Beat Moser, der langjährige Gemeindepräsident von Münsingen, tritt Ende Jahr nach zwölf Amtsjahren zurück. In einem kürzlich geführten Interview blickt er auf seine Amtszeit zurück und hebt bedeutende Errungenschaften in den Bereichen Verkehrsmanagement, Stadtentwicklung und Bürgerbeteiligung hervor.
Wichtigste Erkenntnisse
- Beat Moser beendet seine zwölfjährige Amtszeit als Gemeindepräsident von Münsingen.
- Zu den wichtigsten Errungenschaften gehören neue Verkehrslösungen und die Sanierung des Dorfplatzes.
- Investitionen in Schulen und Fernwärme haben Münsingen auf zukünftiges Wachstum vorbereitet.
- Moser betont die Bedeutung von Bürgerbeteiligung und Kommunikation.
- Herausforderungen bleiben im Gesundheitswesen und in der interkommunalen Zusammenarbeit bestehen.
Eine erfüllende politische Karriere
Beat Moser beschreibt seine zwölf Jahre als Gemeindepräsident als eine der faszinierendsten und lohnendsten Perioden seines Berufslebens. Er betont die Bedeutung des direkten Engagements mit der Gemeinschaft. Der Aufbau eines Konsenses zwischen dem Parlament, verschiedenen Kommissionen und der Bevölkerung erwies sich als wesentlich für die Weiterentwicklung lokaler Projekte.
Während seiner Amtszeit konzentrierte sich Moser darauf, die Bewohner in Entscheidungsprozesse einzubeziehen. Dieser Ansatz half der Gemeinde, wichtige Initiativen voranzutreiben. Er ist überzeugt, dass eine starke Kommunikation für eine effektive Regierungsführung unerlässlich ist.
"Der Kontakt, der Austausch und die Verbindung mit der Bevölkerung machen diesen Job so besonders. Man muss das Parlament, die Kommissionen und die Öffentlichkeit mitnehmen, um etwas weiterzuentwickeln."
Herausforderungen meistern und Konsens bilden
Moser erinnert sich an wenige Fälle, in denen seine Entscheidungen von früheren Aussagen abwichen. Er räumt ein, dass einige Ideen keine Mehrheit fanden. Trotz dieser gelegentlichen Hürden sah sich die Gemeinde nur wenigen Referenden gegen ihre Beschlüsse gegenüber.
Referendum zur Überbauung Jungfrauweg
Ein bemerkenswertes Referendum betraf ein geplantes Bauprojekt am Jungfrauweg. Die Gemeinde lehnte Pläne für eine höhere Bebauung ab, was auf eine Fehleinschätzung der öffentlichen Meinung zu diesem Zeitpunkt hindeutete. Dieses Ereignis diente der lokalen Verwaltung als Lernerfahrung.
Er betont, dass seine Verwaltung nie Versprechungen gemacht hat, die sie nicht halten konnte. Dieses Engagement für Ehrlichkeit förderte das Vertrauen innerhalb der Gemeinschaft. Der Fokus blieb auf der Erzielung greifbarer Verbesserungen für die Bewohner von Münsingen.
Transformation der Infrastruktur von Münsingen
Moser verweist auf bedeutende Fortschritte in der Infrastruktur der Stadt als Schlüsselerfolge seiner Amtszeit. Er erklärt stolz, dass die ehemalige "Verkehrshölle" von Münsingen nicht mehr existiert. Eine neue Verkehrslösung, einschliesslich einer Entlastungsstrasse, hat den Verkehrsfluss durch das Dorfzentrum dramatisch verbessert.
Der Dorfplatz wurde komplett saniert, wodurch seine Attraktivität und Funktionalität verbessert wurden. Diese Projekte waren komplex und erforderten über viele Jahre hinweg nachhaltige Anstrengungen. Die positiven Auswirkungen auf das tägliche Leben der Bewohner sind jedoch klar.
Investitionen in öffentliche Einrichtungen
Neben Verkehr und urbanen Räumen investierte Mosers Verwaltung stark in Bildung. Schulanlagen wurden modernisiert und erweitert. Auch das Fernwärmenetz wurde erheblich ausgebaut und legte damit ein starkes Fundament für Münsingens zukünftiges Wachstum und Nachhaltigkeit.
Auch kulturelle Initiativen blühten auf, wobei das Schlossgut eine bemerkenswerte Revitalisierung erfuhr. Diese Verbesserungen zielten darauf ab, die Lebensqualität und das kulturelle Angebot für alle in Münsingen zu verbessern.
Die Logik hinter Tempo 30
Ein besonderes Merkmal des neuen Verkehrssystems von Münsingen ist die Tempo-30-Geschwindigkeitsbegrenzung auf der Entlastungsstrasse. Diese Entscheidung war nicht willkürlich. Moser erklärt, dass der Hauptgrund für diese niedrigere Geschwindigkeitsbegrenzung darin bestand, den Verbrauch von landwirtschaftlicher Fläche zu minimieren.
