Hans Schmid, heute 93 Jahre alt, blickt auf über vier Jahrzehnte engagierten Dienst im Pflegeheim Frienisberg im Kanton Bern zurück. Seine Reise begann 1956, einer Zeit, als die Institution, damals noch als «Anstalt» bekannt, als autarker Bauernhof und Pflegeeinrichtung betrieben wurde. Schmids Erinnerungen bieten einen einzigartigen Einblick in eine vergangene Ära der Schweizer Sozialfürsorge und des landwirtschaftlichen Lebens.
Wichtige Erkenntnisse
- Hans Schmid begann 1956 in Frienisberg und arbeitete auf dem Bauernhof und im Pflegeheim.
- Die Einrichtung war ein weitgehend autarker Betrieb mit umfangreicher Landwirtschaft.
- Die Arbeitstage waren lang, von 4:30 Uhr morgens bis 19:00 Uhr abends, mit minimaler Freizeit.
- Schmid stieg vom Landarbeiter zum stellvertretenden Heimleiter auf und begleitete bedeutende Entwicklungen.
- Seine Frau Margrit trug ebenfalls viele Jahre zur Frienisberg-Gemeinschaft bei.
Ein harter Winterstart im Jahr 1956
Hans Schmid kam am 1. Februar 1956 in Frienisberg an. Er war 24 Jahre alt. Der Winter in diesem Jahr war aussergewöhnlich streng. Die Temperaturen fielen mehrere Wochen lang unter minus 25 Grad Celsius. Die Strasse über den Frienisberg wurde wegen starkem Schneefall und Wind unpassierbar.
Schmid, der in der Armee als Feldweibel gedient hatte, sicherte sich seine Position aufgrund seines militärischen Ranges. Dieses Detail unterstreicht die strengen Hierarchien und gesellschaftlichen Erwartungen der damaligen Zeit. Die Institution, heute «Frienisberg, üses Dorf» genannt, war damals offiziell als Alters- und Pflegeheim bekannt.
Frienisberg im Jahr 1956
- 90 Milchkühe
- 16 Freiberger Pferde
- 4 Zugochsen
- Über 400 Bewohner (damals «Pfleglinge» genannt)
Alltag und anspruchsvolle Arbeit
Das Leben in Frienisberg Mitte der 1950er Jahre war von unermüdlicher Arbeit geprägt. Schmids Tag begann um 4:30 Uhr morgens und endete um 19:00 Uhr abends. Er arbeitete jeden Tag, mit nur einem freien Sonntag pro Monat. Sein Monatslohn betrug 150 Schweizer Franken, inklusive Kost und Logis.
Die landwirtschaftlichen Betriebe der Einrichtung waren umfangreich und arbeitsintensiv. Ein Grossteil der Arbeit wurde von Hand erledigt. Von den Bewohnern, damals «Pfleglinge» genannt, wurde ebenfalls erwartet, dass sie täglich ihren Beitrag leisteten. Ihre Aufgaben umfassten Arbeiten in den Ställen, auf den Feldern, in der Schmiede, Küche, Wäscherei oder in den Pflanzenanbaugebieten.
«Im Stall, auf dem Feld, in der Schmiede, in der Küche, in der Wäscherei oder beim Pflanzen – alle Hände wurden gebraucht», erinnert sich Hans Schmid rückblickend.
Die landwirtschaftliche Belegschaft
Der Hof beschäftigte eine beträchtliche Anzahl von Personen. Dazu gehörten ein Vorarbeiter, zwei Fuhrmänner, drei Melker, ein Schweinehüter, ein Jungviehhüter, mehrere junge Landwirtschaftsmitarbeiter und bis zu 80 Bewohner. Schmid selbst war Mitarbeiter Nummer 36.
Teilzeitarbeit war nicht erlaubt; alle Stellen waren 100%-Positionen, von der Verwaltung vorgeschrieben. Diese Politik spiegelte die vorherrschende Arbeitskultur und das Selbstversorgungsmodell der Institution wider.
Historischer Kontext
Mitte des 20. Jahrhunderts arbeiteten viele Pflegeheime in der Schweiz mit einem starken Fokus auf Selbstversorgung. Sie umfassten oft grosse landwirtschaftliche Komponenten, wo Bewohner und Personal zur Lebensmittelproduktion und zum täglichen Betrieb beitrugen. Dieses Modell bot sowohl Nahrung als auch eine strukturierte Umgebung für die Bewohner.
Herausforderungen und strenge Regeln
Schmid erinnert sich an strenge Regeln und was er als «Schikanen» der Geschäftsleitung bezeichnet. Obwohl das Heim einen alten Traktor besass, mussten die 16 Freiberger Pferde jeden Morgen angespannt und bewegt werden, unabhängig davon, ob sie gebraucht wurden. Erst danach durfte der Traktor eingesetzt werden.
Das Frienisberg-Heim züchtete eigene robuste Freiberger Pferde, wobei jedes Jahr ein neues Fohlen geboren wurde. Die vier Zugochsen wurden hauptsächlich zum Einbringen von Gras von den Feldern verwendet. Schmid bemerkte, dass das Fahren der Ochsen nicht immer einfach war.
Ein Leben im Dienst und in Führungspositionen
Hans Schmid und seine Frau Margrit blieben bis zu ihrer Pensionierung in Frienisberg. Schmids Karriereweg in der Institution war bemerkenswert. Er absolvierte seine Meisterprüfung, wurde Betriebsleiter des landwirtschaftlichen Unternehmens und stieg schliesslich zum stellvertretenden Heimleiter auf.
Während seiner Amtszeit überwachte Schmid zahlreiche Neubauprojekte im Heim. Er war auch als Feldbesichtigungsexperte für die Saatzucht tätig. Ausserhalb seiner Arbeit in Frienisberg war er zehn Jahre lang Gemeindepräsident von Seedorf BE.
Margrit Schmids Beiträge
Margrit Schmid, Hans' Frau, war eine beliebte Persönlichkeit unter den Bewohnern. Sie war bekannt für ihre freundliche Art. Viele Jahre lang leitete sie Gymnastikkurse für Senioren in der Gemeinde Seedorf. Sie gründete und leitete auch einen Kiosk am Klosterhof und integrierte sich so weiter in die Frienisberg-Gemeinschaft.
Die Schmids verbrachten über 40 Jahre in Frienisberg. Ihre Zeit dort war gefüllt mit positiven und herausfordernden Erfahrungen. Trotz der Schwierigkeiten bleiben die Erinnerungen an diese frühen Tage für Hans Schmid lebendig. Das Ehepaar wohnt heute in Aarberg BE.
- Hans Schmid wurde am 21. Juli 1932 auf einem Bauernhof in Frauenkappelen BE geboren.
- Er begann im Alter von 24 Jahren in Frienisberg.
- Seine Karriere umfasste über vier Jahrzehnte in der Institution.
- Er wurde stellvertretender Heimleiter.
- Seine Frau Margrit war in der Gemeinde und im Heim aktiv.




