Italien hat klare Bedingungen für die Rückkehr seines Botschafters nach Bern nach dem tragischen Brand in Crans-Montana festgelegt. Rom beharrt auf der Bildung eines gemeinsamen Ermittlungsteams mit der Schweiz, um die Verantwortung für den Vorfall zu klären, der 40 Menschenleben forderte.
Die diplomatische Kluft entstand, nachdem der Betreiber der Bar Le Constellation, Jacques Moretti, aus der Untersuchungshaft im Wallis entlassen wurde. Diese Entscheidung veranlasste Italien, seinen Botschafter Gian Lorenzo Cornado abzuberufen, ein Schritt, der erhebliche Unzufriedenheit signalisiert.
Wichtige Erkenntnisse
- Italien fordert eine gemeinsame schweizerisch-italienische Untersuchung des Brandes in Crans-Montana.
- Botschafter Gian Lorenzo Cornado wurde nach der Freilassung eines Barbetreibers abberufen.
- Der Silvesterbrand in Crans-Montana forderte 40 Todesopfer.
- Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni traf sich mit dem abberufenen Botschafter.
- Rechtsexperten heben bestehende internationale Kooperationsabkommen hervor.
Diplomatischer Stillstand wegen Untersuchungsforderungen
Die italienische Premierministerin Giorgia Meloni traf sich am Montag mit Botschafter Gian Lorenzo Cornado im Palazzo Chigi. Das Treffen bekräftigte Italiens Haltung, die sofortige und gemeinsame Anstrengungen zur Untersuchung der Tragödie von Crans-Montana fordert.
Laut der italienischen Nachrichtenagentur Ansa strebt Italien eine nahtlose Zusammenarbeit zwischen schweizerischen und italienischen Justizbehörden an. Ziel ist es, unverzüglich ein gemeinsames Ermittlungsteam einzurichten. Dieses Team würde sich auf die Klärung der Verantwortlichkeiten rund um den Brand vom 1. Januar 2026 konzentrieren.
Der Brand in der Bar Le Constellation in Crans-Montana forderte 40 Menschenleben, darunter mehrere italienische Staatsbürger. Diese hohe Todeszahl hat Italiens Forderung nach einer gründlichen und gemeinsamen Untersuchung verstärkt.
Tragödie auf einen Blick
- Datum des Vorfalls: 1. Januar 2026
- Ort: Bar Le Constellation, Crans-Montana, Wallis
- Todesopfer: 40 Personen, darunter italienische Staatsbürger
- Schlüsselfigur: Jacques Moretti, Barbetreiber, aus der Haft entlassen
Rechtliche Perspektiven zur internationalen Zusammenarbeit
Die Anfrage der italienischen Regierung hat die Aufmerksamkeit auf die bestehenden rechtlichen Rahmenbedingungen für die internationale justizielle Zusammenarbeit gelenkt. Rosa Maria Cappa, eine ehemalige Bundesanwältin in der Schweiz von 2003 bis 2015, gab Einblicke in diese Mechanismen.
Cappa hob ein spezifisches italienisch-schweizerisches Abkommen hervor, das die Europäische Konvention über die Rechtshilfe in Strafsachen ergänzt. Dieses Abkommen gilt typischerweise für Ermittlungen, die grenzüberschreitende organisierte Kriminalität betreffen oder Fälle, in denen eine gemeinsame Ermittlungsgruppe einem konkreten Zweck dient.
„Das Kooperationsangebot bei den Ermittlungen, das Giorgia Meloni der Schweiz bezüglich der Tragödie von Crans-Montana unterbreitete, schien eher ein Ausdruck eines Vorwurfs der Inkompetenz als ein Wunsch nach Zusammenarbeit mit der Schweizer Justiz zu sein“, erklärte Cappa im Corriere del Ticino.
Sie betonte, dass die Situation anders sein könnte, wenn die Untersuchung in Crans-Montana aufgrund einer Organisationsstraftat eingeleitet worden wäre. Cappa merkte jedoch an, dass dies nicht die aktuelle rechtliche Klassifizierung des Falles sei.
