Die Stadtverwaltung Bern bindet ihre Bewohner, einschliesslich Kinder, aktiv in die Gestaltung der Zukunft der wichtigen Allmend-Gebiete der Stadt ein. Diese grossen, offenen Flächen, die historisch für die gemeinschaftliche Weidewirtschaft genutzt wurden, stehen heute unter zunehmendem Druck durch vielfältige Interessen und Entwicklungsvorschläge. Die Stadt will diese konkurrierenden Anforderungen durch einen umfassenden Prozess der öffentlichen Beteiligung ausgleichen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Bern sucht breite öffentliche Beteiligung, auch von Kindern, zur zukünftigen Gestaltung der Allmend-Gebiete.
- Die Allmenden, einst Gemeinschaftsweiden, sind heute entscheidende städtische Erholungs- und Grünflächen.
- Verschiedene Interessengruppen, darunter Sportvereine und Entwickler, schlagen neue Nutzungen für diese Gebiete vor.
- Ziel der Stadt ist es, einen Kompromiss zu finden, der vielfältige Bedürfnisse berücksichtigt und gleichzeitig den öffentlichen Charakter der Allmenden bewahrt.
- Erste Diskussionen deuten darauf hin, dass einige Interessen, wie professionelle Sporttrainingsplätze, mit Amateurvereinen geteilt werden könnten.
Kinder teilen Visionen für Berns Grünflächen
Kinder in Bern beteiligen sich aktiv an der Planung der Allmend-Gebiete der Stadt. Ein kürzlich durchgeführter Workshop lud Kinder im Alter von sechs bis dreizehn Jahren ein, ihre Ideen für diese wichtigen städtischen Grünflächen zu teilen. Ihre fantasievollen Vorschläge unterstreichen den Wunsch nach spielerischen und ansprechenden Umgebungen.
Amelia, acht Jahre alt, baute ein farbenfrohes Haus aus Lego. «Das ist mein Wunsch für die Berner Allmenden: ein Kletterhaus mit Rutschbahn», erklärte sie. Neben ihr zeichnete der neunjährige Santiago Sportplätze. «Das sind Baseball- und Fussballfelder, die es bereits gibt. Aber ein Schwimmbad wäre auch toll», sagte er mit einem Lächeln.
Wussten Sie schon?
Historisch gesehen waren 'Allmenden' in der Schweiz Gemeinland, oft Weiden oder Wälder, die kollektiv für den Lebensunterhalt der Gemeinschaft bewirtschaftet wurden. Heute stellen sie wichtige unbebaute oder teilweise bebaute Gebiete in Stadtnähe dar, wobei sich ihr Zweck von der Nahrungsmittelproduktion zu Erholung und Freizeit verschoben hat.
Die Allmend: Ein Zentrum für vielfältige Aktivitäten
Die Berner Allmenden, insbesondere die Grosse und Kleine Allmend im Nordosten der Stadt, sind beliebte Erholungsgebiete. Sie dienen als Treffpunkt für verschiedene Aktivitäten und Gruppen. Fussballvereine trainieren neben Rugbyteams, Hundespaziergänger kreuzen die Wege von Gleitschirmfliegern, und Kinder geniessen Pumptracks, während traditionelle Hornussen-Vereine ihren Sport ausüben.
Die Gebiete wurden während des Autobahnbaus in den 1970er Jahren geteilt. Aktuelle Pläne im Zusammenhang mit dem Ausbau der Wankdorf-Autobahn zielen darauf ab, diese beiden Allmend-Abschnitte wieder zu verbinden, was die Zugänglichkeit und Nutzbarkeit für die Bewohner verbessern könnte.
«Heute geht es nicht mehr um die Bereitstellung von Nahrung, sondern um Freizeit und Erholung», sagt Daniel Baur, Dozent für Landschaftsarchitektur an der Berner Fachhochschule.
Langjährige Gemeinschaftsnutzung
Die Allmenden haben eine lange Geschichte der öffentlichen Nutzung, die über die tägliche Erholung hinausgeht. Im 20. Jahrhundert wurden sie zu einem beliebten Ausstellungsort. Veranstaltungen wie die HYSPA-Ausstellung 1961 umfassten sogar eine Gondelbahn über die Allmend. Der Circus Knie schlägt dort regelmässig seine Zelte auf, und im Juni 2004 versammelten sich etwa 70.000 Menschen, um Papst Johannes Paul II. zu sehen.
