In Bern ist eine hitzige Debatte über die Gehälter der Regierungsratsmitglieder entbrannt. Die Jungen Sozialist*innen (Juso) des Kantons Bern fordern eine deutliche Reduzierung und schlagen eine monatliche Obergrenze von 7.000 Schweizer Franken vor. Dieser Vorschlag steht in starkem Kontrast zu den derzeitigen monatlichen Bezügen dieser Amtsträger von über 23.000 Franken.
Wichtige Erkenntnisse
- Juso Kanton Bern schlägt vor, die Regierungsratssaläre auf 7.000 Franken pro Monat zu begrenzen.
- Aktuelle Regierungsratsmitglieder verdienen monatlich über 23.000 Franken.
- Kritiker argumentieren, dass 7.000 Franken für die hohe Verantwortung des Amtes unzureichend sind.
- Das Schweizer Median-Gehalt liegt bei rund 7.000 Franken, was den Ruf der Juso nach 'Realitätsnähe' unterstreicht.
- Die Gehälter für ähnliche Positionen variieren in anderen Schweizer Kantonen erheblich.
Juso fordert 'Realitätsnähe' in der Politik
Die Juso Kanton Bern argumentiert, dass hohe Gehälter zu einer abgehobenen Politik führen. Charlotte Günther, Mitglied der Geschäftsleitung der Juso Kanton Bern und Lokalparlamentarierin in Worb, äußerte diese Besorgnis. Sie ist der Meinung, dass die derzeitigen Vergütungsniveaus Politiker von den täglichen Schwierigkeiten der breiten Bevölkerung entkoppeln.
Günther hob die steigenden Lebenshaltungskosten als Schlüsselfaktor hervor. Sie erwähnte steigende Krankenkassenprämien, höhere Mieten und unerschwingliche Preise für den öffentlichen Nahverkehr. Diese Probleme betreffen viele Berner Einwohner direkt.
„Politiker müssen ein Gefühl dafür haben, womit die Menschen zu kämpfen haben. Diese Probleme erlebt ein Regierungsrat, der 23.000 Franken im Monat verdient, nicht“, so Günther.
Die Juso schlägt ein monatliches Gehalt von 7.000 Franken für Regierungsratsmitglieder vor. Diese Zahl entspricht dem Median-Gehalt in der Schweiz. Sie schlagen vor, dass dies eine größere Verbindung zur Realität der meisten Bürger fördern würde.
Median-Gehalt im Überblick
Das Median-Gehalt in der Schweiz beträgt ungefähr 7.000 Franken pro Monat. Das Median-Gehalt im Kanton Bern liegt laut Juso sogar unter dem nationalen Durchschnitt.
Konservative Parteien lehnen drastische Kürzungen ab
Der Vorschlag der Juso stieß bei konservativen politischen Parteien auf starken Widerstand. Thomas Fuchs, Präsident der SVP Stadt Bern, räumte ein, dass eine Gehaltskürzung für Regierungsratsmitglieder sinnvoll sein könnte. Die 7.000-Franken-Grenze lehnte er jedoch entschieden ab.
Fuchs schlug eine Reduzierung auf 200.000 Franken pro Jahr vor, was ungefähr 16.666 Franken pro Monat entspricht. Dies stellt eine Kürzung gegenüber den derzeitigen 23.000 Franken dar, liegt aber immer noch deutlich über dem Vorschlag der Juso.
Laut Fuchs ist ein Monatsgehalt von 7.000 Franken angesichts der umfassenden Verantwortung, die mit der Position des Regierungsrats verbunden ist, schlicht unzureichend. Er wies auch darauf hin, dass dieser Betrag nicht den Vergütungsniveaus für Führungspositionen innerhalb der Verwaltung selbst entspricht.
Rolle des Regierungsrats
Der Regierungsrat ist die Exekutive eines Schweizer Kantons. Seine Mitglieder tragen erhebliche politische und administrative Verantwortung, überwachen verschiedene Departemente und treffen entscheidende Entscheidungen für die Kantonsverwaltung.
Die Mitte nennt Median-Gehalt als Referenz 'unrealistisch'
Philip Kohli, Grossrat der Partei Die Mitte in Bern, äußerte ebenfalls starke Vorbehalte gegen die Forderung der Juso. Er bezeichnete den Vorschlag als weitgehend unrealistisch.
Kohli betonte die erheblichen Verantwortlichkeiten, die hohe Arbeitsbelastung und die inhärenten politischen Risiken, die mit einem Exekutivamt verbunden sind. Regierungsratsmitglieder müssen sich regelmäßig zur Wiederwahl stellen, was eine weitere Druckschicht zu ihren Rollen hinzufügt.
Er argumentierte, dass eine angemessene Vergütung angesichts dieser Faktoren verständlich sei. Die Verwendung des Median-Gehalts als Referenz sei, so Kohli, realitätsfern. Er bemerkte, dass in diesem Fall einige leitende Verwaltungsmitarbeiter möglicherweise mehr verdienen würden als die Direktoren, denen sie unterstellt sind.
Gehälter variieren in den Schweizer Kantonen
Ein Blick auf andere Schweizer Kantone zeigt eine breite Spanne von Gehältern für ähnliche Exekutivpositionen. Diese Vergleiche verdeutlichen die unterschiedlichen Ansätze zur Vergütung hochrangiger Beamter im ganzen Land.
- In Zug verdienen Regierungsratsmitglieder ungefähr 24.500 Franken pro Monat. Das Median-Gehalt in Zug liegt bei rund 7.500 Franken.
- Im Wallis erhalten Regierungsratsmitglieder monatlich 25.000 Franken. Das Median-Gehalt im Wallis ist mit etwa 5.750 Franken niedriger.
- Zürich sticht mit der höchsten Vergütung hervor, wo Regierungsratsmitglieder 30.400 Franken pro Monat erhalten.
Diese Zahlen zeigen, dass der Vorschlag der Juso zwar auf eine radikale Veränderung abzielt, die aktuelle Vergütung in Bern jedoch in ein breiteres Spektrum von Gehältern für kantonale Exekutivrollen in der Schweiz fällt.
Die Debatte in Bern geht weiter und spiegelt umfassendere Fragen über politische Vergütung, öffentliches Vertrauen und die wahrgenommene Verbindung zwischen gewählten Amtsträgern und den Bürgern, denen sie dienen, wider.