Justizielle Unabhängigkeit und Staatsprinzipien
Sowohl die Schweiz als auch Italien sind Rechtsstaaten mit grundlegenden Prinzipien der Gewaltenteilung und der richterlichen Unabhängigkeit. Diese Prinzipien sind den Führungspersönlichkeiten beider Nationen wohlbekannt.
Rechtliche Rahmenbedingungen
Die internationale justizielle Zusammenarbeit zwischen der Schweiz und Italien wird geregelt durch:
- Die Europäische Konvention über die Rechtshilfe in Strafsachen.
- Ein spezifisches bilaterales italienisch-schweizerisches Abkommen, das die Europäische Konvention ergänzt.
Diese Abkommen erleichtern den Informationsaustausch und die Unterstützung bei strafrechtlichen Ermittlungen, insbesondere bei komplexen oder grenzüberschreitenden Fällen.
Cappa betonte, dass es keine signifikanten Unterschiede zwischen den beiden Rechtssystemen hinsichtlich der richterlichen Unabhängigkeit gibt. Dieser Punkt ist entscheidend, wenn Anfragen für gemeinsame Ermittlungsteams in Betracht gezogen werden.
Wege der Zusammenarbeit
Trotz der diplomatischen Spannungen bestehen etablierte Kanäle für die justizielle Zusammenarbeit. Cappa skizzierte zwei primäre Methoden, wie die Zusammenarbeit fortgesetzt werden könnte.
1. Internationale Rechtshilfe
Magistrate in Rom, die möglicherweise eine parallele Untersuchung in Italien eingeleitet haben, können formell um Unterstützung ersuchen. Dies beinhaltet die Einreichung eines Rechtshilfeersuchens an die Staatsanwaltschaft des Kantons Wallis. Solche Ersuchen zielen darauf ab, Informationen zu erhalten, Unterstützung zu leisten und andere Formen der Zusammenarbeit zu erleichtern.
2. Diplomatische Kanäle
Das Außenministerium kann seine diplomatischen Kanäle aktivieren. Es ist jedoch wichtig, die Grenzen dieses Weges zu verstehen. Der italienische Botschafter in der Schweiz kann nicht direkt mit den Justizbehörden in Kontakt treten.
Der Botschafter kann keine Informationen anfordern oder strafrechtliche Ermittlungen direkt mit der Staatsanwaltschaft besprechen. Diplomatische Intervention dient dazu, die Kommunikation auf einer höheren Ebene zu erleichtern, respektiert jedoch die richterliche Autonomie.
Laufende Untersuchung und Auswirkungen auf die Gemeinschaft
Der Brand in Crans-Montana war eine der schwersten Tragödien in der Schweiz in jüngster Zeit. Die Gemeinde kämpft immer noch mit den Nachwirkungen, und die Untersuchung deckt weiterhin Details auf.
Forensische Experten fanden Berichten zufolge 25 Partyfontänen in der Bar. Dieses Detail hat Fragen zu Sicherheitsprotokollen und potenziellen Faktoren aufgeworfen, die zur schnellen Ausbreitung des Feuers beigetragen haben könnten.
Lokale Behörden haben auf einer Pressekonferenz Kontrollmängel eingeräumt. Dieses Eingeständnis deutet auf die Notwendigkeit einer strengeren Aufsicht und Durchsetzung von Sicherheitsvorschriften hin.
Die Freilassung des Barbetreibers Jacques Moretti gegen Kaution löste eine sofortige öffentliche Debatte aus. Kritiker stellten die Entscheidung in Frage und hoben die Schwere des Vorfalls und die Anzahl der Todesopfer hervor.
Der Fokus bleibt auf einer umfassenden Untersuchung, um Gerechtigkeit für die Opfer und ihre Familien zu gewährleisten. Internationale Zusammenarbeit, obwohl sensibel, ist entscheidend, um die Umstände dieses verheerenden Ereignisses vollständig zu verstehen.




