Schweizer Expats in Dubai und Doha erleben nach jüngsten Drohnen- und Raketenangriffen in der Golfregion erhöhte Spannungen. Sie berichten von weit verbreitetem Unbehagen, gestörtem Alltag und dem Vertrauen in fortschrittliche Verteidigungssysteme zur Sicherheit. Trotz der Herausforderungen äußern viele Vertrauen in die Reaktion der lokalen Behörden.
Wichtige Erkenntnisse
- Drohnen- und Raketenangriffe haben in Dubai und Doha erhebliche Störungen verursacht.
- Schweizer Einwohner berichten von Unbehagen, vertrauen aber den Verteidigungssystemen.
- Fehlinformationen in sozialen Medien sind ein großes Problem und verursachen unnötige Panik.
- Die Behörden in beiden Städten ergreifen Maßnahmen, um die öffentliche Sicherheit und Ordnung zu gewährleisten.
- Einige Expats erwägen aufgrund der Situation eine vorübergehende Rückkehr in die Schweiz.
Leben unter Beschuss: Dubai-Bewohner passen sich der neuen Realität an
Nico Tschanz, ein 37-jähriger Vermögensberater aus Mühleberg, lebt seit fünf Jahren in Dubai. Er beschreibt ein allgegenwärtiges Gefühl des Unbehagens in der Stadt. Nach den ersten Angriffen traf er sofort Vorsichtsmaßnahmen, darunter das Tanken seines Autos, das Packen eines Notfallrucksacks und das Auffüllen der Wasservorräte.
Tschanz bemerkt seit dem Wochenende ein Muster von Drohnen- und Raketenangriffen, die etwa alle vier Stunden stattfinden, obwohl die Häufigkeit abgenommen hat. Er beobachtet eine spürbare Unsicherheit unter den Bewohnern. Einige seiner Bekannten haben sogar versucht, nach Oman zu fahren, um Privatjets zu chartern und die Region zu verlassen, da der Luftraum Beschränkungen unterliegt.
„Die Situation erzeugt ein sehr unbehagliches Gefühl“, sagte Tschanz in einem Telefoninterview aus Dubai. „Obwohl ich nicht in Panik geraten bin, möchte ich vorbereitet sein, falls die Dinge eskalieren.“
Wichtige Tatsache
Dubais Hauptbedrohung geht von herabfallenden Trümmern und Splittern abgefangener Projektile aus, nicht von direkten Treffern.
Die Herausforderung der Fehlinformationen in sozialen Medien
Ein großes Anliegen für Tschanz ist die Verbreitung von Fehlinformationen, insbesondere auf Social-Media-Plattformen. Dubai ist die Heimat vieler Influencer, von denen einige Berichten zufolge alte Bilder von Unfällen und Bränden posten und diese als aktuelle Kriegsschäden darstellen, um Klicks zu generieren. Diese Praxis, so sagt er, schürt unnötige Panik in der Bevölkerung.
Die Behörden haben die Bewohner aufgefordert, sich nur auf offizielle Kanäle für Informationen zu verlassen. Sie raten davon ab, unbestätigte Videos zu teilen. Es bleibt schwierig festzustellen, ob Brände in einigen Hotels auf direkte Einschläge oder auf Fragmente abgefangener Raketen zurückzuführen sind.
Tschanz sprach mit Arthur Mattli, dem Schweizer Botschafter in den Vereinigten Arabischen Emiraten und Bahrain, der die Wirksamkeit der Verteidigungssysteme bestätigte. Laut dem Botschafter wurden etwa 99 Prozent der Projektile abgefangen.
Doha unter Alarm: Alltag und Verteidigungsmaßnahmen
Etwa 400 Kilometer westlich, in Doha, erlebt der 33-jährige David Bühler aus Wangen an der Aare seit dem Wochenende täglich Verteidigungssirenen. Bühler, ein Banker, der seit vier Jahren in Katars Hauptstadt lebt, berichtet von häufigen Explosionen.
