Tausende Menschen versammelten sich am Dienstagabend in Bern, Winterthur und Basel, um gegen das Vordringen syrischer Regierungstruppen in kurdische Gebiete in Nordsyrien und Ostsyrien zu protestieren. Diese nicht genehmigten Demonstrationen verdeutlichten die Besorgnis über den anhaltenden Konflikt und die Zukunft der autonomen kurdischen Regionen.
Wichtige Erkenntnisse
- Rund 2.000 Demonstranten marschierten in Bern.
- Proteste fanden auch in Winterthur und Basel statt.
- In Bern und Winterthur kam es zu Auseinandersetzungen mit der Polizei.
- Ein Trampassagier in Basel erlitt eine Kopfverletzung.
- Die Demonstrationen wurden durch das Vordringen der syrischen Regierungstruppen in kurdische Gebiete ausgelöst.
Bern erlebt grössten Protest
In Bern begannen schätzungsweise 2.000 Personen ihren Marsch um 19:00 Uhr vom Bahnhofplatz. Die Demonstration verlief ohne offizielle Genehmigung und führte in Richtung Bundeshaus. Nach Verhandlungen mit der Kantonspolizei Bern wurde die Menge zur Schützenmatte vor der Reitschule geleitet.
Die Polizei tolerierte dort eine statische Kundgebung, verhinderte jedoch weitere Bewegungen durch die Stadt. Ein Reporter der Nachrichtenagentur Keystone-SDA beobachtete die Situation.
Fakt: Ausmass des Protests
An der Berner Demonstration nahmen rund 2.000 Personen teil, was sie zum grössten Protest des Abends machte.
Auseinandersetzungen nahe der Lorrainebrücke
Während des Berner Protests eskalierten die Spannungen nahe der Lorrainebrücke. Mehrere Teilnehmer versuchten, eine Polizeibarriere zu durchbrechen. Sie sollen Beamte mit Pyrotechnik und später mit anderen Wurfgeschossen angegriffen haben.
Die Kantonspolizei Bern bestätigte diese Vorfälle in einer Erklärung. Sie gab an, dass Beamte kurzzeitig Tränengas und Gummischrot einsetzten, um die Situation zu kontrollieren. Die Demonstration zerfiel schliesslich in kleinere Gruppen und löste sich gegen 21:40 Uhr auf.
„Die Polizei musste kurzzeitig Reizgas und Gummischrot einsetzen“, erklärte die Kantonspolizei Bern in ihrem offiziellen Bericht.
Infolge der Unruhen wurden drei Personen zur weiteren Befragung in Polizeieinrichtungen festgenommen. Das Stadtzentrum erlebte den ganzen Abend über erhebliche Verkehrsbehinderungen.
Winterthur und Basel ebenfalls Zeugen von Protesten
Bern war nicht die einzige Stadt, in der Demonstrationen stattfanden. Etwa eine Stunde vor Beginn des Berner Protests versammelten sich rund 300 Personen am Winterthurer Hauptbahnhof. Diese unbewilligte Kundgebung mit dem Titel „Solidarität mit Rojava“ zog laut Stadtpolizei eine Mischung aus kurdischen Teilnehmern und Personen aus linksextremen Kreisen an.
Kurz nach 18:30 Uhr bildeten die Demonstranten einen spontanen Umzug, der sich in Richtung Technikumstrasse bewegte. Um mögliche Krawalle und Sachbeschädigungen zu verhindern, setzte die Stadtpolizei mehrere Einheiten ein. Sie stoppten den Umzug am Bahnhofplatz, wo Pfefferspray eingesetzt wurde. Die Demonstration wurde schliesslich um 19:45 Uhr aufgelöst.
Kontext: Rojava
Rojava bezeichnet die de facto autonome Region in Nord- und Ostsyrien, die weitgehend von kurdischen Kräften kontrolliert wird. Die aktuellen Demonstrationen sind eine Reaktion auf das Vordringen syrischer Regierungstruppen in diese Gebiete, was ihre Autonomie in Frage stellt.
Verletzter Passagier in Basel
In Basel bildete sich am Claraplatz gegen 18:30 Uhr eine Gruppe von etwa 500 Personen zu einer unbewilligten Demonstration. Der Umzug bewegte sich durch die Innenstadt, wobei mehrere Feuerwerkskörper gezündet wurden. Auch an verschiedenen Orten wurden Transparente aufgehängt. Die Polizei bestätigte die Anwesenheit kurdischer Flaggen während des Marsches.
Am Centralbahnplatz angekommen, blockierten Demonstranten die Tramgleise mit einem Sitzstreik. Diese Aktion führte zu Schäden an einem Tramfenster. Ein Passagier im Tram erlitt eine Kopfverletzung und musste ins Krankenhaus eingeliefert werden. Medizinisches Personal transportierte die verletzte Person ins Spital.
Die Demonstration setzte sich fort, bewegte sich über den Barfüsserplatz und die Mittlere Brücke, bevor sie zum Claraplatz zurückkehrte. Die Veranstaltung endete gegen 22:15 Uhr. Trotz der Vorfälle bestätigte ein Polizeisprecher, dass in Basel keine Festnahmen vorgenommen wurden.
Hintergrund des Syrienkonflikts
Die Demonstrationen stehen in direktem Zusammenhang mit der eskalierenden Situation in Syrien. Syrische Regierungstruppen und ihre Verbündeten rücken seit mehreren Tagen in kurdisch kontrollierte Gebiete im Norden und Osten des Landes vor. Dieser militärische Vorstoss resultiert aus einem Streit über die Integration dieser zuvor autonomen kurdischen Regionen in die Staatsstruktur.
Ein am vergangenen Sonntag angekündigter Waffenstillstand scheint faktisch zusammengebrochen zu sein. Die Demonstranten in der ganzen Schweiz verurteilten die Aktionen scharf, mit Rufen wie „Free, free Rojava“ und Parolen wie „Defend Kurdistan“ und „Defend Rojava“ auf Plakaten. Einige richteten auch Kritik an bestimmte Persönlichkeiten, indem sie „Jolani Terrorist“ und „Terrorist Erdogan“ riefen.
- Der Konflikt dreht sich um die Autonomie kurdischer Regionen.
- Ein kürzlich vereinbarter Waffenstillstand ist Berichten zufolge beendet.
- Protestierende fordern Schutz für kurdische Gebiete.
Die gemischten Altersgruppen in allen drei Städten zeigten starke Solidarität mit der kurdischen Sache. In Bern wurde der Einsatz von Feuerwerk und anderer Pyrotechnik beobachtet, was die Intensität der Proteste verstärkte.




