Die Schweizs Aussenminister Ignazio Cassis sieht sich mit einer formellen Klage vor dem Internationalen Strafgerichtshof (ICC) in Den Haag konfrontiert. Eine Gruppe von 25 Anwälten hat die Klage eingereicht und wirft ihm Mittäterschaft an mutmasslichen Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord im Zusammenhang mit dem Gaza-Konflikt vor.
Die Anwälte, hauptsächlich aus der französischsprachigen Schweiz, aber auch namhafte deutschschweizer Juristen, argumentieren, dass Minister Cassis es versäumt habe, die notwendigen Massnahmen zu ergreifen, um diese mutmasslichen Verbrechen zu verhindern oder deren Erleichterung zu vermeiden.
Wichtige Erkenntnisse
- 25 Anwälte haben eine Klage gegen den Schweizer Aussenminister Ignazio Cassis beim ICC eingereicht.
- Die Vorwürfe umfassen Mittäterschaft an Kriegsverbrechen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Völkermord im Gaza-Konflikt.
- Die Klage behauptet, Cassis hätte die UNRWA-Finanzierung fortsetzen, Waffenexporte verbieten und den Handel mit Israel einstellen sollen.
- Das Schweizer Aussenministerium bestätigt die Klage und bekräftigt seine Prioritäten für einen Waffenstillstand und humanitäre Hilfe.
- Die FDP hat sich gegen die SRG-Initiative entschieden, die eine Halbierung der Radio- und Fernsehgebühren zum Ziel hat.
- Eine Mehrheit der Schweizer Ärzte ist über 55 Jahre alt, was Bedenken hinsichtlich der Zukunft des Gesundheitssystems aufwirft.
Rechtliche Schritte gegen Aussenminister Cassis
Die Klage gegen Minister Cassis wurde von der Gruppe 'Stop Complicity' auf einer Pressekonferenz in Bern bekannt gegeben. Die Anwälte betonen, dass Cassis die Pflicht gehabt hätte, alle verfügbaren Massnahmen zu ergreifen, um mutmassliche Gräueltaten zu verhindern und Handlungen zu vermeiden, die diese unterstützen könnten.
Insbesondere heben sie mehrere Bereiche hervor, in denen Cassis ihrer Meinung nach versagt hat. Dazu gehören die Entscheidung, die Finanzierung des Hilfswerks der Vereinten Nationen für Palästina-Flüchtlinge (UNRWA) auszusetzen, der fortgesetzte Export von Waffen und Gütern mit doppeltem Verwendungszweck sowie die Aufrechterhaltung der Handelsbeziehungen mit Israel.
Fakten-Check
Die Klage gegen Minister Cassis ist die jüngste in einer Reihe von Kritiken, denen er wegen seiner Haltung zum Israel-Gaza-Konflikt ausgesetzt war. Im Juni kritisierten Dutzende ehemaliger Diplomaten seinen passiven Ansatz. Im August forderten Rechtsexperten und Akademiker den Bundesrat auf, Massnahmen zur Verhinderung eines potenziellen Völkermords zu ergreifen.
Unwahrscheinliche Verurteilung, hohe Sichtbarkeit
Obwohl die Klage erhebliche Aufmerksamkeit erregt hat, wird eine Verurteilung vor dem Internationalen Strafgerichtshof als unwahrscheinlich angesehen. Die Staatsanwälte müssten nachweisen, dass Minister Cassis einen direkten und wesentlichen Einfluss auf Israels Fähigkeit hatte, Verbrechen in Gaza zu begehen.
Beobachter vermuten, dass das Hauptziel der Klage möglicherweise nicht eine Verurteilung ist. Stattdessen zielt sie darauf ab, die öffentliche Aufmerksamkeit zu erhöhen. Sie soll sowohl auf die mutmasslichen Handlungen in Gaza als auch auf die wahrgenommene passive Haltung des Schweizer Bundesrates aufmerksam machen.
"Cassis hätte alle verfügbaren Massnahmen ergreifen müssen, um solche Verbrechen zu verhindern und ihre Begehung zumindest in keiner Weise zu begünstigen."
Das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten bestätigte den Eingang der Klage. Es erklärte, dass der ICC die Relevanz der erhaltenen Informationen prüfen werde. Das Departement bekräftigte auch die seit dem 7. Oktober 2023 konstanten Prioritäten der Schweiz: ein sofortiger und dauerhafter Waffenstillstand, die bedingungslose Freilassung aller Geiseln und ein ungehinderter humanitärer Zugang zu Gaza. Die Schweiz fordert konsequent die strikte Einhaltung des Völkerrechts.
FDP lehnt SRG-Initiative ab
In anderen eidgenössischen Nachrichten haben die Delegierten der FDP-Partei gegen die SRG-Initiative gestimmt. Diese Initiative schlägt vor, die Radio- und Fernsehgebühren auf 200 Schweizer Franken zu halbieren.
Eine aktuelle Umfrage von GFS Bern deutete auf ein knappes Ergebnis für die bevorstehende Abstimmung hin. Die Ende Januar durchgeführte Umfrage zeigte 46 Prozent Befürworter und 52 Prozent Gegner der Initiative.