Oft kann er nicht sofort erkennen, ob die Geräusche von abgefangenen Projektilen oder tatsächlichen Einschlägen stammen. Die extreme Lautstärke der Detonationen macht es schwer, ihre Entfernung einzuschätzen. „Es macht einen ein bisschen paranoid“, gibt er zu.
Hintergrund
Die aktuelle Eskalation zwischen Iran und den USA hat zu Vergeltungsschlägen gegen US-Militärbasen in den Golfstaaten geführt. Dies hat zivile Gebiete in Dubai und Doha betroffen.
Bühler arbeitet von zu Hause aus in einem Hochhaus im Geschäftsviertel West Bay. Er schätzt es nun, im vierten Stock statt im vierzigsten zu wohnen, was bei Bedarf einen schnelleren Zugang zu geschützten Unterkünften im Keller ermöglicht. Seine Hauptsorge gilt seiner Partnerin, die für eine amerikanische Hotelkette arbeitet und physisch an ihrem Arbeitsplatz anwesend sein muss. „Nachdem ich Bilder von brennenden Hotels in Dubai gesehen habe, erzeugt das schon etwas Angst“, teilte er mit.
Katars robuste Reaktion und Gemeinschaftsunterstützung
Bühler äußert Vertrauen in die katarische Armee und lobt den Umgang des Landes mit der Situation. Er hebt die effektiven Verteidigungsmechanismen hervor. Katarische Kampfflugzeuge sind seit Sonntag in der Luft und fangen Projektile aktiv ab, bevor sie die Küste erreichen.
Die Krisenkommunikation in Katar ist ebenfalls vorbildlich. Die Bewohner erhalten regelmäßige SMS-Benachrichtigungen, Entwarnungen und Updates. Die aktuelle Anweisung lautet, so viel wie möglich drinnen zu bleiben. Um Panikkäufe und chaotische Szenen in den Geschäften zu verhindern, haben große Supermärkte ihre Öffnungszeiten auf 24 Stunden verlängert.
- SMS-Warnungen und Updates sind häufig.
- Den Bewohnern wird geraten, zu Hause zu bleiben.
- Supermärkte sind 24/7 geöffnet, um Engpässe zu vermeiden.
Der heilige Monat Ramadan findet derzeit in arabischen Ländern statt, was die öffentliche Aktivität tagsüber natürlich reduziert. Nun ist das öffentliche Leben in Doha fast vollständig zum Erliegen gekommen, Veranstaltungen wurden abgesagt und der Flughafen Doha aus Sicherheitsgründen vorübergehend evakuiert.
Ausblick: Ungewissheit und Gedanken an Rückkehr
Sowohl Tschanz als auch Bühler hatten angesichts der US-Militärpräsenz in der Region eine Eskalation erwartet. Sie erwarteten auch, dass der Iran US-Militärbasen in den Golfstaaten angreifen würde. Sie waren jedoch überrascht von der Geschwindigkeit und dem Ausmaß der iranischen Vergeltung.
Keiner von beiden glaubt, dass der Iran diese Intensität der Angriffe langfristig aufrechterhalten kann. „Ich kann mir nicht vorstellen, dass der Iran kontinuierlich mehrere Länder gleichzeitig angreifen kann“, sagte Tschanz. Beobachter schließen nicht aus, dass die Golfstaaten bei weiteren Angriffen direkt gegen den Iran Vergeltung üben könnten.
Nico Tschanz hofft, dass die VAE weiterhin auf Verteidigung setzen werden. Er hat jedoch erwogen, vorübergehend in die Schweiz zurückzukehren, um in Sicherheit zu sein. David Bühler blickt mit Traurigkeit auf seinen Umzug nach Katar vor vier Jahren zurück, eine Zeit des Optimismus vor der Weltmeisterschaft. Er befürchtet, dass diese Eskalation den Fortschritt der Region erheblich zurückwerfen wird.




