Das Schweizer Bundesamt für Strassen (Astra) sieht sich parlamentarischen Fragen zu seinem millionenschweren Kommunikationsbudget gegenüber. Grund sind Enthüllungen über hohe Aufträge an externe PR-Firmen. Die Ausgaben stossen wegen ihres Umfangs und Zeitpunkts auf Kritik, insbesondere im Zusammenhang mit dem kürzlich abgelehnten nationalen Autobahn-Ausbauplan.
Mehrere Mitglieder des Nationalrats haben formell Antworten von der Bundesregierung verlangt und Bedenken hinsichtlich der Verwendung von Steuergeldern für, wie sie es nennen, Werbekampagnen statt neutraler öffentlicher Information geäussert.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Bundesamt für Strassen (Astra) steht wegen seiner hohen Ausgaben für externe PR-Agenturen unter Beobachtung, wobei die jährlichen Kosten CHF 5 Millionen übersteigen.
- Eine Firma, Farner, erhielt Aufträge im Gesamtwert von CHF 8.2 Millionen für Kommunikation, einschliesslich des gescheiterten Autobahn-Ausbauprojekts.
- Ein Besucherpavillon in Bern im Wert von CHF 3.8 Millionen ist nun in der Schwebe, nachdem die Wähler die Projekte, für die er werben sollte, abgelehnt haben.
- Die Grüne Nationalrätin Florence Brenzikofer und andere haben parlamentarische Anfragen eingereicht, die Transparenz von Bundesrat Albert Rösti fordern.
Millionen für externe Kommunikation ausgegeben
Die Bedenken konzentrieren sich auf die erheblichen Summen, die an einige der bekanntesten Schweizer PR-Unternehmen gezahlt wurden. Aufzeichnungen zeigen, dass die Agentur Farner allein in den letzten Jahren Aufträge im Wert von 8.2 Millionen Schweizer Franken erhalten hat. Ein Grossteil dieser Arbeit stand im Zusammenhang mit der Kommunikation rund um grosse Infrastrukturprojekte, einschliesslich des umstrittenen A1-Autobahnausbaus.
Die gesamten jährlichen Ausgaben des Astra für Öffentlichkeitsarbeit sollen CHF 5 Millionen überschritten haben, wobei die Zahlen einen Aufwärtstrend zeigen. Ein erheblicher Teil dieser Aufträge wurde im Rahmen von nicht-kompetitiven Vergabeverfahren vergeben, eine Praxis, die die Prüfung intensiviert hat.
Ausgaben auf einen Blick
- Über CHF 5 Millionen: Das Jahresbudget des Astra für Öffentlichkeitsarbeit.
- CHF 8.2 Millionen: Gesamtaufträge, die in den letzten Jahren an die PR-Firma Farner vergeben wurden.
- CHF 4.9 Milliarden: Die geschätzten Kosten der von den Wählern abgelehnten Autobahn-Ausbauprojekte.
Verbindung zur abgelehnten Autobahn-Abstimmung
Die Ausgaben-Enthüllungen kamen während der hitzigen öffentlichen Debatte über einen 4.9 Milliarden Franken teuren Plan zum Ausbau von sechs Abschnitten des nationalen Autobahnnetzes ans Licht. Gegner des Ausbaus argumentierten, dass die Kommunikationskampagne des Astra nicht unparteiisch sei, und warfen dem Amt vor, die Umwelt- und Lärmauswirkungen der Projekte herunterzuspielen.
Am 24. November 2024 lehnten die Schweizer Wähler den Vorschlag ab, wobei 52.7 Prozent mit Nein stimmten. Dieses Ergebnis hat ein neues Licht auf die für die Förderung der Projekte ausgegebenen Mittel geworfen und zu direkten Konsequenzen für mindestens eine grosse Werbeinvestition geführt.
Die Auswirkungen des Referendums
Die Ablehnung des Autobahn-Ausbaus hat mehrere wichtige Infrastrukturprojekte gestoppt. Als Reaktion darauf beauftragte Bundesrat für Verkehr Albert Rösti einen Bericht von ETH-Professor Ulrich Weidmann, um die Zukunft der Infrastrukturentwicklung neu zu bewerten, was den Weg für Projekte, die einst als sicher galten, weiter trübt.
Das Schicksal eines CHF 3.8 Millionen teuren Besucherpavillons
Ein Paradebeispiel für die Folgen ist ein Hightech-Besucherpavillon in Bern-Wankdorf. Die Anlage, die zu Kosten von CHF 3.8 Millionen gebaut wurde, sollte vier grosse Autobahnprojekte präsentieren, die für die Region geplant waren. Das Projekt wurde auch nach der Ankündigung eines Referendums über die Erweiterungen fortgesetzt.
Der Pavillon verfügt über fortschrittliche Technologie, darunter eine interaktive Panoramawand und ein "Holo-Deck", das allein CHF 1.2 Millionen kostete. Da jedoch drei der vier vorgestellten Projekte nach der Volksabstimmung nun entweder gestrichen oder überprüft werden, ist der Zweck des Pavillons unklar. Die geplante Eröffnung wurde verschoben, da das Astra sein Konzept neu bewertet.
Parlament fordert Antworten
Die Ausgaben und die unsichere Zukunft des Pavillons haben nun eine politische Reaktion ausgelöst. Die Grüne Nationalrätin Florence Brenzikofer hat eine formelle Anfrage, eine Interpellation, an den Bundesrat eingereicht und eine Erklärung für die von ihr als "exorbitante PR-Kosten" bezeichneten Ausgaben gefordert.
"Das primäre Ziel scheint zu sein, das Bundesamt und seine Projekte im bestmöglichen Licht darzustellen", erklärte Brenzikofer. Sie beschrieb das Vorgehen der Agentur als "nonchalanten Umgang mit Steuergeldern", was sie in Zeiten von Bundesbudgetkürzungen besonders beunruhigend findet.
Brenzikofer argumentiert, dass die Verwaltung die Pflicht habe, nachhaltige und energieeffiziente Mobilität zu fördern. Sie ist der Meinung, dass die Kommunikation des Astra während der Autobahnkampagne diesem Standard nicht gerecht wurde.
"Es ist demokratisch bedenklich, dass das Astra offenbar keine sachlichen oder objektiven Informationen liefert", fügte sie hinzu und äusserte die Hoffnung auf "klare und transparente Antworten" von Bundesrat Albert Rösti, dessen Departement das Astra beaufsichtigt.
Brenzikofer ist nicht allein mit ihren Bedenken. Ihre Parteikolleginnen Franziska Ryser und Aline Trede haben ebenfalls Anfragen eingereicht, in denen sie mangelnde Transparenz und den Vorwurf erheben, die Agentur habe sich der "Schönfärberei" bedient, um ihre Agenda zu fördern. Der Bundesrat wird voraussichtlich in den kommenden Wochen eine formelle Antwort auf diese parlamentarischen Fragen geben.