Politische Spaltung
Die GFS-Umfrage zeigt eine klare Links-Rechts-Spaltung bei der SRG-Initiative. Die meisten Wähler der SP und Grünen lehnen die Massnahme ab. Umgekehrt beabsichtigen etwa drei Viertel der SVP-Anhänger, mit Ja zu stimmen. Bei den Mitteparteien wie der FDP ist die Stimmung ausgeglichener, mit 41 Prozent, die zu einem 'Ja' tendieren, und 57 Prozent, die zu einem 'Nein' tendieren.
Die Entscheidung der FDP bedeutet, dass sich die Mutterpartei von den Jungfreisinnigen distanziert. Der Jugendflügel hatte zusammen mit der SVP aktiv Unterschriften für die Volksinitiative gesammelt. Die Grünen hingegen präsentierten eine geschlossene Front und lehnten die Initiative einstimmig ab.
Die SP, GLP und die Mitteparteien hatten bereits ihren Widerstand gegen die SRG-Initiative erklärt. Die Abstimmung über die SRG-Initiative ist für den 8. März angesetzt. Weitere Initiativen, darunter die Individualbesteuerung, der Klimafonds und die Bargeld-Initiative, werden ebenfalls am selben Tag zur Abstimmung gebracht.
Parlamentarische Kommission kritisiert VBS-Aufsicht über Ruag
Die Geschäftsprüfungskommission des Ständerates hat das Eidgenössische Departement für Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) kritisiert. Die Kritik betrifft die Führung des staatlichen Rüstungsunternehmens Ruag durch das VBS, das hauptsächlich der Schweizer Armee dient.
Die Kommission kam zu dem Schluss, dass das VBS zu defensiv gehandelt habe. Dies geschah, als ein Whistleblower 2019 betrügerische Transaktionen in Millionenhöhe bei der Ruag MRO AG meldete.
Wichtige Erkenntnisse
- Das VBS untersuchte nicht weiter, nachdem ein Ruag-Mitarbeiter beschuldigt wurde, Materialien unter Marktpreis verkauft zu haben.
- Die Eidgenössische Finanzkontrolle hatte diese Aufsicht zuvor kritisiert.
- Ruag MRO, vollständig im Besitz der Schweizerischen Eidgenossenschaft, wird strategisch vom VBS geführt.
Nach dem Whistleblower-Bericht konfrontierte die Ruag MRO-Geschäftsleitung einen beschuldigten Mitarbeiter. Der Mitarbeiter gab eine Erklärung ab, die jedoch den Hauptvorwurf des Verkaufs von Materialien deutlich unter Marktpreis nicht widerlegte. Trotzdem akzeptierte das VBS die Erklärung und leitete keine weiteren Untersuchungen ein.
Im vergangenen Jahr kritisierte die Eidgenössische Finanzkontrolle dieses Versäumnis scharf. Ruag MRO wurde 2019 gegründet, nachdem die ursprüngliche Ruag in militärische und zivile Bereiche aufgeteilt worden war. Da die Schweizerische Eidgenossenschaft die Ruag MRO vollständig besitzt, ist das VBS für deren strategische Ausrichtung verantwortlich.
Die Geschäftsprüfungskommission empfiehlt zwei Massnahmen. Erstens sollten Whistleblower-Berichte bei vierteljährlichen Treffen zwischen Ruag und dem VBS besprochen werden. Zweitens sollte Ruag MRO die unabhängige Whistleblower-Plattform der Eidgenössischen Finanzkontrolle bei ihren Mitarbeitern besser bewerben.
Alternde Gesundheitsbelegschaft stellt Herausforderung dar
Das Schweizer Gesundheitssystem wird von seinen Ärzten hoch bewertet, doch eine alternde Belegschaft stellt eine erhebliche Herausforderung dar. Eine Umfrage des Commonwealth Fund, an der sechs europäische Länder, die USA, Kanada, Australien und Neuseeland teilnahmen, ergab, dass 90 Prozent der Schweizer Ärzte ihr Gesundheitssystem als gut oder sehr gut bewerten. Damit liegt die Schweiz an der Spitze der zehn befragten Länder.
Arztzufriedenheit und Stress
- Weniger als die Hälfte der Schweizer Ärzte ist mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden.
- Die Hälfte aller Ärzte gibt an, extrem oder sehr gestresst zu sein.
- Vor zehn Jahren berichteten nur 30 Prozent über ähnliche Stresslevel.
- Ein Fünftel der Ärzte fühlt sich vom Burnout bedroht oder erlebt es derzeit.
Trotz hoher Bewertungen zeigen andere Umfrageergebnisse besorgniserregende Trends. Weniger als die Hälfte der Schweizer Ärzte ist mit ihrer Work-Life-Balance zufrieden. Die Hälfte bezeichnet sich als extrem oder sehr gestresst. Dies stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber vor zehn Jahren dar, als nur drei von zehn solche Stresslevel angaben. Ein Fünftel der Befragten fühlt sich vom Burnout bedroht oder leidet bereits darunter.
Die Altersverteilung im Gesundheitswesen ist ebenfalls ein Problem. Fast die Hälfte aller Ärzte in der Schweiz ist 55 Jahre oder älter. Diese demografische Verschiebung hat Auswirkungen, insbesondere auf die grundlegende Gesundheitsversorgung in ländlichen Gebieten, wo ein Mangel an Hausärzten zu einem erhöhten Druck auf die Spitäler führt.
Dieses Problem einer alternden Ärzteschaft wird sich voraussichtlich in den kommenden Jahren verschärfen und das Gesundheitssystem weiter belasten.




