Die Schweiz steht vor einer umfassenden Überarbeitung ihrer Verkehrsnetze. Der Bundesrat hat die Eckwerte für die Infrastrukturentwicklung bis 2045 genehmigt. Der ehrgeizige Plan konzentriert sich auf die Erhöhung der Eisenbahnkapazität und die Beseitigung von Engpässen im nationalen Strassensystem, während gleichzeitig mehrere vorgeschlagene Nationalstrassenprojekte strategisch gestrichen werden.
Erstmals wird der Bundesrat die Planung für Bahn- und Strassennetze integrieren, um einen einheitlichen Ansatz zu verfolgen. Diese Strategie priorisiert Projekte, insbesondere im Bahnbereich, wo die Nachfrage nach Neubauten die verfügbaren Mittel übersteigt. Der umfassende Plan soll sicherstellen, dass die Verkehrsinfrastruktur des Landes den zukünftigen Bedürfnissen gerecht wird.
Wichtige Erkenntnisse
- Bundesrat genehmigt Infrastrukturplan 2045.
- Fokus auf Erhöhung der Bahnkapazität und Entlastung des Strassenverkehrs.
- Integrierte Planung für Bahn- und Strassennetze.
- Rund 24 Milliarden Schweizer Franken für den Bahnausbau bis 2045 vorgesehen.
- Spezifische Projekte umfassen Viertelstundentakt zwischen Bern und Zürich bis 2035.
Integrierte Vision für zukünftige Mobilität
Verkehrsminister Albert Rösti betonte an einer Medienkonferenz in Bern die langfristige Perspektive dieser Entscheidungen. Er erklärte, dass Verkehrsprojekte jahrzehntelange Planung erfordern, um bei Bedarf bereit zu sein. Dieser vorausschauende Ansatz zielt darauf ab, die wesentliche Infrastruktur für die nächste Generation zu sichern.
"Verkehrsprojekte müssen Jahrzehnte im Voraus geplant werden, damit sie bei Bedarf zur Verfügung stehen", sagte Verkehrsminister Albert Rösti. "Es ist unsere Pflicht, Projekte für die nächste Generation zu sichern."
Die neue Strategie stellt eine Abkehr von früheren Ansätzen dar. Sie konsolidiert die Planungsbemühungen für Strasse und Schiene und ermöglicht eine effizientere Ressourcenverteilung sowie klarere Prioritäten. Diese integrierte Sichtweise zielt darauf ab, ein kohärentes und nachhaltiges Verkehrssystem im ganzen Land zu schaffen.
Hintergrund des Plans
Der Bundesrat beauftragte im Januar 2025 ein Gutachten der ETH Zürich. Dieses Gutachten war eine Reaktion auf gestiegene Kosten beim Ausbau der Eisenbahninfrastruktur und die öffentliche Ablehnung bestimmter Autobahnausbauprojekte. Der aktuelle Plan baut auf den Erkenntnissen und Analysen dieses Gutachtens und verschiedener Bundesämter auf.
Umfassender Ausbau des Bahnnetzes
Das Eisenbahnnetz soll in mehreren Etappen erheblich ausgebaut werden. Bis 2035 werden Investitionen von rund 3 Milliarden Schweizer Franken spürbare Serviceverbesserungen ermöglichen.
- Viertelstundentakt zwischen Bern und Zürich.
- Halbstundentakt zwischen Bern und Luzern.
- Halbstundentakt zwischen Basel und Zürich im Mittelland.
- Systematische Halbstundentakte im Regionalverkehr.
- Erweiterte Regionalverbindungen im Raum Genf – Lausanne.
- Erhöhte Frequenz zwischen Bellinzona und Locarno.
- Längere Züge durch verlängerte Perrons in der Zürcher S-Bahn (in Prüfung).
Zur Finanzierung dieser umfangreichen Bahnprojekte schlägt der Bundesrat vor, den dem Bahninfrastrukturfonds (BIF) gewidmeten Mehrwertsteuersatz über 2030 hinaus zu verlängern. Diese Verlängerung soll bis 2045 zusätzliche 8 Milliarden Schweizer Franken generieren. Insgesamt werden bis 2045 rund 24 Milliarden Schweizer Franken für Bahnerneuerungen zur Verfügung stehen.
Regionale Perspektiven zur Bahnentwicklung
Die regionalen Behörden haben die vorgeschlagenen Bahninvestitionen weitgehend begrüsst, wenn auch mit einigen spezifischen Bedenken. Susanne Hartmann, Regierungsrätin des Baudepartements des Kantons St. Gallen, zeigte sich erfreut, dass die dritte Röhre des Rosenbergtunnels inklusive Anschluss an den Güterbahnhof ein prioritäres Projekt bleibt.
