Der Traum, als Skilehrer auf makellosen Pisten zu arbeiten, zieht viele junge Menschen an. Doch der Weg zum zertifizierten Profi ist anspruchsvoll. Hohe Kosten, unregelmässige Arbeit und ein Mangel an bezahlbarem Wohnraum schaffen erhebliche Hindernisse für angehende Skilehrer und führen zu einem Mangel an qualifiziertem Personal in Schweizer Skischulen.
Wichtigste Erkenntnisse
- Nur ein Drittel der aktiven Schneesportlehrer besitzt ein eidgenössisches Diplom.
- Das vollständige Zertifizierungsprogramm kostet rund 16'000 Schweizer Franken, zuzüglich Lebenshaltungskosten.
- Skischulen haben Schwierigkeiten, bezahlbaren Wohnraum für ihr Personal zu finden.
- Die Beschäftigung ist oft unregelmässig, was eine langfristige Finanzplanung erschwert.
Die Anziehungskraft und Realität des Skilehrerberufs
Viele Menschen fühlen sich vom Skilehrerberuf angezogen, da er die Möglichkeit bietet, im Freien in wunderschönen Berglandschaften zu arbeiten. Vivienne Bielmann, eine 25-jährige Skilehrerin, beschreibt ihre Arbeit als "pure Freiheit" und eine hohe Lebensqualität. Sie geniesst es, bei gutem Wetter draussen zu sein.
Trotz des attraktiven Lebensstils bringt der Job praktische Herausforderungen mit sich. Während viele junge Leute vor dem Studium eine Saison auf den Pisten verbringen möchten, verpflichten sich nur wenige zur vollständigen Berufsqualifikation. Dies schafft eine Lücke zwischen verfügbarem Einstiegspersonal und voll qualifizierten Lehrern.
Fakt: Geringe Zertifizierungsrate
Swiss Snowsports, der nationale Verband der Schneesportschulen, berichtet, dass von 12'700 aktiven Schneesportlehrern nur etwa ein Drittel ein eidgenössisches Diplom besitzt. Jedes Jahr beginnen etwa 1'000 Personen die Ausbildung, eine Zahl, die weiter wächst.
Hohe Kosten und unregelmässiges Einkommen
Die finanziellen Verpflichtungen für die Zertifizierung sind ein grosses Hindernis. Das gesamte Ausbildungsprogramm zum diplomierten Skilehrer kostet rund 16'000 Schweizer Franken. Diese Zahl beinhaltet keine zusätzlichen Ausgaben wie Unterkunft, Verpflegung und Skipässe, die die Gesamtkosten erheblich erhöhen können.
Vivienne Bielmann, die derzeit an ihrem Diplom arbeitet, erlebt die finanzielle Belastung aus erster Hand. Sie stellt fest, dass ihre Arbeitszeiten und damit ihr Einkommen unregelmässig sind, bis sie ihre Zertifizierung abgeschlossen hat. "Um den Winter finanzieren zu können, arbeite ich im Sommer viel", erklärt sie.
"Der Weg zum Diplom ist zeitintensiv und auch teuer", sagt Roman Sifrig, Co-Leiter Ausbildung bei Swiss Snowsports. "Das kann, gerade für junge Leute, eine Hürde sein."
Derzeit bietet nur der Kanton Wallis finanzielle Unterstützung für diese Ausbildungskosten an. Allerdings hat das Wallis auch strengere Anforderungen: Mindestens 20 Prozent der Skilehrer einer Skischule müssen zertifiziert sein. Ivan Volken, Leiter einer Skischule auf der Fiescheralp, räumt ein, dass dies der Qualität zugutekommt, aber für mittelgrosse Schulen eine Herausforderung darstellt, dies konstant zu erfüllen.
Wohnungsmangel und Beschäftigungsinstabilität
Ein weiteres grosses Hindernis für Skilehrer ist der Mangel an bezahlbarem Wohnraum in beliebten Tourismusregionen. Dieses Problem betrifft sowohl grosse Destinationen wie Saas-Fee als auch die Fiescheralp. Skischulen helfen ihren Mitarbeitern zunehmend bei der Wohnungssuche, obwohl dies traditionell nicht ihre Aufgabe ist.
Ivan Volken betont die Notwendigkeit dieser Unterstützung. "Es ist nicht unsere Aufgabe, Wohnungen für Mitarbeiter zu finden. Aber ohne Wohnung nehmen sie den Job nicht an", sagt er. Dies unterstreicht die entscheidende Rolle, die Wohnraum bei der Gewinnung und Bindung von Personal spielt.
Die Saisonalität verstehen
Der Skilehrerberuf ist stark saisonabhängig. Gabriel Anthamatten, Leiter einer Skischule in Saas-Fee, erklärt, dass die Arbeit stark schwankt. "In der Hochsaison ist brutal viel Arbeit. Im Januar und März manchmal sehr wenig." Dies erschwert Skilehrern die langfristige finanzielle und persönliche Planung.
Die Kombination aus hohen Ausbildungskosten, unsicherer Beschäftigung und Wohnungsschwierigkeiten trägt zum Mangel an voll qualifizierten Lehrern bei. Während viele die Pisten erleben möchten, sind weniger bereit für das Engagement, das erforderlich ist, um daraus eine langfristige Karriere zu machen.
Ausblick: Den Beruf nachhaltig gestalten
Trotz dieser Herausforderungen bleiben einige Skilehrer, wie Vivienne Bielmann, engagiert. Sie erkennt sowohl die Vor- als auch die Nachteile eines Saisonjobs an. "Viele junge Leute schreckt das ab. Aber vielleicht kann man dabei bleiben – wenn man die Zeit und Motivation hat."
Der anhaltende Bedarf an zertifizierten Fachkräften bedeutet, dass Skischulen und Branchenverbände ständig nach Wegen suchen, angehende Skilehrer zu unterstützen. Die Bewältigung der finanziellen Belastung der Ausbildung und der Knappheit an bezahlbarem Wohnraum sind entscheidende Schritte, um die Zukunft des Berufs zu sichern.
Ein hoher Ausbildungsstandard ist entscheidend für den Ruf der Schweizer Skigebiete. Die aktuelle Situation erfordert innovative Lösungen, um die Lücke zwischen der Leidenschaft für die Berge und den praktischen Realitäten einer beruflichen Karriere zu schliessen.
- Ausbildungsförderung: Mehr kantonale Fördermittel könnten die finanzielle Belastung der Studierenden mindern.
- Wohninitiativen: Lokale Behörden und Tourismusverbände könnten mit Skischulen zusammenarbeiten, um bezahlbare Wohnmöglichkeiten zu entwickeln.
- Flexible Beschäftigungsmodelle: Die Erforschung von Möglichkeiten zur Einkommensstabilisierung ausserhalb der Hochsaison könnte mehr langfristige Fachkräfte anziehen.




