Erstmals sind finanzielle Details von Wahlkampagnen im Kanton Bern öffentlich geworden. Parteien und Kandidierende geben über 3,5 Millionen Schweizer Franken für die aktuellen Kampagnen für die Kantonsregierung und das Parlament aus. Diese neue Transparenzregel offenbart bedeutende Beiträge von Verbänden an konservative Parteien, neben einer gut finanzierten Sozialistischen Partei.
Wichtigste Erkenntnisse
- Der Kanton Bern führt neue Transparenzregeln für die Wahlkampffinanzierung ein.
- Die gesamten Wahlkampfausgaben für Regierungs- und Parlamentswahlen übersteigen 3,5 Millionen Schweizer Franken.
- Konservative Parteien erhalten erhebliche Spenden von Wirtschaftsverbänden.
- Die Sozialistische Partei (SP) weist das grösste Gesamtbudget für die Parlamentswahlen auf, hauptsächlich finanziert durch Mitglieder.
- Einzelne Kandidierende für den Grossen Rat können bis zu 45'000 Schweizer Franken ausgeben.
Neue Transparenzregeln beleuchten Wahlkampffinanzen
Der Kanton Bern hat sich anderen Schweizer Entitäten, darunter der Bund, die Stadt Bern und die Gemeinde Köniz, angeschlossen und neue Regeln zur Offenlegung der Wahlkampffinanzierung eingeführt. Diese Vorschriften verlangen von Parteien, Verbänden und Einzelpersonen, Wahlkampfbudgets über 30'000 Schweizer Franken zu melden.
Zusätzlich müssen Spenden über 9'000 Schweizer Franken deklariert werden, wobei die Details der Spender öffentlich gemacht werden. Die kantonale Staatskanzlei veröffentlichte diese Finanzberichte für die Regierungs- und Grossratswahlen am Freitag. Dies stellt eine bedeutende Veränderung dar und bietet der Öffentlichkeit einen beispiellosen Einblick in die Finanzierung kantonaler Wahlkampagnen.
Fakt: Offenlegungsschwellen
- Wahlkampfbudgets über 30'000 Schweizer Franken müssen gemeldet werden.
- Einzelspenden über 9'000 Schweizer Franken müssen deklariert werden.
Finanzierung des Regierungsratsrennens
Das Rennen um den Regierungsrat des Kantons Bern wird von zwei Hauptblöcken geprägt: den konservativen Parteien und dem rot-grünen Bündnis. Beide haben Komitees zur Verwaltung ihrer Kampagnen gebildet.
Wahlkampf des konservativen Blocks
Das konservative Bündnis, bestehend aus SVP, FDP und der Mitte-Partei, hat ein Gesamtbudget von 416'000 Schweizer Franken für seine Kampagne bereitgestellt. Jede teilnehmende Partei steuert 25'000 Schweizer Franken pro Kandidat bei. Die SVP, mit drei Kandidaten, trägt 75'000 Schweizer Franken bei, während FDP und die Mitte-Partei jeweils 25'000 Schweizer Franken beisteuern.
Grosse finanzielle Unterstützung für den konservativen Block kommt von verschiedenen Verbänden. Die grössten Beitragszahler, die jeweils 50'000 Schweizer Franken zur Verfügung stellen, sind der bernische Kantonal-Gewerbeverband, der Berner KMU-Verband und der kantonale Hauseigentümerverband.
„Die Transparenzregeln ermöglichen es uns zu sehen, wie breit die Unterstützung für unsere Kandidaten ist, sowohl von Parteien als auch von wichtigen Wirtschaftsverbänden“, erklärte ein Vertreter des konservativen Wahlkampfkomitees.
Ansatz des rot-grünen Bündnisses
Die rot-grüne Regierungskampagne verfügt über ein Budget von 271'000 Schweizer Franken. Die kantonale Sozialistische Partei (SP) steuert 165'000 Schweizer Franken für ihre drei Kandidaten bei. Die Grünen fügen 55'000 Schweizer Franken für ihren einzigen Kandidaten hinzu.
Der verbleibende Teil ihres Budgets besteht aus kleineren, nicht deklarierten Einzelbeiträgen, die jeweils unter der Offenlegungsschwelle von 9'000 Schweizer Franken liegen. Der grünliberale Kandidat Tobias Vögeli operiert mit einem Budget von 55'000 Schweizer Franken für seine Kampagne, das grösstenteils von seiner Partei finanziert wird. SVP-Kandidat Raphael Lanz, Teil des konservativen Tickets, führt ebenfalls eine persönliche Kampagne mit einem Budget von 30'000 Schweizer Franken.
Das System verstehen
Der Berner Regierungsrat besteht aus sieben Mitgliedern. Der Grosse Rat ist das kantonale Parlament mit 160 Mitgliedern. Die Wahlen für beide Gremien finden gleichzeitig statt und sind ein bedeutendes politisches Ereignis im Kanton.
