Ein neues Wasserkraftprojekt des Freiburger Energieunternehmens Groupe E an der Saane sorgt im benachbarten Kanton Bern für erhebliche Besorgnis. Berner Parlamentarier fordern eine detaillierte Bewertung der potenziellen Auswirkungen des Projekts auf den Wasserstand und die Umwelt, insbesondere in der Region Seeland.
Wichtigste Erkenntnisse
- Das ScheM-Projekt der Groupe E umfasst einen Tunnel und ein unterirdisches Kraftwerk zwischen dem Schiffenensee und dem Murtensee.
- Berner Politiker befürchten negative Auswirkungen auf Restwasser, Grundwasser und die Trinkwasserversorgung im Seeland.
- Das Projekt könnte die Landwirtschaft beeinträchtigen, die Leistung bestehender Wasserkraftwerke reduzieren und gefährdete Fischarten schädigen.
- Die Berner Regierung hat zugesagt, diese Bedenken zu prüfen und sich an Arbeitsgruppen zu beteiligen.
- Ein Umweltverträglichkeitsbericht wird voraussichtlich erst Anfang 2027 erwartet.
Saane-Projekt löst Debatte aus
Das vorgeschlagene Projekt, bekannt als Schiffenensee-Murten (ScheM), zielt darauf ab, die Wasserkraftproduktion zu steigern und gleichzeitig ökologische Verbesserungen für die Saane zu erzielen. Die Groupe E plant den Bau eines Tunnels, der den Schiffenensee und den Murtensee verbindet. Das Wasser würde dann durch ein unterirdisches Kraftwerk geleitet.
Diese Initiative geht auf einen Bundesauftrag zur ökologischen Sanierung der Wasserkraft zurück. Das Unternehmen erklärt seine Absicht, die Auswirkungen von Durchflussschwankungen des bestehenden Schiffenenseestaudamms, die derzeit den Fluss unterhalb beeinträchtigen, zu mindern.
Projektumfang
Das ScheM-Projekt sieht vor, Wasser vom Schiffenensee durch einen neuen Tunnel zu einem unterirdischen Kraftwerk zu leiten, bevor es in den Murtensee abgeleitet wird. Dies soll den Wasserfluss unterhalb des Schiffenenseestaudamms stabilisieren.
Berner Politiker äussern starke Vorbehalte
Mitglieder des Grossen Rates aus verschiedenen Berner Parteien, darunter EDU, SVP, Mitte und FDP, haben ihre Besorgnis geäussert. Sie argumentieren, dass das ScheM-Projekt erhebliche Folgen für die Wasserressourcen und das ökologische Gleichgewicht des Kantons haben könnte.
Insbesondere befürchten die Parlamentarier Auswirkungen des Projekts auf die Restwasserstände in der Saane, die Grundwasserreserven und die Trinkwasserversorgung für Gemeinden in der Region Seeland. Diese Bedenken verdeutlichen die Vernetzung regionaler Wassersysteme.
„Die potenziellen Auswirkungen auf unsere Trinkwasserversorgung und die Landwirtschaft im Seeland sind eine ernste Angelegenheit, die einer gründlichen Untersuchung bedarf“, erklärte ein Grossratsmitglied und betonte die Notwendigkeit von Klarheit.
Potenzielle Umwelt- und Wirtschaftsauswirkungen
Das vorgeschlagene Wasserumleitungsprojekt birgt nach Ansicht Berner Beamter mehrere Risiken. Eine grosse Sorge gilt den potenziellen erheblichen negativen Auswirkungen auf die lokale Landwirtschaft. Landwirte in der Region sind auf gleichmässige Wasserstände für die Bewässerung und andere landwirtschaftliche Aktivitäten angewiesen.
Darüber hinaus bestehen Befürchtungen hinsichtlich reduzierter Energieerträge aus bestehenden Flusskraftwerken, die sich flussabwärts im Berner Seeland befinden. Dies könnte wirtschaftliche Auswirkungen auf den Energiesektor des Kantons haben. Das Projekt stellt auch eine Bedrohung für die aquatische Tierwelt dar, insbesondere für gefährdete Fischarten, die vom aktuellen Flussökosystem abhängen.
Mandat zur ökologischen Sanierung
Die ökologische Komponente des ScheM-Projekts wird durch eine Bundesanforderung zur Verbesserung des Umweltzustands der Wasserkraft vorangetrieben. Dies beinhaltet oft Massnahmen zur Minderung negativer Auswirkungen wie „Schwall und Sunk“ – schnelle Schwankungen des Wasserstands unterhalb von Dämmen.
Reaktion der Berner Regierung und nächste Schritte
Die Berner Kantonsregierung hat ihre Bereitschaft signalisiert, die Initiative der Grossratsmitglieder anzunehmen. In einer kürzlich veröffentlichten Erklärung bestätigte die Regierung ihre aktive Beteiligung an verschiedenen Arbeitsgruppen im Zusammenhang mit dem Projekt. Das primäre Ziel ist es, ein „konsensbasiertes Projekt“ zu erreichen, das die Bedenken aller Interessengruppen berücksichtigt.
Spezialisierte Behörden, die in diesen Arbeitsgruppen vertreten sind, haben die Aufgabe, die durch den Antrag aufgeworfenen Fragen sorgfältig zu prüfen. Dieser kollaborative Ansatz soll sicherstellen, dass die Interessen Berns während der Planungs- und Umsetzungsphasen vollständig berücksichtigt werden.
- Die Berner Regierung ist aktiv an mehreren Arbeitsgruppen beteiligt.
- Diese Gruppen werden die Bedenken hinsichtlich Wasserständen, Landwirtschaft und Tierwelt bewerten.
- Ziel ist es, eine für alle Beteiligten akzeptable Lösung zu finden.
Zeitplan für die Umweltverträglichkeitsprüfung
Ein umfassender Umweltverträglichkeitsbericht (UVP) ist entscheidend, um das volle Ausmass der potenziellen Auswirkungen des ScheM-Projekts zu verstehen. Dieser Bericht wird die Umweltfolgen detailliert beschreiben und Minderungsstrategien vorschlagen.
Die Veröffentlichung dieses wichtigen Dokuments steht jedoch nicht unmittelbar bevor. Beamte gehen davon aus, dass der Umweltverträglichkeitsbericht frühestens Anfang 2027 verfügbar sein wird. Dieser Zeitplan deutet auf einen langwierigen Prozess der Bewertung und Entscheidungsfindung hin, der ausreichend Zeit für die Einbindung der Interessengruppen und die technische Überprüfung lässt.
Die Verzögerung unterstreicht die Komplexität der Bewertung eines so grossen Wasserinfrastrukturprojekts und seiner weitreichenden Auswirkungen auf zwei Kantone.




