Schnelle E-Scooter, die Geschwindigkeiten von bis zu 55 km/h erreichen können, sind in der Schweiz frei erhältlich, obwohl die gesetzliche Höchstgeschwindigkeit für den öffentlichen Strassenverkehr bei 20 km/h liegt. Diese Diskrepanz wirft erhebliche Sicherheitsbedenken und rechtliche Fragen für Konsumenten und Behörden auf.
Wichtige Erkenntnisse
- Das Schweizer Gesetz beschränkt E-Scooter auf öffentlichen Strassen auf 20 km/h und eine Motorleistung von 0,5 kW.
- Händler verkaufen Modelle wie den VMAX R55 Pro, der 55 km/h erreicht und damit die gesetzlichen Grenzen überschreitet.
- Behörden warnen, dass schnelle E-Scooter aufgrund kleiner Räder und der stehenden Fahrposition bei hohen Geschwindigkeiten instabil und gefährlich sind.
- Das Fahren nicht konformer E-Scooter kann zu Bussen und schwerwiegenden Versicherungskonsequenzen führen.
- Konsumenten sind dafür verantwortlich, die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften vor dem Kauf und der Nutzung zu prüfen.
Gesetzliche Grenzen und Warnungen zur öffentlichen Sicherheit
Die Schweizer Vorschriften sind klar: E-Scooter, die auf öffentlichen Strassen verkehren, dürfen eine Höchstgeschwindigkeit von 20 km/h nicht überschreiten. Zudem ist die Motorleistung auf 0,5 kW begrenzt. Diese Regeln dienen der Sicherheit. Das Bundesamt für Strassen (Astra) weist darauf hin, dass E-Scooter bei höheren Geschwindigkeiten äusserst instabil werden. Diese Instabilität ist auf ihre kleinen Räder und die stehende Fahrposition zurückzuführen.
Das Unfallrisiko steigt erheblich, wenn diese Fahrzeuge schneller fahren, als es ihre Konstruktion vorsieht. Darüber hinaus sind die Bremssysteme vieler Hochgeschwindigkeitsmodelle möglicherweise nicht ausreichend für die Geschwindigkeiten, die sie erreichen können. Dies birgt eine zusätzliche Gefahr für Fahrer und andere Verkehrsteilnehmer.
Wussten Sie schon?
Kürzlich beschlagnahmte die Stadtpolizei Zürich einen E-Scooter, der über 100 km/h schnell fahren konnte. Dieser Vorfall verdeutlicht die extremen Geschwindigkeiten, die einige modifizierte oder unregulierte Geräte erreichen können.
Händler und Konsumentenverantwortung
Trotz des strengen Rechtsrahmens sind leistungsstarke E-Scooter-Modelle bei grossen Einzelhändlern erhältlich. So wird beispielsweise der VMAX R55 Pro, der Geschwindigkeiten von 55 km/h erreichen kann, von Interdiscount verkauft. Diese Verfügbarkeit führt dazu, dass Konsumenten leicht Geräte erwerben können, die für den öffentlichen Gebrauch nicht zugelassen sind.
Händler wie Interdiscount argumentieren, dass sie eine breite Palette von Produkten für unterschiedliche Kundenbedürfnisse anbieten. Sie geben an, dass die Verantwortung für die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften beim Kunden liegt. Diese Haltung wirft jedoch Fragen auf, wenn ein Händler über seinen Online-Shop auch Versicherungen für diese potenziell nicht konformen Geräte anbietet.
„E-Scooter sind in der Schweiz nur dann auf der Strasse zugelassen, wenn sie maximal 20 km/h schnell sind und eine Motorleistung von höchstens 0,5 kW aufweisen.“
Risiken nicht konformer E-Scooter
Die Nutzung nicht zugelassener oder modifizierter E-Scooter birgt erhebliche Risiken. Fahrern drohen empfindliche Bussen, wenn sie mit illegalen Geräten auf öffentlichen Strassen erwischt werden. Noch kritischer sind die schwerwiegenden Versicherungskonsequenzen im Falle eines Unfalls. Die normale Haftpflichtversicherung deckt möglicherweise keine Schäden ab, die durch einen E-Scooter verursacht werden, der die gesetzlichen Anforderungen nicht erfüllt.
Die Beratungsstelle für Unfallverhütung (BFU) betont ebenfalls, dass nicht alle verkauften E-Scooter für den Strassenverkehr zugelassen sind. Sie rät Käufern, sich vor dem Kauf beim Händler schriftlich bestätigen zu lassen, dass das Fahrzeug den gesetzlichen Anforderungen entspricht.
Hintergrundinformationen
Der rasche Anstieg der Popularität von E-Scootern hat die regulatorischen Anpassungen vielerorts überholt. Regierungen arbeiten nun daran, klare Richtlinien zu etablieren, um die öffentliche Sicherheit zu gewährleisten und gleichzeitig neue Formen der urbanen Mobilität zu ermöglichen. Die 20 km/h-Grenze in der Schweiz ist eine solche Massnahme.
Den richtigen E-Scooter wählen
Konsumenten, die sich für E-Scooter interessieren, sollten Sicherheit und die Einhaltung der gesetzlichen Vorschriften priorisieren. Vor dem Kauf ist es unerlässlich, sich über die Schweizer Verkehrsgesetze zu informieren. Käufer sollten sicherstellen, dass jedes in Betracht gezogene Modell die Geschwindigkeitsbegrenzung von 20 km/h und die Motorleistungsbeschränkung von 0,5 kW erfüllt, wenn sie es auf öffentlichen Strassen nutzen möchten.
- Geschwindigkeitsbegrenzungen prüfen: Stellen Sie sicher, dass die Höchstgeschwindigkeit des E-Scooters 20 km/h oder weniger beträgt.
- Motorleistung überprüfen: Der Motor sollte 0,5 kW nicht überschreiten.
- Verkäufer fragen: Lassen Sie sich die Strassenzulassung des E-Scooters schriftlich bestätigen.
- Versicherung verstehen: Seien Sie sich potenzieller Versicherungslücken bei nicht konformen Modellen bewusst.
- Stabilität priorisieren: Berücksichtigen Sie die Stabilität des Fahrzeugs, insbesondere bei höheren Geschwindigkeiten.
Die Missachtung dieser Regeln kann zu rechtlichen Strafen führen und Fahrer sowie Fussgänger gefährden. Die Bequemlichkeit eines E-Scooters sollte niemals auf Kosten der Sicherheit oder der Einhaltung gesetzlicher Vorschriften gehen.
Die Situation verdeutlicht eine wachsende Herausforderung für Regulierungsbehörden: Wie soll der Verkauf von Konsumgütern gehandhabt werden, die illegal genutzt werden können? Während Händler eine Auswahl bieten, liegt die letztendliche Verantwortung für die legale Nutzung beim Einzelnen. Diese Dynamik erfordert von den Konsumenten, gut informiert und vorsichtig zu sein.




