüthi vertritt jedoch eine andere Ansicht. Er warnt davor, dass Verluste für SRF nicht automatisch auf private Medien übergehen würden. Während einige Personen Zeitungen abonnieren könnten, erwartet Lüthi keine wesentliche Verschiebung. Stattdessen befürchtet er eine allgemeine "Schwächung des Journalismus", auch in der Region Bern.
Lüthi weist darauf hin, dass das Regionaljournal die Kantonspolitik abdeckt, ein Bereich, der von anderen Medien manchmal vernachlässigt wird. Obwohl das Interesse an diesen Themen nicht immer hoch sein mag, werden viele für den Alltag relevante Entscheidungen, wie etwa in Bildung oder Raumplanung, auf kantonaler Ebene getroffen.
Am 8. März wird die Redaktion des Regionaljournals wie gewohnt arbeiten. Christian Liechti bestätigt, dass er anwesend sein wird, um sein Team zu unterstützen. Unabhängig vom Ergebnis bleibt ihr Engagement, genaue Nachrichten zu liefern.