Städtischer Druck auf Grünflächen
Die Berner Allmenden stehen unter zunehmendem Druck durch verschiedene Entwicklungsvorschläge. Der Fussballclub Young Boys sucht zusätzliche Trainingsplätze auf der Grossen Allmend. Pläne für den Autobahnanschluss Wankdorf sehen die Rodung eines Teils des kleinen Waldes am Allmendhügel vor. Zusätzlich schlägt die UBS, ein Investor im Wankdorf Center, eine Tiefgarage unter der Grossen Allmend vor.
Umgang mit konkurrierenden Interessen
Die Berner Stadtregierung unternimmt einen strukturierten Prozess, um diesen konkurrierenden Anforderungen gerecht zu werden. Sie sammelt Beiträge von Sportvereinen, Quartierorganisationen und der breiten Öffentlichkeit, um eine Zukunftsvision für diese ausgedehnten Freiflächen zu entwickeln. Ziel ist es, einen Plan zu erstellen, der vielfältige Bedürfnisse ausgleicht.
Noémie Augustin, Projektleiterin für Allmend-Neuordnung bei Stadtgrün Bern, räumt die Herausforderungen ein. «Wir haben die Chance, die verschiedenen Bedürfnisse anzuschauen und einen Kompromiss auszuhandeln», erklärte sie. Sie betonte, dass nicht alle Interessen vollständig befriedigt werden können, aber viele besser miteinander vereinbar sind, als ursprünglich angenommen.
Neudenken der exklusiven Nutzung
Ein Beispiel für diese Versöhnung ist der Wunsch des Fussballclubs Young Boys nach zusätzlichen Kunstrasenplätzen. Ursprünglich wurde angenommen, dass diese Plätze ausschliesslich für den Club genutzt würden. Diskussionen mit dem Club und den Anwohnern zeigten jedoch, dass diese Trainingsplätze auch Amateurvereinen zugänglich gemacht werden könnten, was ihren Nutzen für die Gemeinschaft erweitert.
Allmend in der ganzen Schweiz
Der Druck auf die Allmenden ist nicht nur in Bern einzigartig; es ist eine schweizweite Herausforderung. Diese Freiflächen gelten als unschätzbar wertvoll. Sie ermöglichen eine städtische Verdichtung und bieten gleichzeitig wesentliche Bereiche für öffentliche Begegnungen und Erholung.
Der Wert öffentlicher Räume
Daniel Baur von der Berner Fachhochschule betont die Bedeutung der Allmenden als Gemeinschaftsräume. «Allmenden gehören allen. Das bedeutet auch, dass ihre Nutzung ausgehandelt werden muss», erklärte er. Er plädiert dafür, allen Interessen gleiches Gewicht zu verleihen und sicherzustellen, dass die Bedürfnisse eines professionellen Fussballclubs nicht die eines Hundespaziergängers überwiegen.
Bezüglich Santiagos Wunsch nach einem Schwimmbad erklärte Noémie Augustin den Ansatz der Stadt. «Unsere Aufgabe ist es, den Kern dieser Wünsche zu abstrahieren. In diesem Fall ist es wahrscheinlich der Wunsch nach Abkühlung auf der Allmend.» Dies deutet darauf hin, dass die Stadt nach Lösungen suchen wird, die die zugrunde liegenden Bedürfnisse ansprechen, anstatt einfach jeden spezifischen Wunsch zu erfüllen.
- Der öffentliche Beteiligungsprozess ist entscheidend für eine demokratische Stadtplanung.
- Das Abwägen der Bedürfnisse des Profisports mit dem allgemeinen öffentlichen Zugang ist eine zentrale Herausforderung.
- Die Stadt priorisiert die Suche nach Gemeinsamkeiten zwischen verschiedenen Nutzergruppen.
Die Zukunft der Berner Allmenden wird aus diesen Verhandlungen hervorgehen, mit dem Ziel, ihren Wert als offene, zugängliche Räume für alle Bewohner zu erhalten.




