Der Goldpreis ist dramatisch angestiegen, hat eine wichtige psychologische Schwelle überschritten und beeinflusst Juweliere und Konsumenten im gesamten Kanton Bern. Dieser Anstieg hat zu höheren Kosten für Goldschmuck geführt, was zu Veränderungen im Kaufverhalten der Konsumenten und Herausforderungen für lokale Unternehmen führt.
Wichtigste Erkenntnisse
- Die Goldpreise sind im letzten Jahr um rund 37% gestiegen und haben über 105'000 Franken pro Kilogramm erreicht.
- Konsumenten wenden sich von Massivgold ab und entscheiden sich für Silber, Platin oder einfachere Designs.
- Die Kosten für grosse Diamanten sind gesunken, was eine Alternative für Luxuskäufer bietet.
- Lokale Schweizer Handwerkskunst bleibt trotz steigender Materialkosten ein starkes Verkaufsargument für Juweliere.
- Banken in Bern beobachten eine erhöhte Goldhandelsaktivität, wobei einige Kunden verkaufen und andere zu Investitionszwecken kaufen.
Goldpreisanstieg verändert Konsumentenentscheidungen
Der Wert des Edelmetalls hat einen beispiellosen Anstieg erlebt. In den letzten zwölf Monaten ist Gold deutlich teurer geworden, ein Kilo kostet nun mehr als 105'000 Franken. Dies entspricht einem erheblichen Anstieg von rund 37 Prozent.
Dieser starke Aufwärtstrend wirkt sich direkt auf den Preis von Goldschmuck aus, einschliesslich Ringen, Ohrringen und Halsketten. Juweliere in der Region Bern spüren die unmittelbaren Auswirkungen dieser Marktverschiebung.
«Der hohe Goldpreis ist eine grosse Herausforderung für uns», sagt Nicole Stadelmann, die die Bijouterie Stadelmann 72 in der Berner Marktgasse führt. «Der Goldpreis war schon immer volatil, aber er ist noch nie so stark gestiegen wie in den letzten Monaten.»
Fakt zum Goldpreis
Zwei massive Gold-Eheringe, die vor einem Jahr etwa 3'500 Franken kosteten, könnten jetzt 1'000 Franken teurer sein, was die direkten Auswirkungen auf die Konsumenten verdeutlicht.
Eheringe erleben deutliche Preiserhöhungen
Paare, die Hochzeiten planen, gehören zu den am stärksten Betroffenen. Die gestiegenen Goldkosten bedeuten, dass Eheringe jetzt erheblich teurer sind. Dies bringt Käufer oft an ihre finanziellen Grenzen.
Viele Kunden wählen jetzt einfachere Ehering-Designs oder suchen nach Alternativen zu Massivgold. Diese Verschiebung spiegelt eine breitere Konsumentenreaktion auf die aktuellen Marktbedingungen wider.
Alternativen entstehen, während Goldpreise steigen
Da Gold für den täglichen Gebrauch weniger erschwinglich wird, wenden sich Kunden zunehmend anderen Edelmetallen zu. Silber und Platin gewinnen als attraktive Alternativen an Beliebtheit.
Nicole Stadelmann bemerkt, dass diese Metalle eine praktikable Option für Alltagsschmuck bieten. Sie bieten eine ähnliche Ästhetik ohne den hohen Preis, der mit Massivgold verbunden ist.
Marktdynamik
Der globale Markt spielt eine wichtige Rolle bei diesen Preisschwankungen. Faktoren wie die Abwertung des US-Dollars tragen zu den sich ändernden Kosten von Edelsteinen wie Diamanten bei.
Diamanten werden zugänglicher
Interessanterweise haben sich die Kosten für grössere, hochwertige Diamanten, während die Goldpreise steigen, in die entgegengesetzte Richtung entwickelt. Patrick Aeschbacher, Inhaber der Bijouterie Bläuer in Thun, bestätigt, dass schöne, grössere Brillanten derzeit erschwinglicher sind.
Dieser Preisrückgang für Diamanten begann vor etwa drei Jahren. Juweliere passen ihre Preise an diese laufenden Marktentwicklungen an.
- Synthetische Diamanten: Die verbesserte Qualität und die geringeren Kosten von synthetischen Diamanten, die besonders auf dem US-Markt beliebt sind, haben ebenfalls zum Preisrückgang von natürlichen Diamanten beigetragen.
- Haltung der Juweliere: Viele Berner Juweliere, darunter Nicole Stadelmann und Patrick Aeschbacher, bevorzugen es, echte Steine anzubieten und arbeiten nicht mit synthetischen Alternativen.
