Der geplante SBB-Nachtzug von Basel nach Kopenhagen und Malmö, der ursprünglich im nächsten April starten sollte, steht vor der Absage, nachdem das Schweizer Parlament Bundessubventionen von zehn Millionen Franken abgelehnt hat. Ein neuer Vorschlag der Berner SP-Grossrätin Tanja Bauer deutet jedoch darauf hin, dass der Kanton Bern die Finanzierung der Strecke übernehmen könnte, sofern der Zug von Bern, Thun oder Interlaken abfährt.
Wichtigste Erkenntnisse
- Das Schweizer Parlament hat die Bundessubventionen von 10 Millionen CHF für den Nachtzug Basel-Malmö gestrichen.
- Die SBB bestätigt, dass der Dienst ohne finanzielle Unterstützung nicht betrieben werden kann.
- Die Berner SP-Grossrätin Tanja Bauer schlägt vor, dass der Kanton Bern die Strecke finanziert.
- Der Vorschlag erfordert, dass der Nachtzug von Bern, Thun oder Interlaken abfährt.
- Befürworter heben die Vorteile für den Tourismus und die Finanzkraft Berns hervor.
- Gegner hinterfragen die Rolle des Kantons bei internationalen Routen und finanziellen Prioritäten.
Bundeskürzungen stoppen SBB-Nachtzugpläne
Die Entscheidung des Schweizer Parlaments vom Dienstag, die notwendigen Bundesmittel zu streichen, hat das SBB-Nachtzugprojekt auf Eis gelegt. Dieser Dienst hätte Basel mit wichtigen nordischen Städten wie Kopenhagen und Malmö verbunden und vielen eine alternative Reisemöglichkeit geboten.
Die SBB bestätigte, dass der Betrieb der geplanten Linie ohne die zehn Millionen Franken an Subventionen wirtschaftlich nicht tragbar ist. Das Unternehmen äusserte Verständnis für enttäuschte Kunden und erklärte, dass alle bereits gekauften Tickets zurückerstattet würden. Dieser Schritt stellt einen erheblichen Rückschlag für diejenigen dar, die auf erweiterte internationale Bahnreisen aus der Schweiz gehofft hatten.
Fakt: Geschichte des Nachtzugs
Bern hat seit 2013 keine direkten Nachtzugverbindungen mehr, was diese vorgeschlagene Route zu einer potenziellen Rückkehr des internationalen Bahnverkehrs für die Region macht.
Berner Politikerin schlägt kantonale Rettung vor
Inmitten der Absage drängt die SP-Grossrätin Tanja Bauer darauf, dass der Kanton Bern die finanzielle Verantwortung übernimmt. Sie plant, einen Vorstoss einzureichen, in dem sie argumentiert, dass das Bundesparlament eine entscheidende Chance für die Schweiz verpasst hat.
Bauer ist der Ansicht, dass Nachtzugverbindungen oft Subventionen benötigen, um nachhaltig zu sein. Ihr Vorschlag hängt von der Bedingung ab, dass der Nachtzug von Bern, Thun oder Interlaken abfährt. Diese Änderung des Abfahrtsortes ist zentral für ihre Vision zur Stärkung des Tourismussektors des Kantons.
„Das Parlament hat mit seinem 'Nein' eine Chance für die ganze Schweiz verpasst. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass Nachtzugverbindungen selbsttragend sind“, erklärte Tanja Bauer.
Tourismus als wichtiger Motor
Bauer betont den Tourismusaspekt, der ihrer Meinung nach in der Bundesdebatte übersehen wurde. Sie weist darauf hin, dass die Züge in beide Richtungen verkehren würden, was Touristen aus Hamburg, Kopenhagen und Malmö ermöglichen würde, direkt in die Schweiz, insbesondere nach Bern, zu reisen.
