Ein 85-jähriger Immobilienbesitzer am Walensee wirft dem Bundesamt für Strassen (Astra) vor, den Kauf seiner stillgelegten Raststätte absichtlich zu verzögern. Heinz Peter Moravcik, der schwer an Krebs erkrankt ist, behauptet, Astra warte auf seinen Tod, um die Immobilie zu einem niedrigeren Preis zu erwerben. Astra weist diese Anschuldigungen entschieden zurück und erklärt, dass Preisdifferenzen das einzige Hindernis für eine Einigung seien.
Wichtige Erkenntnisse
- Heinz Peter Moravcik, 85, behauptet, Astra warte auf seinen Tod, um seine Raststätte zu erwerben.
- Moravcik kaufte die Immobilie 2013 für 800'000 Schweizer Franken.
- Astra schloss den Parkplatz der Raststätte 2017 aus Sicherheitsgründen.
- Moravcik fordert 1,5 Millionen Schweizer Franken für die Immobilie, einschliesslich entgangener Gewinne.
- Astra weist die Anschuldigungen zurück und verweist auf eine erhebliche Preisdifferenz.
Ein Jahrzehnt Streit um die Immobilie am Walensee
Die verlassene Raststätte in Oberstalden, Glarus, steht auffällig leer an der Autobahn A3 in der Nähe des Walensees. Ihr Eigentümer, Heinz Peter Moravcik, ein österreichischer Unternehmer, kaufte das malerische Anwesen 2013 für 800'000 Schweizer Franken. Seine ursprüngliche Vision war es, die Anlage zu renovieren und wieder Gäste zu empfangen.
Moravciks Pläne stiessen jedoch sofort auf Hindernisse. Im Jahr 2014 lehnten die örtlichen Behörden seinen Antrag auf Renovierung und Erweiterung ab. Zwei Jahre später wurde auch sein Versuch, in die ehemaligen Gästezimmer im Obergeschoss einzuziehen, blockiert. Die Gemeinde führte Probleme mit der Wohnnutzung an und stellte die Wasserversorgung wegen korrodierter Leitungen ein.
Immobilien-Zeitleiste
- 2013: Heinz Peter Moravcik kauft Raststätte für 800'000 CHF.
- 2014: Renovierungs- und Erweiterungspläne von der Gemeinde abgelehnt.
- 2016: Antrag auf Wohnsitz auf dem Grundstück abgelehnt, Wasserversorgung eingestellt.
- 2017: Astra schliesst Raststättenparkplatz aus Sicherheitsgründen.
- 2024: Moravcik lehnt Astra-Angebot ab; unterbreitet Gegenangebot von 1,5 Millionen CHF.
Sicherheitsbedenken führen zu Schliessung und Isolation
Die Situation eskalierte 2017 erheblich, als Astra den Parkplatz der Raststätte schloss. Die Behörde erklärte, dass der Beschleunigungsstreifen zur Wiedereinfahrt auf die Autobahn zu kurz und das Verkehrsaufkommen zu hoch sei. Diese Entscheidung isolierte die Raststätte effektiv und machte sie nur noch zu Fuss oder mit dem Fahrrad erreichbar.
„Das kommt einer Enteignung gleich“, erklärte Moravcik und bezeichnete die Entscheidung als „willkürlich“. Er betonte, dass er die Begründung für die Schliessung, die die Rentabilität seiner Immobilie stark beeinträchtigt habe, immer noch nicht nachvollziehen könne.
Die Schliessung bedeutete das Ende jeglicher Hoffnung auf einen kommerziellen Betrieb. Die einst belebte Raststätte verwandelte sich in eine Geisteranlage, die verfallen dastand, während ihr Besitzer nach einer Lösung suchte.
Der Vorwurf: Warten auf den Tod?
Moravcik, der an schwerem Krebs leidet, glaubt, dass Astra die Verhandlungen absichtlich in die Länge zieht. Er vermutet, dass die Bundesbehörde auf seinen Tod spekuliert, was den Erwerbsprozess vereinfachen würde. Moravcik hat keine Kinder, was bedeutet, dass die Immobilie von entfernten Verwandten geerbt würde.
Im Jahr 2024 lehnte Moravcik ein Kaufangebot von Astra aufgrund unterschiedlicher Preiserwartungen ab. Er hat daraufhin ein eigenes Gegenangebot unterbreitet und fordert 1,5 Millionen Schweizer Franken. Diese Summe umfasst 800'000 Schweizer Franken für die Immobilie selbst und weitere 700'000 Schweizer Franken für entgangene Gewinne und entstandene Kosten über die Jahre.
Die Rolle von Astra
Das Bundesamt für Strassen (Astra) ist für den Bau, die Instandhaltung und den Betrieb des Schweizer Nationalstrassennetzes zuständig. Dazu gehört die Gewährleistung der Sicherheit auf Autobahnen und die Verwaltung der zugehörigen Infrastruktur wie Raststätten. Streitigkeiten über den Landerwerb für öffentliche Infrastrukturprojekte sind nicht ungewöhnlich, aber die persönlichen Anschuldigungen in diesem Fall verleihen ihm eine einzigartige Dimension.
Astra weist Verzögerungsvorwürfe zurück
Astra hat Moravciks schwerwiegende Behauptungen entschieden zurückgewiesen. Ein Sprecher der Behörde erklärte: „Wir weisen den Vorwurf, auf den Tod eines Menschen zu spekulieren, entschieden zurück.“ Das Amt bekräftigt sein Engagement, eine nachhaltige Lösung für die Immobilie zu finden.
Laut Astra haben sowohl das Bundesamt als auch der Kanton Glarus wiederholt angeboten, die Immobilie zu erwerben. Eine Einigung sei jedoch aufgrund einer, wie Astra es beschreibt, erheblichen Diskrepanz bei den Preiserwartungen nicht erzielt worden. Die Behörde hält Moravciks Angebot von 1,5 Millionen Schweizer Franken für „deutlich“ über dem tatsächlichen Marktwert der Immobilie.
Der Stillstand dauert an, die Raststätte bleibt verlassen und ihr Eigentümer in einem langwierigen Streit mit einer Bundesbehörde.




