Eine parteiübergreifende Koalition von Politikern im Grossen Rat des Kantons Bern fordert eine grundlegende Änderung bei der Einrichtung von Asylzentren. Ein neuer parlamentarischer Vorstoss verlangt, dass Gemeinden ihre offizielle Zustimmung geben müssen, bevor neue kantonale oder eidgenössische Asyleinrichtungen innerhalb ihrer Grenzen eröffnet werden können. Dies geschieht unter Berufung auf Bedenken hinsichtlich der Belastung der Gemeinden und der öffentlichen Sicherheit.
Wichtige Erkenntnisse
- Politiker der SVP, FDP, Die Mitte und EDU haben einen gemeinsamen Vorstoss im Berner Kantonsparlament eingereicht.
- Der Vorstoss zielt darauf ab, den Gemeinden die Befugnis zu erteilen, die Einrichtung neuer Asyl- und Rückkehrzentren zu genehmigen oder abzulehnen.
- Der Vorschlag ist motiviert durch Bedenken hinsichtlich der Auswirkungen auf die lokalen Gemeinschaften und jüngste Sicherheitsvorfälle.
- Eine Ausnahme ist vorgesehen, die es dem Kanton erlaubt, die lokale Zustimmung während eines erklärten Asylnotstands zu umgehen.
Ein Vorstoss für kommunale Souveränität
In einem bedeutenden politischen Schritt haben Mitglieder von vier Mitte-Rechts- und Rechtsparteien formell beantragt, dass die Kantonsregierung ihre aktuellen Verfahren zur Standortwahl von Asyleinrichtungen ändert. Der Vorschlag argumentiert, dass der derzeitige Top-Down-Ansatz, bei dem der Kanton oder der Bund Standorte auswählt, eine unangemessene Belastung für die aufnehmenden Gemeinden darstellt.
Die Grossräte argumentieren, dass die Einrichtung von Einrichtungen wie Transit- oder Rückkehrzentren eine sehr anspruchsvolle Aufgabe für jede Gemeinde ist. Sie sind der Meinung, dass die Bewohner und lokalen Behörden, die die direkten Auswirkungen dieser Zentren tragen, ein entscheidendes Mitspracherecht in dieser Angelegenheit haben sollten. Gemäss dem Vorstoss fühlen sich die Gemeinden durch die aktuelle Praxis oft machtlos und mit unveränderlichen Entscheidungen höherer Behörden konfrontiert.
Aktuelles Verfahren vs. Vorgeschlagene Änderung
Derzeit haben die kantonalen und eidgenössischen Behörden erhebliche Befugnisse, Asylzentren dort einzurichten, wo sie es für notwendig erachten, oft basierend auf der Verfügbarkeit von Immobilien und logistischen Bedürfnissen. Der neue Vorschlag würde diese Machtdynamik verschieben und die kommunale Genehmigung zu einer zwingenden Voraussetzung für jedes neue Projekt machen, wodurch den lokalen Regierungen effektiv ein Vetorecht eingeräumt würde.
Sicherheitsbedenken befeuern die Debatte
Der Hauptgrund für den Vorschlag scheinen wachsende Bedenken hinsichtlich der öffentlichen Sicherheit und des sozialen Zusammenhalts zu sein. Befürworter der Massnahme verweisen auf spezifische Ereignisse, die ihrer Meinung nach die Risiken des aktuellen Systems verdeutlichen. Der Vorstoss verweist explizit auf die Situation in Büren an der Aare als Fallstudie für ihre Argumente.
Sie stellen fest, dass an einer öffentlichen Informationsveranstaltung für ein neues Rückkehrzentrum in der Stadt die Kantonspolizei ankündigte, ihre Präsenz in der Region erhöhen zu müssen. Diese Aussage wurde von vielen als Eingeständnis erwarteter Sicherheitsherausforderungen im Zusammenhang mit der neuen Einrichtung interpretiert.
Der Vorfall in Büren an der Aare
Die Debatte wurde durch einen kürzlichen Vorfall in derselben Stadt weiter verschärft. Nur einen Monat nach der Eröffnung des Rückkehrzentrums war ein Polizeieinsatz erforderlich, nachdem ein abgelehnter Asylbewerber unrechtmässig in die Wohnung einer Anwohnerin eingedrungen war. Dieses Ereignis wurde von den Politikern, die den Vorschlag unterstützen, stark als Beweis für die potenziellen Auswirkungen auf das Sicherheitsgefühl der Bewohner zitiert.
„Solche Erfahrungen stellen eine Belastung für unser Zusammenleben dar“, heisst es im Text des parlamentarischen Vorstosses und betont die persönlichen und sozialen Folgen solcher Vorfälle.
Die Grossräte argumentieren, dass der Kanton diese Ängste ernst nehmen muss. Sie sehen die Forderung nach lokaler Zustimmung als notwendigen Schritt, um sicherzustellen, dass die Interessen und das Wohlergehen der ansässigen Bevölkerung bei der Planung neuer asylbezogener Einrichtungen Priorität haben.
Der Vorschlag besagt ausdrücklich, dass das Verhalten einiger Asylsuchender zu einer „Belastung für unsere Bürger und Familien“ geworden ist, was ein Gefühl widerspiegelt, dass der soziale Vertrag in den aufnehmenden Gemeinden unter Druck steht.
Die politische Landschaft und nächste Schritte
Der Vorschlag wird von einem bedeutenden Block im Grossen Rat unterstützt, darunter die Schweizerische Volkspartei (SVP), die FDP.Die Liberalen (FDP), Die Mitte und die Eidgenössisch-Demokratische Union (EDU). Diese breite Koalition deutet darauf hin, dass der Vorstoss eine realistische Chance hat, an Zugkraft zu gewinnen und eine ernsthafte Debatte im Kantonsparlament auszulösen.
Der Kern ihres Arguments ist, dass die lokale Demokratie in der Asylpolitik nicht ausgesetzt werden sollte. Durch die Forderung nach Zustimmung glauben sie, dass die Gemeinden befugt wären, sich entweder angemessen mit den richtigen Ressourcen auf ein neues Zentrum vorzubereiten oder einen Vorschlag abzulehnen, der für ihre Gemeinde als ungeeignet erachtet wird.
Die Notstandsklausel
Bemerkenswerterweise enthält der Vorschlag eine entscheidende Ausnahme. Die Anforderung der kommunalen Genehmigung könnte vorübergehend ausgesetzt werden, wenn der Kanton offiziell einen „Asylnotstand“ erklärt. Diese Klausel erkennt an, dass die Kantonsregierung in Krisenzeiten möglicherweise schnell handeln muss, um Unterkünfte bereitzustellen, ohne durch lokale Verwaltungsprozesse behindert zu werden.
- Für den Vorschlag: Befürworter argumentieren, dass er die lokale Demokratie stärkt, die Sicherheit verbessert und eine bessere Planung und Kommunikation von den kantonalen Behörden erzwingt.
- Gegen den Vorschlag: Gegner könnten argumentieren, dass dies zu einem „Not-in-my-backyard“-Effekt (NIMBY) führen könnte, der es nahezu unmöglich macht, Standorte für notwendige Asylzentren zu finden und diese ungerechtfertigt in wenigen willigen Gemeinden zu konzentrieren.
Der Vorschlag wird nun im Grossen Rat des Kantons Bern debattiert. Das Ergebnis wird bestimmen, ob der bevölkerungsreichste Kanton der Schweiz ein neues Modell für die Platzierung von Asyleinrichtungen einführen wird – eines, das den lokalen Gemeinden an vorderster Front weitaus mehr Macht verleiht.




