Stefan Trechsel, ein herausragender Schweizer Jurist und einflussreiche Persönlichkeit im internationalen Recht, ist kurz vor Weihnachten in Bern im Alter von 88 Jahren verstorben. Seine jahrzehntelange Karriere war geprägt von bedeutenden Beiträgen zum Strafrecht und zu den Menschenrechten.
Wichtige Erkenntnisse
- Stefan Trechsel starb mit 88 Jahren in Bern.
- Er war Präsident der Europäischen Kommission für Menschenrechte.
- Trechsel war Richter am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien.
- Er hatte Professuren an den Universitäten St. Gallen und Zürich inne.
- Kollegen erinnern sich an ihn als brillante und herzliche Persönlichkeit.
Eine herausragende Karriere in Recht und Menschenrechten
Trechsels umfangreiche Karriere führte ihn zu mehreren Schlüsselpositionen sowohl in der Schweiz als auch auf internationaler Ebene. Er galt weithin als einer der wichtigsten Rechtswissenschaftler der Schweiz.
Seine Arbeit hatte einen nachhaltigen Einfluss auf die Auslegung und Anwendung des Strafrechts und der Menschenrechtsprinzipien. Viele Juristen in ganz Europa spürten seinen Einfluss.
Bemerkenswerte Rollen
- Präsident, Europäische Kommission für Menschenrechte
- Richter, Internationaler Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien
- Staatsanwalt, Bern
- Professor, Universität St. Gallen
- Professor, Universität Zürich
Stefan Trechsel wurde 1937 in Bern geboren und begann seine juristische Ausbildung an der Universität Bern. Sein Vater war Pfarrer in Boltigen, und seine Mutter stammte aus einer jüdischen Familie in Berlin. Dieser Hintergrund prägte wahrscheinlich seine Ansichten über Gerechtigkeit und Menschlichkeit.
Frühe Karriere und internationaler Dienst
Von 1971 bis 1975 war Trechsel Staatsanwalt in Bern. Diese frühe Erfahrung bildete eine starke Grundlage für seine spätere Arbeit. Sein Engagement für die Gerechtigkeit war von Anfang an offensichtlich.
1975 wurde er zum Mitglied der Europäischen Kommission für Menschenrechte gewählt. Er blieb bis 1999 bei der Kommission. In dieser Zeit durchlief er verschiedene Funktionen.
Führung an der Europäischen Kommission
Er war zunächst Mitglied, dann Vizepräsident und später Präsident einer Kammer. Schließlich wurde er Präsident der gesamten Kommission. Diese Rolle festigte seinen Ruf als führende Persönlichkeit im Bereich der Menschenrechte.
Seine Amtszeit in der Kommission fiel mit kritischen Perioden der europäischen Geschichte zusammen. Er trug dazu bei, die Menschenrechtsrechtsprechung in Zeiten erheblichen politischen und sozialen Wandels zu gestalten.
Die Europäische Kommission für Menschenrechte
Die Europäische Kommission für Menschenrechte war ein internationales Gerichtsorgan, das von 1954 bis 1999 existierte. Sie diente als erste Instanz für die Entscheidung über Individualbeschwerden wegen Verletzungen der Europäischen Menschenrechtskonvention, bevor Fälle an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte verwiesen wurden. Ihre Rolle war entscheidend für die frühe Entwicklung des Menschenrechtsschutzes in Europa.
Akademische Beiträge und spätere internationale Arbeit
Neben seinen internationalen Verpflichtungen pflegte Trechsel eine starke Präsenz in der Wissenschaft. Von 1979 bis 1999 war er ordentlicher Professor für Straf- und Strafprozessrecht an der Universität St. Gallen. Anschließend wechselte er an die Universität Zürich, wo er von 1999 bis 2004 lehrte.
Seine akademische Arbeit beeinflusste Generationen von Jurastudenten und Wissenschaftlern. Er war bekannt für seinen rigorosen Ansatz und sein tiefes Verständnis der Rechtsprinzipien.
„Stefan Trechsel war ein brillanter Jurist mit einer charmanten und herzlichen Persönlichkeit. Er war ein grosser Jurist für Bern und die Schweiz.“
Nach seiner Emeritierung setzte Trechsel seine internationale Arbeit fort. Im Jahr 2005 wurde er zum Richter am Internationalen Strafgerichtshof für das ehemalige Jugoslawien (ICTY) gewählt. In dieser Funktion war er bis 2013 tätig.
Der ICTY spielte eine entscheidende Rolle bei der Verfolgung von Personen, die für schwere Verletzungen des humanitären Völkerrechts im ehemaligen Jugoslawien verantwortlich waren. Trechsels Erfahrung und Expertise waren in diesen komplexen Verfahren von unschätzbarem Wert.
Internationaler Einfluss
Trechsels Engagement im ICTY unterstrich sein Engagement für die internationale Gerechtigkeit. Er trug zur Rechenschaftspflicht für Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit bei und hinterliess ein bleibendes Erbe im internationalen Strafrecht.
Ein Erbe des Mitgefühls und der Gerechtigkeit
Über seine formellen Rollen hinaus war Stefan Trechsel für seine persönliche Menschlichkeit bekannt. Laut dem pensionierten Journalisten Peter Schibli nahmen Trechsel und seine Frau regelmäßig verfolgte Personen in ihrem Haus auf. Dieser Akt des Mitgefühls unterstreicht sein tiefes persönliches Engagement für die Menschenrechte.
Er trug auch zum öffentlichen Diskurs über kritische soziale Fragen bei. So nahm er beispielsweise im Februar 2005 an einer Medienveranstaltung in Bern teil, bei der es um weibliche Genitalverstümmelung in der Schweiz ging. Dies zeigt seine Bereitschaft, sich schwierigen Themen zu stellen und sich für schutzbedürftige Bevölkerungsgruppen einzusetzen.
Trechsel war zudem zwölf Jahre lang Mitglied des Kuratoriums und des wissenschaftlichen Beirats des Max-Planck-Instituts für ausländisches und internationales Strafrecht und Kriminologie. Dieses Engagement verdeutlicht sein breites Engagement in der Rechtswissenschaft und -forschung.
Sein Tod markiert das Ende einer Ära für die Schweizer und internationalen Rechtsgemeinschaften. Stefan Trechsel hinterlässt ein Erbe von Integrität, intellektueller Brillanz und unerschütterlichem Engagement für Gerechtigkeit und Menschenrechte.
Kollegen und Freunde haben ihr Beileid ausgesprochen und erinnern sich an ihn als eine herausragende Persönlichkeit im Recht, die scharfen Intellekt mit echter Herzlichkeit verband.




