Die Schweiz hat ihren diplomatischen Ansatz gegenüber dem Iran deutlich verschärft, einen entscheidenden Menschenrechtsdialog verschoben und die Sanktionen der Europäischen Union vollständig umgesetzt. Dieser Wandel markiert das Ende jahrelanger vorsichtiger Zusammenarbeit und signalisiert eine entschlossene Reaktion auf die Maßnahmen des Regimes gegen Demonstranten.
Wichtige Erkenntnisse
- Die Schweiz hat ihren Menschenrechtsdialog mit dem Iran auf Herbst 2026 verschoben.
- Bern hat im Dezember 2025 alle EU-Sanktionen gegen den Iran vollständig übernommen.
- Die Vermögenswerte der iranischen Revolutionsgarden in der Schweiz sind nun eingefroren.
- Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten signalisiert eine feste diplomatische Haltung.
Menschenrechtsdialog verschoben
Der jährliche Menschenrechtsdialog zwischen Schweizer Diplomaten und iranischen Vertretern, der normalerweise jedes Jahr stattfindet, wurde auf Eis gelegt. Das letzte Treffen fand im Februar 2025 in Teheran statt. Die nächste Runde, ursprünglich für diesen Zeitraum geplant, wird nun im Herbst 2026 erwartet.
Diese Verschiebung ist eine direkte Folge der anhaltenden Situation im Iran. Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten (EDA) bestätigte die Verzögerung. Obwohl diplomatisch formuliert, sendet diese Maßnahme eine klare Botschaft an Teheran bezüglich der Schweizer Bedenken hinsichtlich der Menschenrechte.
Wichtige Daten
- Februar 2025: Letzter Menschenrechtsdialog in Teheran.
- Dezember 2025: Die Schweiz hat die EU-Sanktionen gegen den Iran vollständig übernommen.
- Herbst 2026: Nächster Menschenrechtsdialog ist vorläufig geplant.
Ende der vorsichtigen Diplomatie
Viele Jahre lang behandelte die Schweiz den Iran in ihrer Außenpolitik als Sonderfall. Dies lag hauptsächlich an Berns Rolle als Schutzmacht, die die Interessen der USA in Teheran vertrat. Diese einzigartige Position führte oft dazu, dass die Schweiz die EU-Sanktionen gegen den Iran nur teilweise oder manchmal gar nicht übernahm.
Das Argument für diesen vorsichtigen Ansatz war, sensible Kommunikationskanäle nicht zu gefährden. Diese Phase der Nachsicht ist nun jedoch beendet. Die brutale Unterdrückung von Protesten und die eskalierenden Spannungen im gesamten Iran führten zu dieser Politikänderung.
„Sanktionen und gute Dienste schließen sich nicht gegenseitig aus“, erklärte ein EDA-Beamter und betonte, dass eine härtere Haltung das diplomatische Engagement nicht verhindert.
Vollständige Übernahme der EU-Sanktionen
Ein signifikanter Wendepunkt ereignete sich im Dezember 2025. Zu diesem Zeitpunkt überarbeitete der Bundesrat seine Iran-Verordnung vollständig. Im Gegensatz zu früheren Fällen übernahm die Schweiz alle EU-Maßnahmen gegen den Iran vollständig.
Dies bedeutet, dass das Land nun mit dem Sanktionsregime der Europäischen Union abgestimmt ist. Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) bestätigte diese Entwicklung. Dieser Schritt signalisiert eine koordinierte internationale Anstrengung, die iranische Regierung unter Druck zu setzen.
Die Rolle der Schweiz als Schutzmacht
Die Schweiz hat eine lange Geschichte als Schutzmacht, die die Interessen eines Staates in einem anderen vertritt, wenn die diplomatischen Beziehungen abgebrochen sind. Im Iran vertritt die Schweiz die Interessen der Vereinigten Staaten. Diese Rolle beinhaltet die Erleichterung der Kommunikation zwischen Washington und Teheran, auch in Zeiten hoher Spannungen oder Internetausfällen.
Revolutionsgarden sanktioniert
Die iranischen Revolutionsgarden (IRGC) sind in der Schweiz bereits sanktioniert, was der EU-Politik entspricht. Dies bedeutet, dass alle Vermögenswerte der IRGC in der Schweiz derzeit eingefroren sind. Darüber hinaus ist es verboten, den Revolutionsgarden Gelder oder wirtschaftliche Ressourcen zur Verfügung zu stellen.
Das Seco bestätigte die bestehenden Sanktionen. Weitere Maßnahmen könnten jedoch bevorstehen. Die Europäische Union erwägt einen zusätzlichen Schritt: die Einstufung der Revolutionsgarden als terroristische Organisation. Eine solche Einstufung hätte schwerwiegende strafrechtliche Konsequenzen.
Bern verfolgt diese Entwicklungen genau. Während der Bundesrat derzeit in der Pause ist, könnten die Diskussionen über eine Verschärfung der Maßnahmen gegen Teheran in seiner nächsten Sitzung wieder aufgenommen werden. Dies deutet auf ein Potenzial für noch strengere Sanktionen in naher Zukunft hin.
- Vermögenssperre: Alle IRGC-Vermögenswerte in der Schweiz sind eingefroren.
- Verbot: Die Bereitstellung von Geldern oder Ressourcen für die IRGC ist untersagt.
- Zukünftige Maßnahmen: Die EU erwägt die Einstufung der IRGC als terroristische Organisation.
Auswirkungen auf diplomatische Kanäle
Trotz der härteren Haltung behält die Schweiz ihre Rolle als Schutzmacht für die Vereinigten Staaten im Iran bei. Dies beinhaltet die Weiterleitung von Nachrichten zwischen Washington und Teheran. Das EDA stellte fest, dass diese Kommunikationen auch bei Problemen mit der Internetverbindung möglich bleiben.
Der neue Ansatz deutet darauf hin, dass die stille Diplomatie allein nicht mehr als wirksam angesehen wird. Der Wandel spiegelt einen breiteren Konsens innerhalb des EDA wider, dass eine festere Haltung notwendig ist. Dies wird als Analogie zu den Schutzmachtmandaten der Schweiz für Russland in Georgien und für Moskau in Tiflis gesehen, wo Sanktionen und diplomatische Dienste koexistieren.
Diese strategische Anpassung unterstreicht eine grundlegende Neubewertung des Schweizer Engagements mit dem Iran. Der Fokus hat sich auf eine entschiedenere Verteidigung der Menschenrechte und internationaler Normen verlagert.




