Die Berner Stimmbevölkerung entscheidet über ein bedeutendes Sanierungsprojekt für das historische Lorrainebad. Am 8. März stimmen die Wählerinnen und Wähler der Stadt über einen beantragten Baukredit von 22,3 Millionen Schweizer Franken ab, der die Revitalisierung des beliebten Flussbades, einem Wahrzeichen seit 1892, zum Ziel hat.
Wichtige Punkte
- Die Berner Bevölkerung stimmt am 8. März über eine 22,3 Millionen Franken teure Sanierung des Lorrainebades ab.
- Das historische Bad, 1892 erbaut, benötigt aufgrund struktureller Schäden umfassende Reparaturen.
- Die Pläne sehen vor, das Becken wieder mit der Aare zu verbinden, um es wieder zu einem echten Flussbad zu machen.
- Die Bauarbeiten werden voraussichtlich von Herbst 2027 bis Frühling 2029 dauern, mit komplexen Zugangsmöglichkeiten.
- Die politische Debatte dreht sich um die Kosten im Verhältnis zur Notwendigkeit des Projekts.
Ein historisches Wahrzeichen braucht Reparaturen
Das Lorrainebad, oft als «kleine Schwester» des grösseren Marzilibades bezeichnet, nimmt einen besonderen Platz in der Geschichte Berns ein. Im nördlichen Teil der Stadt gelegen, hat es Generationen von Bewohnern gedient. Doch Zeit und Naturereignisse haben ihre Spuren an der Anlage hinterlassen.
Strukturelle Probleme sind ein Hauptanliegen. Der Damm, der das Becken von der Aare trennt, weist Risse auf, ebenso die Stützmauern, die die Liegewiesen umgeben. Diese Schäden machen eine umfassende Sanierung notwendig, um die langfristige Sicherheit und Funktionalität des Bades zu gewährleisten.
Die lange Geschichte des Lorrainebades
- 1892: Das Lorrainebad wurde ursprünglich gebaut.
- Ursprünglicher Zweck: Zunächst als Schulbad für die Lorrainekommission geplant.
- Entwicklung: Zwischen 1911 und 1918 aufgrund von städtischem Abwasser von der Aare getrennt.
- 1949: Vollständig getrennt und durch Grundwasser gespeist.
- Jüngste Schäden: Überschwemmungen in den Jahren 1999 und 2005 lagerten Schlamm und Sand ab, was das Algenwachstum förderte.
Der Sanierungsvorschlag: Eine Rückkehr zu den Wurzeln
Die vorgeschlagene Sanierung zielt darauf ab, das Lorrainebad in seinen ursprünglichen Charakter als echtes Flussbad zurückzuführen. Ein zentraler Bestandteil des Plans ist die Wiederanbindung des Schwimmbeckens an die Aare. Diese Verbindung würde es ermöglichen, dass Aarewasser durch das Becken fliesst, was das natürliche Badeerlebnis verbessert.
Über das Becken hinaus umfasst das Projekt umfassende Modernisierungen der unterstützenden Infrastruktur. Die Stützmauern und der Damm werden vollständig repariert und verstärkt. Die Modernisierung erstreckt sich auf die Umkleidekabinen und Toiletten, die auf zeitgemässe Standards gebracht werden. Zudem werden die technischen Anlagen der Einrichtung erneuert.
Auch ökologische Verbesserungen sind Teil der Vision. Die Pläne sehen vor, einheimische Bäume und Sträucher rund um den Badbereich zu pflanzen. Diese Initiative wird dazu beitragen, die Anlage harmonischer in ihre natürliche Umgebung zu integrieren und die lokale Biodiversität zu unterstützen.
„Das Bad ist mittlerweile in einem eher desolaten Zustand, und wir sind nahe daran, dass es aus Sicherheitsgründen geschlossen werden muss. Darum muss das Bad jetzt saniert werden“, erklärte Johannes Wartenweiler, SP-Stadtparlamentarier.
Logistische Herausforderungen und Projektzeitplan
Eine Sanierung dieser Grössenordnung im Lorrainebad birgt einzigartige logistische Herausforderungen. Die Lage des Bades erschwert den Zugang für schwere Baumaschinen und Materialien. Es ist nur über einen Fussweg sowohl vom Lorrainequartier als auch von der Aare selbst erreichbar.
Um die Bauarbeiten zu erleichtern, müssen diese Fusswege verbreitert werden. Dies ermöglicht den Transport der notwendigen Maschinen und Materialien. Die komplexe Natur des Baustellenzugangs trägt massgeblich zu den Gesamtkosten und dem Zeitplan des Projekts bei.
Bei Genehmigung ist der Baubeginn für Herbst 2027 geplant. Das Projekt wird voraussichtlich etwa 18 Monate dauern, mit einer Fertigstellung bis Frühling 2029. Dieser Zeitplan stellt sicher, dass das Bad nach der Sanierung für die Sommersaison bereit ist.
Der einzigartige Reiz des Lorrainebades
Im Gegensatz zum prominenteren Marzilibad mit Blick auf das Bundeshaus bietet das Lorrainebad eine eher alternative Atmosphäre. Züge rumpeln alle 30 Sekunden über die Köpfe hinweg und schaffen eine unverwechselbare Kulisse. Während die Aare hier aufgrund eines Wehrs langsamer fliesst, bevorzugen viele Badegäste immer noch das natürliche Flusswasser gegenüber dem Becken, das manchmal mit Algen und Karpfen zu kämpfen hat.
Politische Debatte über Kosten und Notwendigkeit
Das vorgeschlagene Budget von 22,3 Millionen Franken hat in Bern eine politische Debatte ausgelöst. Das Stadtparlament stimmte mit 64 Ja- zu 6 Nein-Stimmen für die Sanierung, was eine breite Unterstützung signalisiert. Die SVP (Schweizerische Volkspartei) Bern hat sich jedoch gegen das Projekt ausgesprochen und plädiert für einen begrenzteren Ansatz.
Janosch Weyermann, SVP-Stadtrat, äusserte Bedenken hinsichtlich der finanziellen Belastung. „Die Stadt Bern kann sich in ihrer finanziellen Lage eine so umfassende Sanierung nicht leisten“, erklärte er. Er schlug vor, dass eine Teilsanierung eine sinnvollere Option wäre, die sich auf kritische Reparaturen statt auf eine vollständige Überholung konzentriert.
Befürworter betonen hingegen die dringende Notwendigkeit umfassender Massnahmen. Johannes Wartenweiler von der SP (Sozialdemokratische Partei) hob den sich verschlechternden Zustand des Bades hervor. Er warnte, dass das Lorrainebad ohne erhebliche Investitionen aus Sicherheitsgründen geschlossen werden könnte. Diese Perspektive unterstreicht die Überzeugung, dass der aktuelle Vorschlag eine notwendige Investition in ein wichtiges Gemeinschaftsgut darstellt.
Die bevorstehende Abstimmung am 8. März wird letztendlich über die Zukunft dieser historischen Berner Badeanlage entscheiden. Die Bewohnerinnen und Bewohner werden die Kosten gegen den kulturellen und Freizeitwert des Lorrainebades abwägen und entscheiden, ob sie dessen umfassende Revitalisierung finanzieren wollen.