Veränderte Trends beim Schmuckkauf
Die hohen Goldkosten beeinflussen auch die Art des Schmucks, den Menschen kaufen. Schwere Goldketten, einst beliebt, sind aufgrund ihres gestiegenen Preises weniger gefragt.
Rony Sonderegger, Inhaber eines Schmuckgeschäfts in Bern, erklärt, dass Kunden es schwierig finden zu akzeptieren, dass eine einfache Kette mit einem Kreuzanhänger jetzt doppelt so viel kosten könnte wie vor zwei Jahren, nämlich rund 1'400 Franken.
Patrick Aeschbacher in Thun sieht jedoch einen leicht anderen Trend. Er berichtet, dass Kunden immer noch eine ähnliche Anzahl von Ketten kaufen, angetrieben von der anhaltenden Beliebtheit von Goldschmuck. Er bietet auch bestehende Lagerbestände zu älteren, niedrigeren Goldpreisen an, was ein potenzielles Schnäppchen für Käufer darstellt.
Secondhand und Upcycling gewinnen an Bedeutung
Viele Kunden erkunden auch Secondhand-Schmuck. Die Bijouterie Stadelmann 72 hat eine eigene Abteilung für gebrauchte Stücke, bekannt als 'Trouvaille'. Auch das Geschäft von Rony Sonderegger verfügt über einen Bereich für Secondhand-Schmuck.
Ein weiterer wachsender Trend besteht darin, dass Kunden alten Goldschmuck mitbringen, um ihn zu neuen Stücken umarbeiten zu lassen. Ronald Sonderegger bemerkt, dass dies den Kunden ermöglicht, die hohen aktuellen Goldpreise zu umgehen und dennoch individuelle Goldartikel zu geniessen.
Schweizer Handwerkskunst bleibt ein starkes Gut
Trotz der Herausforderungen durch schwankende Goldpreise bleibt der Wert der lokalen Schweizer Handwerkskunst hoch. Stadelmann beschäftigt fünf Goldschmiede und ist damit einer der grösseren Goldverarbeiter in Bern. Auch das Geschäft von Rony Sonderegger beschäftigt vier Goldschmiede.
Beide Juweliere betonen die starke Nachfrage nach Schweizer Produkten. «Schweizer Handwerkskunst ist sehr gefragt und beliebt», sagt Sonderegger. Im Atelier von Stadelmann werden etwa 70 Prozent des Schmucks im eigenen Haus hergestellt.
«Die Arbeit unserer Goldschmiede ist gefragt», erklärt Nicole Stadelmann. «Das ermöglicht es, dieses Handwerk in der Schweiz zu erhalten, auch wenn die Herstellung im Ausland günstiger ist.»
Diese lokale Verbindung dient als Alleinstellungsmerkmal für Berner Schmuckgeschäfte. Kunden mit einem bestimmten Budget suchen oft individuell gefertigte Stücke, ein Trend, der über Generationen hinweg, einschliesslich jüngerer Käufer, beliebt ist.
Gold als Investition: Banken melden erhöhte Aktivität
Der Anstieg der Goldpreise betrifft nicht nur den Schmucksektor, sondern auch die Berner Banken. Daniel Pfanner, Leiter der Bank EEK, bestätigt einen Anstieg sowohl beim Kauf als auch beim Verkauf von Gold. Die Bank sieht ein Gleichgewicht zwischen Kunden, die ihre Ein-Kilogramm-Goldbarren verkaufen, um von den hohen Preisen zu profitieren, und neuen Investoren, die Barren, Vreneli-Münzen und Ein-Unzen-Münzen kaufen.
Die Valiant Bank berichtet, dass ihre Kunden hauptsächlich Gold verkaufen und nicht kaufen wollen. Die Berner Kantonalbank stellt derweil eine Präferenz für Goldbarren von 50 bis 1'000 Gramm fest, mit geringerer Nachfrage nach Goldvreneli-Münzen.
Ausblick: Jenseits der Preisspekulation
Während die Rolle von Gold als Anlagegut klar ist, ermutigen Juweliere Kunden, sich auf den intrinsischen Wert von Schmuck zu konzentrieren. Patrick Aeschbacher betont, dass diejenigen, die Gold vor sieben Jahren gekauft haben, als die Preise ebenfalls als hoch galten, ihren Kauf jetzt als Schnäppchen betrachten.
Aeschbacher ist der Meinung, dass die Hauptmotivation für Kunden die Freude am Besitz eines zeitlosen, einzigartigen Schmuckstücks sein sollte. Den potenziellen «Altgoldwert» betrachtet er als angenehmen Bonus, nicht als Hauptgrund für den Kauf. Rony Sonderegger fügt hinzu, dass der gestiegene Goldpreis die Kunden dazu gebracht hat, den inneren Wert ihres Goldschmucks noch mehr zu schätzen als zuvor.