Laut Bauer ist Bern seit Jahren „völlig abgeschnitten“ vom internationalen Personenverkehr. Das Fehlen direkter internationaler Bahnlinien und eines grossen nahegelegenen Flughafens zwingt Reisende zu längeren Umwegen.
Berns Konnektivitätsproblem
Seit über einem Jahrzehnt fehlen Bern direkte internationale Zugverbindungen. Dies hat das Reisen in und aus dem Kanton für internationale Besucher und Einwohner gleichermassen komplizierter gemacht, oft sind Umstiege in anderen Schweizer Städten oder die Nutzung von Flugreisen von entfernten Flughäfen erforderlich.
Finanzielle Machbarkeit und politische Unterstützung
Tanja Bauer versichert, dass die Finanzierung für den Kanton kein Problem darstellt. Sie hebt die starke Finanzlage Berns und die prognostizierten Überschüsse für die kommenden Jahre hervor, die die zehn Millionen Franken Subvention „überschaubar“ machen.
Sie ist zuversichtlich, dass, wenn dieselben Parteien, die die Bundesinitiative unterstützten, ihren kantonalen Vorschlag unterstützen, eine Mehrheit im Grossen Rat gefunden werden könnte. Dies deutet auf eine mögliche parteiübergreifende Einigkeit über die Bedeutung der internationalen Anbindung hin.
- Starke Finanzlage: Bern hat erhebliche Finanzüberschüsse gemeldet.
- Überschaubare Kosten: Zehn Millionen Franken gelten im kantonalen Budget als erschwinglich.
- Politische Übereinstimmung: Bauer hofft auf Unterstützung von Parteien, die den ursprünglichen Bundesplan befürworteten.
Gemischte Reaktionen anderer Parteien
FDP-Grossrat Peter Haudenschild zeigte Interesse an Bauers Idee und anerkannte die Bedeutung der Aufrechterhaltung internationaler Verbindungen. Er bemerkte, dass es angesichts der EU-Planung ihres Fernverkehrsnetzes um die Schweiz herum entscheidend sei, dass Bern integriert bleibe.
„Gerade in Zeiten, in denen die EU ihr Fernverkehrsnetz um die Schweiz herum plant, müssen wir sicherstellen, dass wir internationale Verbindungen aufrechterhalten können“, sagte Peter Haudenschild, Mitglied der Berner Verkehrskommission.
Haudenschild warf jedoch auch die Frage nach einer breiteren Verantwortung auf. Er ist der Meinung, dass der Kanton Bern nicht der alleinige Finanzier sein sollte, da das ganze Land von einer Zugverbindung nach Hamburg, Kopenhagen und Malmö profitieren würde.
SVP äussert starken Widerstand
SVP-Grossrat Samuel Leuenberger äusserte klaren Widerstand gegen Bauers Vorschlag. Er hinterfragt die Sinnhaftigkeit, erhebliche kantonale Mittel in die Aufrechterhaltung von Fernverbindungen zu investieren, insbesondere in ausländische Bahnnetze, die möglicherweise nicht den Schweizer Standards entsprechen.
Leuenberger argumentiert, dass es nicht die Aufgabe des Kantons Bern sei, solche Kosten zu decken, insbesondere für einen Kanton, den er als „jedem Franken nachjagend“ beschreibt. Er ist der Meinung, dass der Kanton, wenn er eine internationale Verbindung anstreben würde, eine nach Süden priorisieren sollte.
Potenzielle Südverbindung
Samuel Leuenberger schlug eine BLS-Verbindung nach Mailand oder sogar Genua als sinnvollere internationale Route für den Kanton Bern vor, die sich auf regionale Wirtschaftsbeziehungen konzentriert.
Die Debatte verdeutlicht einen grundlegenden Unterschied in den politischen Prioritäten: ob der Kanton in internationale Touristenverbindungen nach Norden investieren oder sich auf regionale Wirtschaftsbeziehungen nach Süden konzentrieren sollte.




