Berns anonyme Meldestelle für Sexismus, Queerfeindlichkeit und Belästigung hat in zweieinhalb Jahren fast 1.100 Meldungen erhalten. Die Daten zeigen, dass verbale Belästigung und unerwünschter Körperkontakt die häufigsten Vorfälle sind, die oft im öffentlichen Raum geschehen.
Wichtige Erkenntnisse
- Berns Meldestelle hat seit ihrer Einführung fast 1.100 Meldungen gesammelt.
- Verbale Belästigung, einschliesslich Catcalling, ist das am häufigsten gemeldete Problem.
- Vorfälle ereignen sich oft auf öffentlichen Strassen und in öffentlichen Verkehrsmitteln.
- Die Anzahl der Meldungen hat im Laufe der Zeit abgenommen, die Vorfälle wahrscheinlich nicht.
- Das Tool zielt darauf ab, die hohe Zahl der nicht gemeldeten Fälle zu reduzieren.
Die Auswirkungen des Meldestellen-Tools verstehen
Die Stadt Bern hat vor zweieinhalb Jahren ein anonymes Online-Meldestellen-Tool eingeführt. Diese Plattform ermöglicht es Einzelpersonen, Erfahrungen oder Beobachtungen von Sexismus, Queerfeindlichkeit oder Belästigung zu melden. Sie dient als wichtige Ressource für diejenigen, die sonst schweigen würden.
Die Website bietet auch wichtige Informationen. Wenn ein gemeldeter Vorfall eine Straftat sein könnte, weist das Tool darauf hin. Es leitet Einzelpersonen dann an relevante Unterstützungsdienste wie die Polizei oder Beratungsstellen weiter. Diese Doppelfunktion zielt darauf ab, Betroffene zu stärken und das Problem der untererfassten Vorfälle anzugehen.
Kurzfakten
- Startdatum: Vor etwa zweieinhalb Jahren
- Gesamtzahl der Meldungen: Fast 1.100 Vorfälle
- Meldungen im ersten Jahr: Rund 750 Vorfälle
- Häufigste Vorfälle: Verbale Belästigung, unerwünschte Berührungen, Anstarren
- Hauptorte: Öffentliche Strassen, öffentliche Verkehrsmittel
Anfängliches Engagement und nachfolgende Trends
Christoph Gostelli vom Projekt „Bern schaut hin“ stellte unmittelbar nach dem Start des Tools eine hohe Anzahl von Meldungen fest. Im ersten Jahr erhielt die Plattform rund 750 Anfragen. Diese anfängliche Resonanz unterstrich einen klaren Bedarf in der Gemeinschaft an einer solchen Ressource.
Über den gesamten Zeitraum von zweieinhalb Jahren hat die Gesamtzahl der Anfragen fast 1.100 erreicht. Obwohl diese kumulative Zahl signifikant ist, gab es im Laufe der Zeit einen spürbaren Rückgang der Rate neuer Meldungen. Dieser Trend bedeutet nicht unbedingt, dass weniger Vorfälle auftreten.
„Die Vorfälle haben leider nicht abgenommen, nur die Meldungen. Das bedeutet für uns, dass wir weiter daran arbeiten müssen, dass die Leute von unserem Meldestellen-Tool wissen“, so Christoph Gostelli.
Dies deutet darauf hin, dass fortlaufende Anstrengungen erforderlich sind, um das öffentliche Bewusstsein aufrechtzuerhalten und die fortgesetzte Nutzung der Plattform zu fördern. Ziel ist es, sicherzustellen, dass das Tool eine sichtbare und zugängliche Option für diejenigen bleibt, die Belästigung erleben oder Zeuge davon werden.
Art der gemeldeten Vorfälle
Der neueste Evaluationsbericht der Stadt Bern gibt Einblicke in die Art der gemeldeten Vorfälle. Die Mehrheit der Einreichungen betrifft verbale Belästigung. Diese Kategorie umfasst Verhaltensweisen wie Catcalling, bei dem jemand in der Öffentlichkeit angepfiffen oder angeschrien wird.
Viele Personen berichteten auch von unerwünschtem Körperkontakt oder davon, angestarrt zu werden. Diese Vorfälle tragen für viele Bewohner zu einem Umfeld des Unbehagens und der Angst bei. Die detaillierte Aufschlüsselung hilft den Behörden, die spezifischen Herausforderungen der Gemeinschaft zu verstehen.
Warum anonyme Meldungen wichtig sind
Anonyme Meldestellen spielen eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung sensibler Themen wie Belästigung. Sie bieten einen sicheren Raum für Einzelpersonen, ihre Erfahrungen ohne Angst vor Repressalien oder Verurteilung zu teilen. Dies hilft, die „Dunkelziffer“ der Kriminalität, die sich auf nicht gemeldete Vorfälle bezieht, zu überwinden. Durch das Sammeln von Daten können Städte das Ausmass des Problems besser verstehen und gezielte Präventionsstrategien entwickeln.
Orte der Besorgnis
Der Evaluationsbericht hebt auch hervor, wo diese Vorfälle am häufigsten auftreten. Die häufigsten Orte für gemeldete Belästigungen sind öffentliche Strassen und öffentliche Verkehrsmittel. Dieser Befund zeigt, dass alltägliche öffentliche Räume, die sich sicher anfühlen sollten, oft Orte sind, an denen Menschen solche Verhaltensweisen begegnen.
Das Verständnis dieser Orte ist entscheidend für die Entwicklung wirksamer Interventions- und Präventionsstrategien. Es ermöglicht Stadtplanern, Strafverfolgungsbehörden und Betreibern öffentlicher Verkehrsmittel, ihre Anstrengungen auf bestimmte Bereiche zu konzentrieren, um die Sicherheit für alle Bewohner zu verbessern. Eine erhöhte Präsenz oder verbesserte Überwachung könnte in diesen Hotspots in Betracht gezogen werden.
Anhaltende Herausforderungen und zukünftige Schritte
Trotz des Erfolgs des Tools bei der Datenerfassung stellt der Rückgang neuer Meldungen eine Herausforderung dar. Er unterstreicht die Notwendigkeit kontinuierlicher Kampagnen, um das Bewusstsein für die Plattform und ihren Zweck zu fördern. Sicherzustellen, dass die Öffentlichkeit über das Tool Bescheid weiss, ist der Schlüssel, um es zu einer effektiven langfristigen Lösung zu machen.
Die Stadt Bern engagiert sich weiterhin für die Bekämpfung von Sexismus, Queerfeindlichkeit und Belästigung. Die über das Meldestellen-Tool gesammelten Daten sind unerlässlich für die Gestaltung zukünftiger Richtlinien und Initiativen, die darauf abzielen, eine sicherere, inklusivere Stadt für alle zu schaffen. Kontinuierliche Wachsamkeit und bürgerschaftliches Engagement werden bei diesen fortlaufenden Bemühungen von entscheidender Bedeutung sein.