Würde man Lastwagen erlauben, mit 50 km/h zu fahren, hätte dies einen grösseren Kurvenradius erfordert, was zu mehr verbauter Fläche geführt hätte. Dies war ein Kompromiss, den die Verwaltung nicht eingehen wollte. Die langsamere Geschwindigkeit ermöglichte auch mehr Parkplätze im Dorfzentrum, ein Vorteil, der von lokalen Unternehmen geschätzt wird.
Verbesserungen des Verkehrsflusses
Trotz der geringeren Geschwindigkeit stellt Moser fest, dass der Verkehr jetzt flüssiger fliesst. Es gibt weniger rote Ampeln, und Pendler erreichen ihre Ziele oft schneller. Dieses kontraintuitive Ergebnis zeigt die Wirksamkeit des integrierten Verkehrsplans.
Münsingen: Ein kompaktes Dorf mit städtischen Annehmlichkeiten
Moser drückt seine tiefe Zuneigung zu Münsingen aus und beschreibt es als einen Ort, an dem "alles vorhanden ist". Er hebt die atemberaubenden Naherholungsgebiete hervor und bemerkt, dass kein Bewohner mehr als einen Kilometer von Grünflächen entfernt wohnt. Dieser Zugang zur Natur trägt zur hohen Lebensqualität bei.
Er charakterisiert Münsingen als ein kompaktes Dorf mit den Annehmlichkeiten einer Kleinstadt, das einen starken Gemeinschaftsgeist bewahrt. Diese einzigartige Mischung macht es zu einem attraktiven Ort zum Leben und Arbeiten.
- Reichlich Grünflächen zur Erholung.
- Kompakte Bauweise fördert die Gemeinschaft.
- Dienstleistungen und Einrichtungen vergleichbar mit einer Kleinstadt.
- Starke Betonung der lokalen Identität.
Unerledigte Geschäfte und zukünftige Hoffnungen
Obwohl Moser stolz auf seine Errungenschaften ist, räumt er ein, dass der Fortschritt in einigen Bereichen langsamer war als erwartet. Die Schliessung des örtlichen Spitals stellte eine erhebliche Herausforderung dar. Die Suche nach Partnern für ein neues Gesundheitszentrum hat sich als schwierig erwiesen, obwohl er hinsichtlich des späteren Erfolgs optimistisch bleibt.
Auch die Zusammenarbeit mit den Nachbargemeinden birgt weiteres Potenzial. Projekte wie ein zentraler Sozialdienst für die Aaretal-Region, an dem Gemeinden wie Kiesen, Wichtrach, Rubigen und andere beteiligt sind, sind nicht so schnell vorangekommen, wie er gehofft hatte. Die Zusammenarbeit in Bereichen wie Zivilschutz und Feuerwehr ist jedoch bereits stark.
Herausforderungen mit kantonalen Vorschriften
Moser äussert Frustration über die umfassende Einmischung des Kantons in lokale Angelegenheiten. Er hat das Gefühl, dass Gemeinden oft von Vorschriften und Richtlinien überfordert werden. Bei der Planung neuer Bauvorhaben haben beispielsweise zahlreiche kantonale Ämter ein Mitspracherecht.
"Der Kanton mischt sich überall ein. Wir ertrinken in kantonalen Vorschriften. Wenn wir etwas bauen wollen, haben zehn Fachstellen ein Mitspracherecht. Wir sind eine Gemeinde mit Fachwissen und müssen versuchen, die kommunale Autonomie zu wahren."
Er plädiert für eine stärkere kommunale Autonomie und argumentiert, dass lokale Verwaltungen über das notwendige Fachwissen verfügen, um ihre eigene Entwicklung effektiv zu steuern.
Rückblick auf ein Vermächtnis
Moser tritt als glücklicher Mann ab, stolz auf die positiven Veränderungen, die er mitgestaltet hat. Sein Glück führt er auf die Möglichkeit zurück, Dinge in seinem Leben zu gestalten und voranzutreiben. Andere glücklich zu machen, bleibt seine grösste Freude.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Amt freut er sich auf mehr persönliche Zeit. Zu seinen Plänen gehören mehr körperliche Aktivität, Zeit mit seiner Partnerin und seinen Enkelkindern sowie eine Fahrradtour nach Kroatien. Diese Reise ist zwar bedeutsam, aber nicht sein extremstes Radabenteuer. Vor Jahren radelte er etwa 11.000 Kilometer quer durch Kanada mit einem Zelt.
Mosers Radabenteuer
In seinen jüngeren Jahren unternahm Beat Moser eine beeindruckende halbjährige Radreise quer durch Kanada, bei der er mit einem Zelt etwa 11.000 Kilometer zurücklegte. Dies zeugt von seinem Abenteuergeist und seiner Widerstandsfähigkeit.
Sein Abschied markiert das Ende einer Ära für Münsingen und hinterlässt ein Vermächtnis transformativer Projekte und engagierten öffentlichen Dienstes.