Dominik Diezi, Regierungsrat des Departements für Bau und Umwelt des Kantons Thurgau, beurteilte die Entscheide zu den drei wichtigsten Verkehrsprojekten in der Ostschweiz ebenfalls positiv. Er merkte an, dass die Priorisierung der Umfahrung Amriswil mit einem Zeithorizont bis 2045 nicht überraschend sei.
Wichtige Bahninvestitionen
- 3 Milliarden CHF für sofortige Upgrades bis 2035.
- 8 Milliarden CHF zusätzliche Mittel aus der Mehrwertsteuerverlängerung bis 2045.
- Gesamte Bahninvestitionen: 24 Milliarden CHF bis 2045.
In der Zentralschweiz begrüssten die Kantonsregierungen zwei Schlüsselprojekte: den viergleisigen unterirdischen Durchgangsbahnhof in Luzern und den fast 11 Kilometer langen Zimmerbergtunnel II, der Zug und Thalwil an der Strecke Zürich-Luzern verbindet. Fabian Peter, Baudirektor des Kantons Luzern, nannte es einen "guten Tag für die Zentralschweiz". Er zeigte sich zufrieden, dass der Bundesrat den dringenden Bedarf an Bahninfrastrukturausbau am Knotenpunkt Luzern erkannt habe.
Auch Basel erwartet erhebliche Vorteile durch die Aufnahme der unterirdischen Linie Basel SBB zum Badischen Bahnhof in das Verkehrsprogramm. Dieses Projekt soll das S-Bahn-System erweitern, die Dienstleistungen für Bewohner aus drei Ländern verbessern und die Wirtschaftsregion stärken. Der Bundesrat hat die Investitionen für dieses Projekt von 1,2 Milliarden auf 2,5 Milliarden Schweizer Franken bis 2045 erhöht, was die ursprünglichen Schätzungen deutlich übertrifft.
Strategische Upgrades des Strassennetzes
Neben der Bahn will der Bundesrat das Nationalstrassennetz systematisch verbessern. Ziel ist es, Engpässe zu beseitigen, Stauzeiten zu reduzieren und zu verhindern, dass Autofahrer Ausweichrouten durch Wohngebiete nutzen. Projekte mit hohem Nutzen und schneller Umsetzung werden priorisiert.
Neun weitere Strassenprojekte sollen bis 2055 abgeschlossen werden, weitere sieben sind für die Zeit danach geplant. Mehr als 30 Nationalstrassenprojekte werden jedoch eingestellt. Dazu gehören die A1-Ausbauprojekte zwischen Schönbühl und Kirchberg in Bern sowie zwischen Le Vengeron GE und Nyon VD, die von den Wählern zuvor abgelehnt wurden. Für diese Bereiche werden betriebliche Massnahmen, wie die Umwandlung von Pannenstreifen in temporäre Fahrspuren, zur Verkehrssteuerung umgesetzt.
Agglomerationsverkehrsprogramme
Der Ausbau der Bahn- und Strasseninfrastruktur wird durch das Agglomerationsverkehrsprogramm ergänzt. Diese Initiative unterstützt die koordinierte Verkehrs- und Stadtentwicklung in dicht besiedelten Gebieten. Der Bund wird grosse Agglomerationsprogramme in Genf, Lausanne – Morges, Zürich, Aareland und Burgdorf finanziell unterstützen.
Zusätzlich wird die Regierung in der kommenden Konsultationsphase kleinere Projekte in rund 40 weiteren Agglomerationen vorschlagen. Dies stellt sicher, dass städtische Zentren gezielte Investitionen erhalten, um die lokale Konnektivität zu verbessern und den Verkehrsdruck zu reduzieren.
Fokus auf das Strassennetz
- Priorisierung von Projekten mit hohem Nutzen und schneller Umsetzung.
- Über 30 Nationalstrassenprojekte gestrichen aufgrund öffentlicher Ablehnung oder geringerer Priorität.
- Neuer Fokus auf betriebliche Massnahmen wie die Nutzung von Pannenstreifen.
Der Entscheid des Bundesrates stellt einen entscheidenden Schritt zur Modernisierung der Schweizer Verkehrsinfrastruktur dar. Er schafft ein Gleichgewicht zwischen dem Bedarf an erhöhter Kapazität, Umweltaspekten und öffentlicher Akzeptanz und legt einen klaren Kurs für die Mobilitätsentwicklung in den nächsten zwei Jahrzehnten fest.




