Eine 80-jährige Partnerschaft zwischen einer russisch-orthodoxen Gemeinde und einer evangelisch-lutherischen Kirche in der Berner Altstadt steht vor einer ungewissen Zukunft. Ein Rechtsstreit um die Nutzung einer gemeinsamen Krypta, bei dem Überfüllung und Brandschutzbedenken angeführt werden, wird am 10. März vor einem Zivilgericht verhandelt, nachdem mehrere Vermittlungsversuche gescheitert sind.
Wichtige Erkenntnisse
- Ein 80-jähriger Mietvertrag zwischen zwei Berner Kirchen läuft aus.
- Der Streit dreht sich um die Überfüllung der gemeinsamen Krypta, nicht um politische Ansichten.
- Brandschutzvorschriften begrenzen die Belegung auf 30-50 Personen.
- Drei von der Stadt Bern vermittelte Schlichtungsversuche scheiterten.
- Ein Zivilgericht in Bern wird am 10. März über den Ausgang entscheiden.
Langjährige Partnerschaft endet inmitten steigender Spannungen
Die 1816 gegründete russisch-orthodoxe Kirche in Bern ist eine der ältesten orthodoxen Gemeinden der Schweiz. Seit 1944 mietet sie Räumlichkeiten im Antonierhaus, genauer gesagt eine kleine Krypta im Untergeschoss der evangelisch-lutherischen Kirche. Fast acht Jahrzehnte lang koexistierten die beiden Gemeinden friedlich.
Ereignisse ab 2022 führten jedoch zu einer erheblichen Veränderung. Die lutherische Kirche kündigte den Mietvertrag vor drei Jahren. Die russisch-orthodoxe Gemeinde hat diese Entscheidung seither angefochten und argumentiert, die Kündigung sei rechtswidrig.
Fakt: Die russisch-orthodoxe Kirche in Bern ist eine der ältesten orthodoxen Gemeinden der Schweiz, gegründet 1816.
Überfüllung löst Streit aus, nicht Politik
Obwohl der Konflikt nach der Invasion der Ukraine im Jahr 2022 aufkam, deuten mit der Situation vertraute Quellen darauf hin, dass es sich bei der Meinungsverschiedenheit hauptsächlich um praktische Angelegenheiten und nicht um Politik handelt. Beide Kirchen haben aufgrund der laufenden Gerichtsverfahren eine direkte Stellungnahme abgelehnt.
Die russisch-orthodoxe Gemeinde in Bern hat seit 2022 einen erheblichen Anstieg der Besucherzahlen erlebt. Viele russisch-orthodoxe Frauen und Kinder aus der Ukraine, die vor dem Konflikt geflohen sind, haben sich der Gemeinde angeschlossen. Dieser Zustrom hat Berichten zufolge zu einer Überfüllung der Krypta geführt.
Priester Wladimir Swistun, ein Ukrainer, der die Berner Gemeinde betreut, betonte, dass Gebete für Patriarch Kirill I. ein fester Bestandteil der Liturgie seien und keine politische Aussage. Die Berner Gemeinde untersteht der Russisch-Orthodoxen Kirche im Ausland, die vom Bischofssynod in New York geleitet wird.
Brandschutzbedenken angeführt
Die lutherische Kirche führte Berichten zufolge Brandschutzvorschriften als Hauptgrund für die Kündigung des Mietvertrags an. Nach Angaben der Stadt Bern begrenzen die Größe der Krypta und die Notausgangssituation ihre Belegung auf 30 bis 50 Personen. Die erhöhte Besucherzahl überschritt wahrscheinlich diese Sicherheitsgrenzen.
Hintergrund: Das Antonierhaus
Das Antonierhaus, in dem sich beide Kirchen befinden, gehört der Stadt Bern. Die Stadt vermietet die Räumlichkeiten an die evangelisch-lutherische Kirche, die dann die Kellerkrypta an die russisch-orthodoxe Gemeinde untervermietet. Diese Vermieter-Mieter-Konstellation verleiht dem Streit eine zusätzliche Komplexität.
Mediationsversuche scheitern, Gericht entscheidet
Die Stadt Bern befand sich als Gebäudeeigentümerin in einer heiklen Lage. Sie entschied sich, nicht direkt in den privaten Mietvertrag zwischen den beiden Kirchen einzugreifen. Stattdessen bot die Stadt an, eine Mediation zwischen den Parteien zu erleichtern.
Drei separate Mediationsgespräche fanden 2024 und 2025 statt, an denen Vertreter beider Kirchen und der Stadt Bern beteiligt waren. Trotz dieser Bemühungen konnte keine Lösung gefunden werden. Die Unfähigkeit, eine gemeinsame Basis zu finden, bedeutet, dass die Entscheidung nun beim Rechtssystem liegt.
- Drei Mediationsversuche scheiterten 2024 und 2025.
- Die Stadt Bern hat diese Gespräche vermittelt.
- Es konnte keine Einigung zwischen den beiden Gemeinden erzielt werden.
Der für den 10. März angesetzte Zivilprozess wird über das Schicksal dieser langjährigen interkirchlichen Beziehung entscheiden. Das Ergebnis wird erhebliche Auswirkungen auf die russisch-orthodoxe Gemeinde in Bern haben, die seit Generationen ein fester Bestandteil der Altstadt ist.
Statistik: Die beiden Gemeinden teilen sich das Antonierhaus seit 80 Jahren, seit 1944.
Gemeinschaftliche Auswirkungen und Zukunftsaussichten
Die russisch-orthodoxe Gemeinde Bern, bestehend aus ukrainischen und russischen Gläubigen, betet seit Beginn des Konflikts in der Ukraine gemeinsam für den Frieden. Der mögliche Verlust ihrer Gebetsstätte stellt eine Herausforderung für die Aufrechterhaltung ihrer religiösen und kulturellen Aktivitäten dar.
Der Rechtsweg ist nun der letzte Weg zur Beilegung des Streits. Unabhängig von der Gerichtsentscheidung verdeutlicht die Situation die Komplexität, die selbst in lang etablierten Gemeinschaftsbeziehungen entstehen kann, insbesondere wenn externe Ereignisse die lokalen Dynamiken beeinflussen.