Grossratswahlen: Parteiausgaben
Für die Wahl der 160 Mitglieder des Grossen Rates investieren die Parteien deutlich mehr als für die Regierungswahlen. Die aggregierten Daten zeichnen ein klares Bild der finanziellen Stärke der Parteien.
SP führt bei den Ausgaben
Die Sozialistische Partei, einschliesslich ihres Jugendflügels Juso, verfügt über das grösste Gesamtbudget für die Grossratswahlen, insgesamt 680'000 Schweizer Franken. Der Grossteil dieser Finanzierung stammt aus den Kassen der Hauptpartei. Die SP meldet keine grossen Einzelspenden über 9'000 Schweizer Franken. Ihre Kampagne stützt sich auf Mitgliederbeiträge, kleinere Spenden und Beiträge von Amtsträgern.
SP-Finanzierungsmodell
- 680'000 Schweizer Franken: Gesamtbudget der SP für den Grossen Rat.
- Finanziert durch: Mitgliederbeiträge, kleine Spenden, Beiträge von Amtsträgern.
- Keine deklarierten grossen Einzelspenden.
Dezentrale Strategie der SVP
Im Gegensatz dazu hat die SVP, bekannt für ihre starke nationale Finanzkraft, nur 182'000 Schweizer Franken für die Grossratswahlen deklariert. Die kantonale Partei selbst reichte kein Budget ein. Die Geschäftsführerin der Partei, Aliki Panayides, erklärte, dass die SVP „sehr dezentral organisiert“ sei. Viele Wahlkampfausgaben werden von lokalen Parteisektionen und einzelnen Kandidaten getragen, wobei keines dieser Einzelbudgets die Offenlegungsgrenze von 30'000 Schweizer Franken überschreitet.
Die Budgets anderer Parteien für den Grossen Rat spiegeln im Allgemeinen ihre Wählerstärke wider. Neben den politischen Parteien führt auch der kantonale Gewerkschaftsbund eine bedeutende Kampagne durch, die sich für Gewerkschaftsmitglieder einsetzt, die auf SP- und Grünen-Listen kandidieren.
Einzelne Kandidaten und ihre Budgets
Von 2'261 Kandidaten für den Grossen Rat haben nur drei Personen Wahlkampfbudgets von über 30'000 Schweizer Franken deklariert. Dies sind der amtierende FDP-Grossrat Christoph Zimmerli aus der Stadt Bern sowie die neuen Kandidaten Andreas Schlecht (SVP) und Ramon Kaltenrieder (FDP).
Top-Ausgeber für den Grossen Rat
- Andreas Schlecht (SVP): Der Immobilienmakler aus Mühleberg, Schlecht, hat mit 45'000 Schweizer Franken das grösste Einzelbudget. Er gab an, dass seine Finanzierung aus vielen kleinen Spenden, Parteibeiträgen und Verbänden stammt, wobei ein Teil selbstfinanziert ist. Schlecht erklärte sein hohes Budget mit seinem grossen Wahlkreis Mittelland-Nord, der weit verstreute Gemeinden umfasst. Er plant eine umfassende Kampagne mit Flyern, kleinen Schokoladen, Plakaten, Anzeigen, Direktwerbung sowie Online-/Social-Media-Präsenz.
- Christoph Zimmerli (FDP): Der amtierende FDP-Grossrat verfügt über ein Wahlkampfbudget von 42'000 Schweizer Franken. Er betonte seine Verantwortung als Amtsinhaber gegenüber seiner Partei. Die Hälfte von Zimmerlis Kampagne wird vom regionalen Arbeitgeberverband finanziert, dessen Präsident er ist. Die andere Hälfte stammt aus kleineren Spenden von Bekannten und eigenen Mitteln.
- Ramon Kaltenrieder (FDP): Dieser Treuhänder aus Kirchlindach erhielt eine Spende von 10'000 Schweizer Franken von der Privatbank Bordier & Cie. Kaltenrieder bemerkte, dass die Berner Filiale der Bank Teil seines Geschäftsnetzwerks ist.
Grösste Spender und Gesamtausgaben
Im gesamten Berner Wahlkampf wurden nur siebzehn Einzelspenden über 9'000 Schweizer Franken deklariert. Dies setzt voraus, dass alle Kandidaten die neuen Offenlegungspflichten eingehalten haben. Im Gegensatz zu anderen Ländern, in denen illegale Wahlkampffinanzierung zu rechtlichen Schritten führen kann, gibt es im Kanton Bern derzeit keine Strafen für die Nichteinhaltung.
Alle grossen Spenden gingen an konservative Parteien. Neben den bekannten politischen Verbänden ist auch die Privatbank Bordier & Cie aus Genf als Spender aufgeführt. Die deklarierten Gesamtausgaben für die Berner Grossrats- und Regierungswahlen belaufen sich auf etwas über 3,4 Millionen Schweizer Franken. Einschliesslich der Ausgaben von Kandidaten und lokalen Parteien mit kleineren, nicht deklarierten Budgets dürften die gesamten Wahlkampfkosten zwischen 3,5 und 4 Millionen Schweizer Franken liegen.




