Die Stadt Bern hat 84 Mietern in mehreren westlichen Quartieren mitgeteilt, dass ihre Mietverträge aufgrund eines gross angelegten Sanierungsprojekts gekündigt werden. Die Stadt hat für die Initiative einen Kredit von 31 Millionen Franken beantragt, der darauf abzielt, in die Jahre gekommene Mehrfamilienhäuser für zukünftige Generationen zu modernisieren, wirft aber sofortige Bedenken hinsichtlich der Unterbringung der Vertriebenen auf.
Die betroffenen Liegenschaften in Bern-Bethlehem, der Siedlung Holligen und dem Untermattquartier in Bümpliz wurden zwischen den 1940er und 1970er Jahren erbaut. Die Stadtverwaltung gibt an, dass die Gebäude dringend umfassender Sanierungen bedürfen, die nicht im bewohnten Zustand durchgeführt werden können.
Wichtige Erkenntnisse
- 84 Mieter in stadteigenen Wohnungen in Bern-West haben Kündigungen erhalten.
- Die Stadt beantragt einen Kredit von 31 Millionen Franken für umfangreiche Sanierungen, die 2027 beginnen sollen.
- Das Projekt wird die Gesamtzahl der verfügbaren Einheiten von 84 auf 72 reduzieren.
- Stadträte haben Bedenken hinsichtlich der Vertreibung von Bewohnern während einer Wohnungsnot geäussert.
Eine notwendige Überholung für alternde Gebäude
Die Stadtbehörden haben das Projekt als „Gesamtsanierung für die nächste Generation“ bezeichnet. Der Plan befasst sich mit jahrzehntelanger Abnutzung von Gebäuden, die heute zwischen 50 und 80 Jahre alt sind. Der Umfang der Arbeiten ist so gross, dass die Bewohner während der Bauzeit nicht in ihren Wohnungen bleiben können.
Die Sanierungen sollen ab 2027 etappenweise erfolgen. Das Projekt umfasst umfassende strukturelle und systemische Modernisierungen, die darauf abzielen, die Energieeffizienz, Sicherheit und moderne Wohnstandards zu verbessern.
Was wird saniert?
Das 31-Millionen-Franken-Projekt umfasst mehrere wichtige Modernisierungen:
- Gebäudehüllen: Verbesserung der Isolierung und Witterungsbeständigkeit.
- Heizsysteme: Ersatz veralteter Systeme durch moderne, effizientere Technologie.
- Energieerzeugung: Installation von Photovoltaikanlagen auf Dächern zur Solarenergiegewinnung.
- Wohnräume: Anbau neuer Balkone und in einigen Fällen Anpassung der Grundrisse.
- Barrierefreiheit: Umbau der Einheiten, um sie so barrierefrei wie möglich zu gestalten.
Die Verantwortlichen argumentieren, dass eine Verzögerung der Arbeiten nur zu einer weiteren Verschlechterung der Liegenschaften führen würde, was zukünftige Reparaturen noch kostspieliger und störender machen würde. Ziel ist es, langfristig einen Bestand an bezahlbarem, hochwertigem öffentlichem Wohnraum zu sichern.
Der menschliche Einfluss der Stadterneuerung
Während die Stadtregierung das Projekt als Investition in die Zukunft darstellt, ist die unmittelbare Folge die Vertreibung Dutzender Familien und Einzelpersonen. Die Stadt hat zugesagt, den 84 betroffenen Mietern bei der Suche nach neuem Wohnraum zu helfen und erklärt, dass die sanierten Wohnungen vergleichsweise erschwinglich bleiben werden.
Trotz dieser Zusicherungen hat die Nachricht bei den Bewohnern, von denen viele seit Jahren in ihren Wohnungen leben und von den derzeit niedrigen Mietpreisen profitieren, Unsicherheit ausgelöst. Der breitere Kontext des angespannten Berner Wohnungsmarktes verstärkt ihre Bedenken.
„Hinter jedem Mietvertrag stehen Menschen.“
An einer kürzlich stattgefundenen Medienveranstaltung anerkannte GLP-Stadträtin Melanie Mettler die menschliche Seite der Entscheidung und betonte, dass das Wohlergehen der Mieter ein zentraler Bestandteil der Stadtplanung sei. Sie betonte jedoch auch, dass der aktuelle Zustand der Gebäude diese Kündigungen unvermeidlich mache.
Projekt in Zahlen
- Betroffene Mieter: 84
- Beantragtes Budget: 31 Millionen CHF
- Baubeginn: 2027
- Gebäudealter: 1940er bis 1970er Jahre
- Wohnungen nach Sanierung: 72 (eine Reduktion um 12 Einheiten)
Politische Prüfung und Bedenken wegen Wohnungsnot
Die Entscheidung, Kündigungen auszusprechen, bevor der Stadtrat den 31-Millionen-Franken-Kredit formell genehmigt hat, hat einige Kritik hervorgerufen. Die Verwaltung geht davon aus, dass die Mittel bewilligt werden, und verweist auf die dringende Notwendigkeit der Sanierungen.
Der Plan ist jedoch nicht ohne Skeptiker im Stadtrat. Die anhaltende Wohnungsnot in Bern ist ein wichtiger Streitpunkt. SP-Stadträtin Lena Allenspach hat eine gründliche Überprüfung der städtischen Unterstützungsmaßnahmen für die vertriebenen Mieter gefordert und hinterfragt, ob diese angesichts des wettbewerbsintensiven Mietmarktes ausreichend sind.
Diese Situation erinnert an eine ähnliche öffentliche Debatte vom Anfang dieses Jahres über eine Totalsanierung am Loryplatz, bei der Mieter den Vermieter, die Allianz Suisse, für ihre Kommunikation und Unterstützungspolitik während eines ähnlichen Verdrängungsprozesses kritisierten.
Langfristige Vision vs. kurzfristige Belastung
Der Plan der Stadt verdeutlicht ein häufiges Dilemma in der Stadtentwicklung: das Gleichgewicht zwischen dem langfristigen Bedarf an sicherer, moderner Infrastruktur und der kurzfristigen Beeinträchtigung des Lebens der Bewohner. Die Reduzierung der Wohnungsanzahl von 84 auf 72, ein Ergebnis der Neugestaltung von Grundrissen für moderne Standards und Barrierefreiheit, erschwert das Problem zusätzlich, indem der Bestand an bezahlbarem Wohnraum in diesen Lagen leicht schrumpft.
Während sich der Stadtrat auf die Abstimmung über die Finanzierung vorbereitet, wird sich die Debatte voraussichtlich auf die Angemessenheit des Sozialplans für die betroffenen Mieter konzentrieren. Der Erfolg des Projekts wird nicht nur an der Qualität der sanierten Gebäude gemessen, sondern auch daran, wie die Stadt den Übergang für die 84 Haushalte, deren Leben sich nun im Umbruch befindet, bewältigt.




