Der Tierpark Bern setzt eine umstrittene Strategie um: Ältere Tiere werden getötet, um Platz für jüngere Generationen zu schaffen. Diese Maßnahme zielt darauf ab, den Artenschutz zu stärken. Diese Praxis, bekannt als aktives Artenmanagement, begegnet der Herausforderung der Überbevölkerung und alternder Tierpopulationen in Zoos.
Obwohl Tierparks bestrebt sind, eine ausgezeichnete Pflege zu bieten, die zu längeren Lebensspannen ihrer Bewohner führt, kann dieser Erfolg Zuchtprogramme unbeabsichtigt behindern. Die Entscheidung, einige Tiere human zu euthanasieren, hat eine Debatte unter Naturschützern und Tierschützern ausgelöst.
Wichtige Erkenntnisse
- Der Tierpark Bern tötet ältere Tiere zur Unterstützung des Artenmanagements.
- Tiere in Zoos leben oft länger, was zu Überbevölkerungsproblemen führt.
- Die Praxis zielt darauf ab, Platz für jüngere, zuchtfähige Tiere zu schaffen.
- Tierschutzgruppen kritisieren die Tötung scharf als unethisch.
- Eine Studie der Universität Zürich beleuchtet die globale Alterung der Zoopopulationen.
Die Herausforderung alternder Zoopopulationen
Tiere in modernen Zoos und Tierparks profitieren von überlegener Ernährung, tierärztlicher Versorgung und geschützten Umgebungen. Diese Bedingungen ermöglichen es ihnen, deutlich länger zu leben als ihre Artgenossen in der Wildnis. Während dies einen erfolgreichen Tierschutz widerspiegelt, stellt es ein komplexes Problem für das Artenmanagement dar.
Eine alternde Population kann die Fortpflanzungsraten reduzieren. Ältere Tiere nehmen auch wertvollen Platz ein. Dieser Platz ist unerlässlich für jüngere Tiere, insbesondere solche, die an wichtigen Zuchtprogrammen zum Schutz gefährdeter Arten beteiligt sind.
Eine aktuelle Studie der Universität Zürich unterstreicht die globale Natur dieses Problems. Sie zeigt, dass Zoopopulationen weltweit zunehmend altern. Dieser Trend stellt eine erhebliche Bedrohung für die genetische Vielfalt und die langfristige Stabilität von Tierarten in menschlicher Obhut dar.
Fakt: Längere Lebensdauer in Gefangenschaft
Viele Zootiere leben aufgrund konstanter Nahrung, medizinischer Versorgung und Schutz vor Raubtieren viel länger als ihre wilden Verwandten. Diese verlängerte Lebensdauer trägt zur aktuellen Herausforderung der Überbevölkerung bei.
Aktives Artenmanagement im Tierpark Bern
Um diesen Herausforderungen zu begegnen, hat der Tierpark Bern eine Politik des „aktiven Artenmanagements“ eingeführt. Dieser Ansatz beinhaltet die „respektvolle Tötung“ älterer oder medizinisch beeinträchtigter Tiere. Ziel ist es, Gehege für jüngere Tiere freizumachen, die Teil internationaler Zuchtprogramme sind.
„Wenn es keinen Nachwuchs gibt und alte Tiere gleichzeitig sterben, gibt es irgendwann keine Tiere mehr“, erklärt Stefan Hoby, Tierarzt im Tierpark Bern. „Wir setzen deshalb auf aktives Artenmanagement mit respektvoller Tötung.“
Hoby betont, dass diese Tötungsverfahren mit größter Sorgfalt durchgeführt werden. Sie sind so konzipiert, dass sie für die betroffenen Tiere so schonend und stressfrei wie möglich sind. Der Entscheidungsprozess ist für das Personal oft schwierig.
„Manchmal ist es sehr hart und traurig. Aber es ist Teil meiner Arbeit“, sagte Hoby und reflektierte über die emotionale Belastung, die diese Entscheidungen für das Tierpflegeteam bedeuten.
Hintergrund: Artenschutzprogramme
Zoos beteiligen sich oft an internationalen Zuchtprogrammen. Diese Programme zielen darauf ab, genetisch vielfältige Populationen gefährdeter Arten zu erhalten. Sie dienen als Schutz vor dem Aussterben in der Wildnis. Platz und geeignete Zuchtpaare sind entscheidend für ihren Erfolg.
Ethische Bedenken und öffentliche Debatte
Die Praxis der Tötung von Tieren, selbst zum Artenschutz, hat scharfe Kritik von Tierschutzorganisationen hervorgerufen. Tobias Sennhauser, Berner Stadtrat und Sprecher der Tierschutzgruppe „Tier im Fokus“, bezeichnet den Ansatz als problematisch.
„Tiere sollten nicht wie austauschbare Objekte behandelt werden“, argumentiert Sennhauser. Er ist der Meinung, dass Alternativen zur Tötung sogenannter „Überschusstiere“ geprüft werden müssen.
Sennhauser hat einen politischen Vorstoß eingereicht, um dieses Problem anzugehen und die rechtliche und ethische Grundlage der Praxis in Frage zu stellen. Die Debatte verdeutlicht eine grundlegende Spannung zwischen Naturschutzzielen und dem Wohlergehen einzelner Tiere.
Weitreichende Auswirkungen auf europäische Zoos
Die Situation in Bern ist nicht einzigartig. Laut europäischen Zoo-Verbänden werden jedes Jahr Tausende von Tieren auf dem Kontinent getötet. Diese Tötungen erfolgen oft, weil Tiere nicht in bestimmte Zuchtprogramme passen oder weil nicht genügend Platz für sie vorhanden ist.
Die Herausforderung der Verwaltung von Zoopopulationen ist komplex. Zoos versuchen, das Wohlergehen einzelner Tiere mit der umfassenderen Mission des Artenschutzes in Einklang zu bringen. Dieses Gleichgewicht führt oft zu schwierigen Entscheidungen, die öffentliche Diskussionen und ethische Dilemmata auslösen.
- Der Kern der Debatte dreht sich darum, ob Tiere als Individuen oder als Teil einer größeren Population für den Artenschutz betrachtet werden sollten.
- Befürworter der Tötung betonen das langfristige Überleben der Arten.
- Gegner konzentrieren sich auf die moralischen Implikationen der Tötung eines Tieres, wenn Alternativen existieren könnten.
Ausblick: Lösungen finden
Die anhaltende Diskussion um die Tötung von Tieren in Zoos unterstreicht die Notwendigkeit innovativer Lösungen. Diese Lösungen könnten verbesserte Verhütungsmethoden, optimierte Tiertransfernetzwerke zwischen Einrichtungen oder sogar die Schaffung spezieller Schutzgebiete für ältere Tiere umfassen.
Da die Tierpopulationen in Gefangenschaft weiter altern, stehen Zoos und Tierparks zunehmend unter Druck, ihre Managementstrategien zu rechtfertigen. Öffentliches Engagement und transparente Kommunikation werden entscheidend sein, um diese komplexen ethischen Gewässer zu navigieren.
Die Maßnahmen des Tierparks Bern bringen einen verborgenen Aspekt des modernen Naturschutzes ans Licht. Sie erzwingen eine Konversation über die Verantwortung, die Menschen gegenüber Tieren in ihrer Obhut haben, insbesondere wenn es darum geht, individuelle Leben gegen das Überleben einer Art abzuwägen.




