Bauern in Bern haben heute vor dem Gebäude von Mondelez International protestiert und eine sofortige Einstellung der Butterimporte gefordert. Diese Demonstration findet statt, da die Schweizer Butterreserven erheblich hoch sind, was bei den lokalen Milchproduzenten Bedenken hinsichtlich der Marktgerechtigkeit und ihrer Existenzgrundlage hervorruft.
Rund 40 Bauern, begleitet von 12 Traktoren, versammelten sich in Bern-Brünnen. Sie äusserten ihren Frust über den Plan von Mondelez, fast 1.000 Tonnen Butter aus der EU für die Schokoladenproduktion zu importieren, obwohl ein reichliches heimisches Angebot vorhanden ist.
Wichtige Erkenntnisse
- Bauern protestierten gegen den Plan von Mondelez, 924 Tonnen EU-Butter zu importieren.
- Die Schweizer Butterreserven belaufen sich derzeit auf 4.888 Tonnen.
- Die Demonstranten fordern einen kostendeckenden Milchpreis und einen stärkeren Grenzschutz.
- Mondelez nannte Wettbewerbsgründe für die Nichtoffenlegung von Importdetails.
- Weitere Proteste sind geplant, darunter einer auf dem Bundesplatz.
Milchwirtschaft vor Import-Herausforderung
Der Kern der Unzufriedenheit der Bauern liegt im geplanten Import von 924 Tonnen Butter. Diese Butter, die von Mondelez für die Schokoladenherstellung bestimmt ist, würde aus der Europäischen Union in die Schweiz gelangen. Dieser Schritt steht in direktem Konflikt mit der aktuellen Situation auf dem Schweizer Milchmarkt.
Ende letzten Jahres beliefen sich die nationalen Butterreserven auf 4.888 Tonnen. Diese Zahl unterstreicht einen erheblichen Überschuss in der Schweizer Eigenproduktion. Die Bauern argumentieren, dass der Import von Butter unter diesen Bedingungen die heimische Industrie untergräbt.
Kurzinfo
Die nationalen Butterreserven der Schweiz beliefen sich Ende letzten Jahres auf 4.888 Tonnen, was auf ein erhebliches heimisches Angebot hindeutet.
Symbolischer Protestakt
Während des Protests vollzog Heinz Siegenthaler, Präsident der Bauern-Mitte, einen symbolischen Akt. Er goss einen verdünnten Liter Milch aus einer Kanne in einen Abfluss vor dem Mondelez-Gebäude. Diese Geste sollte den Milchüberschuss in der Schweiz visuell darstellen.
Die Botschaft der Bauern war klar. Sie wollen ein Ende der Butter- und Milchpulverimporte, solange die heimische Milchproduktion hoch ist. Sie glauben, dass das derzeitige System des 'Veredelungsverkehrs' Importe ohne ausreichende Prüfung zulässt.
„Unsere Aussage ist klar: Stopp und Halt! Wir wollen keine Butter- und Milchpulverimporte mehr, solange wir selbst so viel Milch haben.“
— Heinz Siegenthaler, Präsident der Bauern-Mitte
Forderungen nach stärkerem Grenzschutz
Das Protestschreiben der Bauern, das einem Mondelez-Vertreter übergeben wurde, enthielt mehrere Forderungen. Dazu gehören ein kostendeckender Milchpreis für die Produzenten und ein „massiv verbesserter“ Grenzschutz. Sie betonten auch die Bevorzugung der heimischen Produktion gegenüber Importen.
Das Schreiben wird auch an das Bundesamt für Landwirtschaft geschickt. Diese Massnahme signalisiert die Absicht der Bauern, auf politischer Ebene auf Veränderungen zu drängen. Sie suchen langfristige Lösungen zum Schutz des Schweizer Milchsektors.
Veredelungsverkehr verstehen
Veredelungsverkehr bezieht sich auf ein System, bei dem Rohstoffe wie Butter zur Weiterverarbeitung zu Fertigprodukten wie Schokolade importiert und dann oft wieder exportiert werden. Bauern argumentieren, dass dieses System zu nachsichtig ist und heimischen Produzenten schadet.
Mondelez-Antwort und Branchensicht
Mondelez International hat keine spezifischen Details zu seinen Importplänen bekannt gegeben. Das Unternehmen erklärte, dass es solche Informationen aus Wettbewerbsgründen nicht preisgibt. Dieser Mangel an Transparenz schürt die Frustration der Bauern zusätzlich.
Im Gegensatz zur Ansicht der Bauern bot Peter Hegglin, Präsident der Branchenorganisation Milch, kürzlich eine andere Perspektive. Er erklärte, dass der Veredelungsverkehr in den letzten Jahren deutlich abgenommen habe. Hegglin erwähnte auch, dass die Branche Marktanteile gewonnen habe.
Begrenzte Unterstützung durch den Detailhandel
Die Bauern haben weitgehend keine breite Unterstützung von grossen Detailhändlern gefunden. Während Migros kürzlich zugesagt hat, nur Schweizer Milch zu verkaufen, haben andere grosse Verarbeiter und Vertreiber zu diesem Thema geschwiegen.
Die Nähe eines Coop-Verteilzentrums neben der Toblerone-Fabrik in Bern-Brünnen wurde von Siegenthaler bemerkt. Er vermutete, dass Coop möglicherweise besorgt gewesen sei, dass die 12 Traktoren den Zugang blockieren könnten. Dies unterstreicht die wahrgenommene mangelnde Solidarität der grossen Einzelhandelsketten.
- Migros hat sich verpflichtet, nur Schweizer Milch zu verkaufen.
- Andere grosse Detailhändler haben sich nicht öffentlich geäussert.
- Die Bauern hoffen auf breitere Unterstützung der Branche.
Weitere Proteste geplant
Die Bauern geben sich mit der heutigen Demonstration nicht zufrieden. Sie planen bereits ihren nächsten Protest für Anfang März. Diese bevorstehende Veranstaltung wird auf dem Bundesplatz in Bern stattfinden.
Der März-Protest wird von einem Bauernaktivisten angeführt, der sich „Wilhelm Tell“ nennt. Dies deutet auf eine wachsende, organisierte Bewegung innerhalb der Landwirtschaftsgemeinschaft hin. Die Bauern sind entschlossen, ihre Anliegen auf höchster Regierungsebene vorzubringen.
Eine weitere mögliche Aktion gegen Coop wird ebenfalls in Betracht gezogen. Die einheitliche Botschaft der Bauern ist klar: Sie fordern faire Bedingungen und Schutz für Schweizer Agrarprodukte vor ausländischen Importen, insbesondere wenn die heimischen Vorräte reichlich vorhanden sind.




